Aachen: Umstrittener Museumschef hat plötzlich gute Karten

Aachen: Umstrittener Museumschef hat plötzlich gute Karten

Nach Ende der Karlsaus­stellungen sollte Schluss sein für den umstrittenen Museumschef Peter van den Brink. Doch wie es aussieht, kann der 57-Jährige nun sogar auf eine Lebensstellung in Aachen hoffen.

Im Kulturausschuss sollen am Donnerstag die Weichen für seine Weiterbeschäftigung gestellt werden, und nicht wenige Politiker werden dies mit geballter Faust in der Tasche tun.

Es sind vor allem rechtliche Aspekte, die eine Mehrheit bewegen werden, van den Brink „auf unbestimmte Zeit“ über den 31. Dezember hinaus weiter zu beschäftigen. Denn vor dem Arbeitsgericht hätte er nach Einschätzung des Personaldezernenten Lothar Barth beste Aussichten, sich gegen einen Rausschmiss erfolgreich zur Wehr zu setzen. „Dann wäre der Schaden noch größer“, heißt es inzwischen bei der SPD, die einst zu den schärfsten Kritikern van den Brinks gehörte, nun aber gemeinsam mit der CDU für dessen Vertragsverlängerung stimmen will.

Insbesondere bei den Grünen und Linken ist das Entsetzen darüber groß. Denn politisch gab es einschließlich der FDP eine deutliche Mehrheit, die die Zusammenarbeit mit van den Brink Ende des Jahres beenden wollte. Dass die Verwaltung dies durch eine unzureichende Vertragsausgestaltung konterkariert hat, gehört nun ebenfalls zu den Aufregern in dieser Personalie.

Dem Museumschef wird unter anderem vorgeworfen, die hauseigene Sammlung zu vernachlässigen und kein Gespür für seine Mitarbeiter zu haben. Auch die Politiker fühlten sich aufgrund eines „divenhaften Verhaltens“ vielfach nicht ernst genommen. Und nicht zuletzt hat sich van den Brink auch mit seiner Reisetätigkeit viel Ärger eingehandelt. Er zeige zu wenig Präsenz in Aachen und habe mehrfach auch übertrieben hohe Spesenabrechnungen verursacht.

Angesichts der Rechtslage können seine Kritiker nunmehr offenbar nur auf Besserung und gute Arbeit in den nächsten Jahren hoffen. Seine einstigen Freiräume sollen vertraglich beschnitten werden — unter anderem durch eine höhere Präsenzpflicht und eine stärkere Reisekontrolle. Und auch seine Zuständigkeit soll — bei gleichen Bezügen — deutlich beschnitten werden: Peter van den Brink wäre dann nur noch Leiter des Suer­mondt-Ludwig-Museums, die Verantwortung für die anderen städtischen Museen soll im Zuge einer Umorganisation neu vergeben werden.

Das letzte Wort zu van den Brinks Weiterbeschäftigung hat der Rat am 22. Oktober. Bis dahin will sich auch der Personalrat äußern, der erstmals am kommenden Dienstag über den ungeliebten Museumschef beraten wird.

Noch würden nicht alle Unterlagen vorliegen, sagt die Vorsitzende Karola Hoch, die gleichwohl schon jetzt mit einer „sehr kontroversen Diskussion“ rechnet. Nachfragen will man auch, wie es zu den folgenreichen Verträgen kommen konnte, die nun angeblich Grundlage eines „Dauerarbeitsvertrages“ sind. Hat die Verwaltung wirklich so schlampig gearbeitet? Oder steckt womöglich sogar Strategie dahinter?