Aachen: Umstrittene Buchungen: Gutachten entlastet CDU-Vorsitzende Thönnissen

Aachen : Umstrittene Buchungen: Gutachten entlastet CDU-Vorsitzende Thönnissen

Ulla Thönnissen kann aufatmen. Heute kann sie ihren Kollegen im Kreisparteivorstand der CDU ein Gutachten vorlegen, das einen aus ihrer Sicht lästigen Vorfall aus dem vergangenen Jahr beenden soll: Auf dem CDU-Kreisparteitag im November, bei dem sie mit 62 Prozent zur Parteivorsitzenden gewählt wurde, hatte ihr Ratsherr Ralf Demmer (CDU Lousberg) in Bezug auf einen Wahlwerbefilm „unsaubere Buchführung“ vorgeworfen.

Das nun vorliegende Gutachten des Verwaltungsrechtlers Norbert Kämper, Experte der Wirtschaftsprüferagentur Taylor und Wessing, attestiert Thönnissen völlig korrektes Verhalten.

Demmer hatte seinerzeit moniert, dass Thönnissen die Kosten für den Film als Spende an die Partei überwiesen habe, dieses Geld jedoch wenige Tage später wieder zurückerhalten habe. „Das gleich nach der Landtagswahl“, sagt Thönnissen heute, sie habe damals mit der verlorenen Wahl möglichst schnell abschließen wollen und nicht darüber nachgedacht, dass die Rechnung für den kurzfristig entstandenen Film, rund 11.000 Euro, das geplante Wahlkampfbudget überschreiten würde. „Darum hat die Partei das Geld als Fehlbuchung gleich zurücküberwiesen, und ich habe die Summe privat beglichen.“

Grünes Licht für den Vorstand

Nach den Diskussionen um diese Buchung hatte der Vorstand beschlossen, den alten Kreisvorstand zunächst nicht zu entlasten, bis ein parteienrechtliches Gutachten in Sachen „Film“ grünes Licht gibt. Dass das jetzt passiert ist, freut Thönnissen sichtlich. Auch darüber, dass der Kreisvorstand in seiner jetzigen Konstellation gut zusammenarbeite, sei erfreulich. „Wir können uns jetzt voll auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren.“ Der haltlose Vorwurf von Ralf Demmer habe niemandem etwas genutzt, sagt sie. Demmer selbst war beim Parteitag weder zum stellvertretenden Vorsitzenden noch zum Beisitzer gewählt worden.

Thönnissen räumt ein, im vergangenen Jahr taktische Fehler begangen zu haben. „Ich habe diese Anwürfe nicht ernst genug genommen, ich hätte die Sache von Anfang an offensiver angehen müssen.“ Nun will sie aber nach vorne blicken. Die Partei habe viel zu tun. Es gelte zwei Wahlen vorzubereiten: die Europawahl und die Kommunalwahl. „Da haben wir eine Menge Arbeit vor uns“, betont Thönnissen.

Und was hat es mit diesem Werbefilm eigentlich auf sich? Der Clip sei schnell wieder aus dem Netz genommen worden, weil sie nicht davon überzeugt war, dass er ihr im Wahlkampf tatsächlich genutzt hätte. Das wirkt, zugegeben, vielleicht ein bisschen hektisch. „Vor solch einer Wahl sind Kandidaten eben angespannt und nervös“, erklärt Thönnissen.

(wos/slg)
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