Aachen: Umweltzone: Die Luft wird besser, aber sie ist noch nicht gut

Aachen : Umweltzone: Die Luft wird besser, aber sie ist noch nicht gut

Die Luft in der Stadt wird etwas besser. Zu dieser Einschätzung kommt die Verwaltung in einem Sachstandsbericht zum Luftreinhalteplan. Seit dessen Inkrafttreten im Jahre 2009 sei „ein positiver Trend zu verzeichnen“, heißt es in einer Vorlage für den Umweltausschuss, der dies am kommenden Dienstag offiziell zur Kenntnis nehmen soll.

Daraus könnten zwei Schlüsse gezogen werden: Die Feinstaubbelastung geht auch ohne Umweltzone zurück, und gegen zu hohe Stickstoffdioxidwerte hilft die Plakettenpflicht auch nicht wirklich.

Letzteres führt die Verwaltung auf den Abgas-Skandal der Autoindustrie zurück, der „damit ganz unmittelbar die Interessen der Bürgerschaft an gesundheitsverträglichen Umweltbedingungen“ berühre. Denn an den Messstationen an der Wilhelmstraße und am Adalbertsteinweg haben sich die Jahresmittelwerte kaum geändert. Die „faktische Einhaltung der EU-Normen im Kfz-Bereich“ hätte aber eigentlich zu einer geringeren Belastung mit Stickstoffdioxid führen müssen, schreibt die Verwaltung.

„Es gibt da kaum Bewegung“, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt, „und lange Zeit hatten die Fachleute keine Erklärung dafür.“ Seit bekannt sei, wie die Abgaswerte von Dieselmotoren manipuliert wurden, könne man sich einen Reim darauf machen. Die schönen Zahlen aus dem Testbetrieb würden natürlich nichts helfen gegen die Schadstoffbelastung, wenn unter realen Bedingungen auf Aachens Straßen der Ausstoß von Stickstoffdioxid deutlich höher sei.

An der Wilhelmstraße ist der Jahresmittelwert zwar von 56 Mikrogramm im Jahr 2009 auf 50 in 2015 gesunken, am Adalbertsteinweg ging es im gleichen Zeitraum von 51 auf 45 Mikrogramm herunter. Der Grenzwert von 40 Mikrogramm wird aber immer noch deutlich überschritten.

Um dem entgegenzuwirken, schaffe die Aseag jetzt Busse an, die dank moderner Technik auch Stickstoffdioxid herausfiltern könnten, erklärt Beckers. Die Sorgen mit dem Stickstoffdioxid haben die Aachener nicht allein. Laut Verwaltung würden in vielen anderen Großstädten ebenfalls die Grenzwerte überschritten. Notwendig sei deshalb die „Fortsetzung einer stringenten und ambitionierten lokalen Luftreinhaltepolitik“, heißt es in der Vorlage, „für deren Erfolg Bund und Länder deutlich bessere Voraussetzungen schaffen müssen“.

Deutlich positiver sieht es in Sachen Feinstaub aus: „Aachen hat kein akutes Feinstaubproblem mehr“, schreibt die Verwaltung in ihrem Sachstandsbericht zur Fortschreibung des Luftreinhalteplans, mit dem in regelmäßigen Abständen die Bezirksregierung routinemäßig auf dem Laufenden gehalten wird. Die Stadt führt das darauf zurück, dass die ergriffenen Maßnahmen Erfolge zeigten.

An dem positiven Trend hat die Umweltzone — noch — keinen Anteil. Das umstrittene und von der Stadt lange abgewehrte Fahrverbot für Autos ohne grüne Plaketten gilt erst seit Februar 2016. Doch schon im Jahr zuvor war die Zahl der Tage, an denen der zulässige Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten wird, auf zwölf zurückgegangen.

Im Jahr 2007 war die Latte noch an 48 Tagen gerissen worden. Danach ging es immer weiter bergab, Im Jahre 2012 waren es 32 Überschreitungstage, ein Jahr später dann aber wieder 46. Schuld daran seien die Arbeiten am Aquis Plaza unweit der Messstation an der Wilhelmstraße, hatte die Stadt schon seinerzeit betont. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) sieht das jetzt wohl auch so. Laut Auskunft des Lanuv sei mit den für 2015 ermittelten Feinstaubwerten belegt, heißt es in der Vorlage, „dass die in 2013 aufgetretene hohe Zahl an Überschreitungstagen zweifelsfrei auf eine benachbarte Großbaustelle zurückzuführen“ sei.

Inzwischen geht die Verwaltung davon aus, dass der von der EU vorgeschriebene Grenzwert von 35 Tagen künftig nur noch unter Ausnahmebedingungen wie meteorologischen Besonderheiten oder eben Großbaustellen im Umfeld der Messstationen überschritten werden dürfte.

„Auch ohne die Umweltzone wären wir zu Ergebnissen gekommen, die für die Luftreinhaltung in Aachen positiv gewesen wären“, sagt Harald Beckers. Diesen Weg hätte die Stadt auch gerne weiter beschritten, „aber es ist jetzt müßig, darüber zu lamentieren“.

Immerhin bringt die Zone Verwarnungsgelder ein. Rund 20.000 Verstöße wurden inzwischen protokolliert. Doch hätten laut Beckers etwa 70 Prozent der Ertappten durchaus die technischen Voraussetzungen für die grüne Plakette erfüllen können.

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