Aachen: Umweltzone: Das Unausweichliche beginnt am 1. Februar

Aachen : Umweltzone: Das Unausweichliche beginnt am 1. Februar

Das Spiel ist aus, nachkarten bringt nichts mehr. Zwar betont Oberbürgermeister Marcel Philipp am Freitag noch einmal, dass die Stadt durchaus allerhand unternommen habe, um die Luft sauberer zu machen. Aachen habe da Maßnahmen ergriffen, „auf die andere erst später gekommen sind“.

Aber obwohl „viel passiert“ sei, würden in der Stadt wegen ihrer Lage im Talkessel immer noch Grenzwerte überschritten. Und so muss dann jetzt doch die Umweltzone eingeführt werden,

Am 1. Februar ist es soweit, und das Datum macht den OB schon etwas lockerer. Weihnachten und das entsprechende Geschäft sind vorbei, „im Februar ist das entspannter“. Dabei sollte es ohnehin kein allzu großes Problem sein, wenn ab Februar nur noch Autos mit grüner Plakette in die Innenstadt fahren dürfen. Nach Berechnungen der Verwaltung haben 92 Prozent der Autos den entsprechenden Aufkleber auf der Windschutzscheibe.

Um die restlichen acht Prozent will die Stadt sich kümmern. Darunter sind zum Beispiel jene Besucher aus dem benachbarten Ausland, deren Autos das nötige Pickerl fehlt, obwohl sie die Voraussetzungen dafür erfüllen. „Die Plaketten können auch online beantragt werden“, erklärt Heike Ernst, die Leiterin der städtischen Straßenverkehrsbehörde.

Zu bekommen sind sie etwa beim TÜV, bei der Dekra oder auch in autorisierten Werkstätten und beim Straßenverkehrsamt. Dort gibt es die Antragsformulare auch in Niederländisch, Französisch und Englisch.

Aber es braucht ohnehin nicht jedes Kraftfahrzeug ein grünes Schildchen. Wer nur auf zwei oder drei Rädern unterwegs ist, kommt ohne aus, land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen sind ebenso befreit wie Oldtimer oder die Fahrzeuge von Schwerbehinderten unter bestimmten Voraussetzungen.

Neben diesen sogenannten allgemeinen Befreiungen besteht noch die Möglichkeit, sich auf Antrag von der Plakettenpflicht befreien zu lassen. „Aber die Hürde ist hoch“, warnt Heike Ernst all jene, die womöglich allzu optimistisch auf rheinische Lösungen hoffen.

Zu den Voraussetzungen, die dafür erfüllt sein müssen, gehört unter anderem etwa der Nachweis, dass der Wagen schon vor dem 1. Januar 2008 auf den Halter zugelassen ist und nicht nachgerüstet werden kann. Chancenlos bliebt ein solches Ansinnen, wenn dem Antragsteller ein anderes Fahrzeug zur Verfügung steht, das die „Zugangsvoraussetzungen einer Umweltzone erfüllt“.

Und natürlich spielt auch der Fahrtzweck eine Rolle. Akzeptiert werden notwendige Krankenhaus- oder Arztbesuche oder auch die Anreise von Berufspendlern, wenn denen zu Arbeitsbeginn oder -ende kein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht. Wer auf eine Sondergenehmigung hofft, um mit dem alten Zweitwagen zum Shoppen in die City zu fahren, kann es also vergessen.

Hoch ist die Hürde auch für Gewerbetreibende, die noch allerhand ältere Fahrzeuge im Fuhrpark haben. „Sicher ist mancher Handwerker nicht erfreut, wenn er jetzt plötzlich vier neue Fahrzeuge anschaffen muss“, weiß Heike Ernst. Doch es solle niemand in die Pleite getrieben werden. Im Dickicht der Ausnahmeregelungen müsste sich eine Lösung finden lassen.

Drei Monate Übergangsregelung

„Man muss immer den Einzelfall individuell betrachten“, sagt OB Philipp. Und da spiele es eine Rolle, ob eine sogenannte Ersatzbeschaffung zu einer Existenzgefährdung führen würde. Aber das müsse halt begründet werden. „Da ist dann der Steuerberater gefragt“, meint Heike Ernst. Und auch Philipp stellt klar, dass als zu hoch empfundene Kosten noch nicht das Kriterium der Existenzgefährdung erfüllen. Aber der OB betont auch: „Wir wollen niemanden in existenzielle Probleme treiben.“

Auch jenen Anwohnern der Umweltzone, die noch zur plakettenlosen Minderheit gehören, will die Stadt entgegenkommen. Für sie gibt es eine Übergangsregelung in den ersten drei Monaten. Bis zum 30. April reicht es den „Kontrollkräften“ (also den Politessen, die den ruhenden Verkehr überwachen und dabei auch auf die Plaketten schauen), wenn ein gültiger Bewohnerparkausweis hinter der Windschutzscheibe liegt.

Und auch ab Mai kann noch bis zu sechs Monaten verlängert werden, wenn der Anwohner auf einen bestellten Neuwagen wartet oder sich die Nachrüstung seines alten Autos verzögert.

Weil alle diese Regelungen und Ausnahmen einigermaßen kompliziert sind, hat die Verwaltung sie unter www.aachen.de/umweltzone im Netz zusammengefasst. „Wir dachten, das Internet ist dafür eine gute Plattform“, sagt Harald Beckers vom Presseamt.

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