Aachen: Umweltverbände zweifeln am Segen der E-Mobilität

Aachen : Umweltverbände zweifeln am Segen der E-Mobilität

Nachdem Oberbürgermeister Marcel Philipp Anfang der Woche angekündigt hat, innerhalb von drei Monaten ein Konzept zur E-Mobilität vorzulegen und mit den Behörden in Brüssel und Berlin zu diskutieren, sind die Aachener Umweltverbände VCD, ADFC und BUND nun gespannt auf das Ergebnis.

In einer Pressemitteilung zeigen sie sich skeptisch, dass damit eine Umweltzone noch verhindert werden kann. „Wie die Stadt die gleiche Wirkung mit mehr E-Mobilität in kurzer Zeit erreichen will, ist eine spannende Frage“, schreiben sie. Immerhin seien elektrobetriebene Autos noch fast doppelt so teuer wie konventionelle. Und der Einsatz von Elektrobussen bei der Aseag ist wegen der geringen Reichweite von Akkus vorerst nur auf wenigen Linien möglich.

„E-Mobilität ist gut, ersetzt aber nicht die nachhaltige Verlagerung von mehr Autoverkehr auf ÖPNV, Radverkehr und zu-Fuß-Gehen“, meinen die Umweltverbände. Dazu enthalte der neue Luftreinhalteplan viele Bausteine, die nach Meinung der Umweltverbände allerdings noch zu zaghaft seien. Und ob die Politik bei der Umsetzung im Einzelfall den Vorschlägen der Verwaltung auch konsequent folgen wird, davor setzen VCD, ADFC und BUND ein dickes Fragezeichen. „Beim Maßnahmenplan Radverkehr wird spätestens dann gekniffen, wenn Stellplätze wegfallen.“ Dies zeige sich etwa auch bei den Planungen für den Krugenofen oder die Alt-Haarener- Straße.

„Die klare Forderung lautet daher: endlich schnellere und konsequentere Taten, statt künstlich aufgeregtem Lamento gegen die Umweltzone.“ Ein Modellprojekt für E-Mobilität, das möglicherweise nur den Austausch von Bussen der Aseag beinhalte, reiche bei weitem nicht aus. „Auch für die E-Mobilität im Radverkehr muss es einen deutlichen Schub geben. Und attraktiverer Radverkehr braucht mehr Platz als heute. An engen Stellen müssen daher auch Parkplätze wegfallen.“

Mit ihrem Schreiben erneuern die Umweltverbände ein Gesprächsangebot an den Oberbürgermeister vom letzten Jahr, das er bis heute nicht angenommen habe.

Auf schnelles und entschiedeneres Handeln drängt auch der Nabu-Vorsitzende Claus Mayr. Er verweist auf das anstehende Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Deutschland wegen der seit Jahren zu starken Luftverschmutzung in den Städten. „Andere Mitgliedstaaten haben schon wesentlich drastischere Mittel zur Umsetzung erlassen“, erklärt er und nennt als Beispiele Umweltzonen in fast allen größeren Städten der Niederlande, Durchfahrtverbote für Lkw in vielen Städten, City-Maut (etwa in London), das Verbot von Baumaschinen ohne Filter, Verbote von Diesel-Taxis in der Innenstadt oder auch tageweise wechselnde Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge (Paris). Die Ausschöpfung aller Möglichkeiten — inklusive Umweltzone — sei daher auch in Aachen dringend geboten.

(gei)
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