Aachen: Umweltzone: Investieren in neue Busse oder neue Technik?

Aachen : Umweltzone: Investieren in neue Busse oder neue Technik?

Gespannt blicken die Aachener in diesen Tagen nach Köln, wo die Bezirksregierung die Stellungnahmen und Einwände zum neuen Luftreinhalteplan prüft und bewertet. Ein Ergebnis wird zeitnah erwartet, und spätestens dann soll Gewissheit herrschen, ob weite Bereiche der Stadt als Umweltzone ausgezeichnet werden und demnächst nur noch mit Fahrzeugen mit einer grünen Plakette befahren werden dürfen.

Was für den Großteil der Autofahrer keine große Hürde sein wird — die meisten fahren längst mit grüner Plakette —, stellt vor allem den Busbetreiber Aseag und die beauftragten Subunternehmen vor neue Herausforderungen. Die Aseag wird 34 Euro3-Busse dann mindestens mit Dieselpartikelfiltern nachrüsten müssen, um die Umweltzone befahren zu dürfen, die Subunternehmen werden weitere 30 Fahrzeuge nachbessern müssen.

Stadt und Aseag haben in Aussicht gestellt, die rote Busflotte innerhalb der nächsten drei Jahre komplett auf Euro5- und Euro6-Standard zu bringen — allerdings nur, wenn die Umweltzone nicht eingeführt wird. Andernfalls werde man aus Kostengründen lediglich das Nötigste unternehmen und in Rußfilter für ältere Fahrzeuge investieren.

Insbesondere bei Umweltverbänden stößt dieses Ansinnen auf Empörung, zeige es doch, dass der Stadt vor allem daran gelegen ist, die Umweltzone zu verhindern, nicht aber, mehr für saubere Luft zu tun. Dass es bessere Wege gibt, zeige das Beispiel Berlin: Dort sind nicht nur längst alle Busse mit einer grünen Plakette unterwegs, zusätzlich sollen nun auch bis Ende des Jahres 202 Doppeldecker mit SCR-Katalysatoren ausgestattet werden. Anders als reine Rußfilter senkt die SCR-Technik auch den Stickstoffdioxidausstoß.

Dies wäre auch in Aachen besonders wichtig, argumentieren die Umweltverbände. Denn alle Messungen belegen, dass die Stickstoffdioxidbelastung in Aachen deutlich zu hoch ist. Sie fordern daher, dass auch in Aachen in die SCR-Technik investiert wird.

Nach Medienberichten haben Tests in Berlin ergeben, dass die Stickstoffdioxidemissionen mit modernsten SCR-Filtern um bis zu 80 Prozent gesenkt werden konnten. Für die Umrüstung der 202 Doppeldecker sind 4,5 Millionen Euro veranschlagt, die zur Hälfte aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert werden.

In Berlin erziele man mit EU-Mitteln eine deutlich bessere Wirkung, als Aachen es mit Eigenmitteln anstrebe, kritisiert unter anderem Norbert Rath vom ADFC. Tatsächlich hat die Stadt bislang weder ernsthaft den Einbau der SCR-Technik erwogen, noch überhaupt den Versuch unternommen, EU-Fördermittel dafür einzuwerben.

Aseag-Sprecherin Anne Linden erklärt dies damit, dass die Beschaffung neuer Busse eindeutig Vorrang vor der Nachrüstung alter Fahrzeuge habe. Mit der SCR-Technik erreiche man lediglich den Euro5-Standard, argumentiert sie. „Wir wollen hier neue Euro6-Fahrzeuge.“ Sie verweist dabei unter anderem auf eine Studie der FH Landshut, wonach 20 Euro6-Busse genauso viele Schadstoffe ausstoßen wie ein Euro5-Bus. Noch dazu sinke der Kraftstoffverbrauch.

Kostengründe

Kostengründe sprächen aus Sicht der Aseag gegen den Einbau der SCR-Technik. Pro Bus sind rund 10 000 Euro für einen Rußfilter und zusätzlich 15.000 Euro für die SCR-Anlage veranschlagt. Dieses Geld würde für die Anschaffung sauberer Euro6-Busse — deren Ankauf ebenfalls bezuschusst werde — fehlen. Mit welcher Technik die Aseag-Busse demnächst durch die Stadt fahren und wie sehr die Aachener dann aufatmen können, wird somit erst nach der Entscheidung über die Umweltzone geklärt werden. Auch deswegen wird der Beschluss aus Köln mit zunehmender Spannung erwartet.