Aachen: Umweltverbände fordern: Diesel-Autos raus aus der Stadt

Aachen : Umweltverbände fordern: Diesel-Autos raus aus der Stadt

„Zwei Jahre nach Einführung der grünen Umweltzone in Aachen bleibt saubere Luft für die Bewohner der Stadt weiterhin ein Fremdwort.“ So beginnt eine Stellungnahme des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Greenpeace, vom NABU-Stadtverband Aachen und vom Verkehrsclub Deutschland zur aktuellen Luftqualität in der Stadt, die am Montag an die Stadtverwaltung und die Fraktionen im Rat geschickt wurde.

Im Jahr 2017, so berichten die Verbände, wurde an der Wilhelmstraße mit 46 g pro Kubikmeter zum wiederholten Male der seit 2010 gültige Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) von 40 g pro Kubikmeter überschritten.

Zunächst erscheine das Absinken des Jahresmittelwertes um 4 g pro Kubikmeter gegenüber dem Wert von 2016 ein Erfolg zu sein. „Leider ist dies nur vordergründig ein Erfolg“, bedauert Volker Schober vom ADFC. „Denn der Rückgang ist nicht auf die Umsetzung von Maßnahmen aus dem Luftreinhalteplan zurückzuführen, sondern auf die regen- und windreiche Witterung im Herbst und im Winter, insbesondere im Dezember“ erläutert er. Die Schadstoffe seien aus der Luft gewaschen worden, bevor diese die Messstation erreicht haben.

Besonders besorgniserregend seien die sehr hohen NO2-Belastungen am Tag. Im Zeitraum von 7 bis 18 Uhr, wenn viele Menschen in der Stadt unterwegs sind, werde ein Mittelwert für NO2 von 54 g/pro Kubikmeter erreicht. An zwei Tagen wurden sogar Werte von mehr als 200 g NO2 gemessen.

Nach den bisher veröffentlichten vorläufigen Daten des Umweltbundesamtes für 2017 sind Messergebnisse für den Adalbertsteinweg und Haaren noch nicht verfügbar. Andreas Schulze von Greenpeace Aachen ist gespannt, „wie sich die Werte im Vergleich zum Jahr 2016 an der Messstation Haaren, welche außerhalb der Umweltzone liegt, verändert haben.“ Er fragt sich, ob die Umweltzone auf Haaren erweitert werden muss.

Verbände fordern Maßnahmen

Da die Koalitionsverhandlungen in Berlin zu keinen zukunftsweisenden Entscheidungen geführt hätten, fordern die Aachener Umweltverbände konkrete Maßnahmen für die Stadt, mit denen die Anzahl von Autos in der Innenstadt und damit die NO2-Emissionen deutlich reduziert werden können. Claus Mayr vom NABU betont: „Diesel-Pkws sind für etwa 70 Prozent der NO2-Emissionen in der Innenstadt verantwortlich. Die von der großen Koalition geplante Nachrüstung von Bussen ist eine wichtige Maßnahme — wird aber alleine nicht reichen.“

Die Aachener Umweltverbände haben nach eigener Aussage viele sinnvolle Maßnahmen vorgeschlagen, „doch leider waren der örtlichen Politik immer die Bedürfnisse des Kraftfahrzeugverkehrs wichtiger als gesunde Lebensverhältnisse für die Anwohner“, heißt es in der Stellungnahme. Dies zeige sich nach der Diskussion am Krugenofen aktuell wieder bei den geplanten Radverkehrsanlagen an der Breslauer Straße. Die Verwaltung lege eine zukunftsweisende Planung für den Bereich der Breslauer Straße vor und wird in den politischen Gremien dafür hart angegangen. „Solche Diskussionen müssen angesichts der besorgniserregenden Messergebnisse der Vergangenheit angehören“, fordert Sabine Neitzel vom VCD.

Die Umweltverbände wünschen sich hier ein gemeinsames Engagement von Politik und Verwaltung, endlich wirksame Maßnahmen für saubere Luft umzusetzen. Volker Schober vom ADCF stellt weiter mit Bedauern fest: „Die Quittung für die langjährige Vernachlässigung des Radverkehrs wird leider sehr bald kommen!“

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