Aachen: Umweltzone: ADFC legt „Faktencheck“ zur Luftreinhaltung vor

Aachen : Umweltzone: ADFC legt „Faktencheck“ zur Luftreinhaltung vor

Im Streit um die weiteren Schritte zur Luftreinhaltung wirft der Fahrradclub ADFC der Stadt Aachen vor, mit falschen Behauptungen gegen die geplante Umweltzone zu Felde zu ziehen. Demnach gebe es in der Verwaltungsvorlage, über die am Donnerstag die Verkehrs- und Umweltpolitiker beraten werden, Aussagen, die „fachlich nicht haltbar“ seien.

Der ADFC gehört zu jenen Umweltverbänden, die seit Jahren auf schärfere Maßnahmen zur Luftreinhaltung in Aachen drängen und der Stadt ein zu zögerliches Vorgehen gegen den wachsenden Autoverkehr vorwerfen. In einem jetzt vorgelegten „Faktencheck“, wie es der ADFC selber nennt, listet der Verband unter anderem auf, dass die Kfz-Zulassungszahlen in Aachen trotz der Maßnahmen des Luftreinhalteplans 2009 stärker als im Bundesdurchschnitt gestiegen seien.

Die angestrebte Änderung im Mobilitätsverhalten der Menschen habe die Stadt mit den Maßnahmen in den zurückliegenden Jahren nicht erreicht. Im Gegenteil: Die Zahl der Nutzfahrzeuge sei sogar trotz eines teilweise bestehenden Fahrverbots an der Wilhelmstraße stark gestiegen. Und auch an den besonders stark belasteten Straßen Alt-Haarener-Straße in Haaren und Von-Coels-Straße in Eilendorf sei die Verkehrsbelastung weiter gewachsen. Entsprechend gestiegen sei dort die Stickstoffdioxidbelastung.

Der ADFC gibt der Stadt zwar Recht, dass auch Städte mit Umweltzonen weiterhin die EU-Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid überschreiten, allerdings seien die Reduktionsraten in Aachen deutlich geringer als in Städten mit Umweltzonen.

Dass der Hotspot mit den höchsten Grenzwertüberschreitungen nicht an der Wilhelmstraße und am Adalbertsteinweg, sondern an der Alt-Haarener-Straße liege, werde von der Stadt gleich ganz verschwiegen, kritisiert der ADFC. Insgesamt komme es an 19 Straßenabschnitten im gesamten Stadtgebiet zu Grenzwertüberschreitungen.

Auch die Behauptung, dass Aachen kein Feinstaubproblem mehr habe, sei falsch. Noch 2015 habe es wieder „erhebliche Grenzwertüberschreitungen“ gegeben. Das Feinstaubproblem sei nicht gelöst, sondern unterliege „starken witterungsbedingten Schwankungen“, so der ADFC.

Weniger grüne Plaketten

Und nicht zuletzt widerspricht der Verband auch der Einschätzung der Stadt, wonach die Umweltzone keine nennenswerten Effekte habe, weil schon heute „95 Prozent der Pkw“ eine grüne Plakette hätten. Diese Zahl liege in Wahrheit nur bei 90 Prozent, bei den kritischen Diesel-Pkw sogar nur bei 63 Prozent. Bei Bussen und Lkw sei der Anteil noch geringer. Zufahrtsbeschränkungen durch eine grüne Umweltzone würden daher sehr wohl „zu einer Veränderung führen“, ist der ADFC überzeugt.

Diese Ansicht teilt auch das Landesumweltamt, dessen Untersuchungen und Prognosen maßgeblich zu den Plänen für eine Umweltzone geführt haben, die ab Dezember auch in Aachen eingerichtet werden soll.

Die Stadt Aachen hält dies für kontraproduktiv und versucht, die Umweltzone auch deshalb zu verhindern, weil Handel, Wirtschaft und Gastronomie fürchten, Kundschaft aus den Nachbarländern zu verlieren.

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