Aachen: Umfrage: Wohin mit leeren Flaschen in der Stadt?

Aachen: Umfrage: Wohin mit leeren Flaschen in der Stadt?

Man kennt das: Junge Menschen auf dem Weg zu einer Party besorgen sich an einem Kiosk ein Wegbier oder ein anderes Getränk, und lassen es vor dem Betreten der Diskothek oder der Gaststätte neben einem Mülleimer stehen.

So schlagen sie — vermeintlich — zwei Fliegen mit einer Klappe: Glas dürfen sie in den meisten Fällen nicht mit in einen Club bringen. Und die Pfandsammler, die es auch in Aachen gibt, müssen sich nicht durch unappetitlichere Abfälle in den Mülleimern wühlen, um an die Pfandflaschen zu kommen. Die Piraten und die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Aachener Stadtrat hat nun einen Antrag gestellt, an Mülleimern in der City sogenannte Pfandringe oder Pfandkisten anzubringen — es ist nicht das erste Mal, dass sie das versuchen.

„Es geht uns bei diesem Antrag nicht um Armutsbekämpfung“, sagt Horst Schnitzler von der UWG, es gehe vielmehr um „sauberes Arbeiten“ für die Menschen, die so oder so das Flaschenpfand in der Stadt einsammeln würden. „Wir wollen den Menschen zeigen: Wir respektieren euch.“ Schnitzler findet, dass man den Menschen, die finanziell auf das Sammeln von Pfand angewiesen sind, ein Stück Würde zurückgibt, wenn sie nicht im Müll wühlen müssen, um an die Centbeträge zu kommen, die sie pro Flasche kriegen können.

Das System hinter den Pfandringen ist recht simpel: Sie werden wie ein kleines Flaschenregal in unmittelbarer Umgebung von öffentlichen Mülleimern angebracht. Städte wie Düsseldorf nutzen das System. Die Stadtverwaltung argumentiert, dass andere große Städte — darunter Köln — sich nach einer Probephase gegen Pfandringe ausgesprochen hätten. Zu ineffizient, zu aufwendig in der Reinigung.

„Wir haben diesen Antrag vor ein paar Jahren schon mal gestellt“, erklärt Felix Kehren von den Piraten. Seinerzeit habe man den Antrag, versuchsweise solche Pfandringe in Aachen aufzustellen, nur knapp abgelehnt. Und Kehren befürchtet, dass der Antrag auch diesmal keine Mehrheit finden wird. Trotzdem plädiert er dafür, es beispielsweise an der Pontstraße oder am Elisengarten wenigstens zu versuchen. „Hier sind viele Menschen mit Pfandflaschen unterwegs, und wir glauben, dass die Ringe gut angenommen würden.“ Außerdem gehe es den Piraten darum, die Aachener Bürger für das Thema zu sensibilisieren und die Debatte über das Pfandsammeln am Leben zu erhalten.

Auch andere Parteien befassen sich mit der Sache, wenn auch mit anderem Ergebnis als die Piraten und die UWG: „In unserer Partei führen wir eine eher ethische Debatte über dieses Thema“, erklärt Michael Servos, Fraktionsvorsitzender der SPD, auf Anfrage der „Nachrichten“. Die Frage sei, ob man etwas, das es eigentlich gar nicht geben dürfte, wirklich institutionalisieren wolle. „Wir sind der Ansicht, dass man, um das Problem der Armut lösen, an anderer Stelle ansetzen muss“, sagt Servos, der betont, dass die Aachener SPD auch der Einführung von Hartz IV kritisch gegenüber stehe.

„Uns ist durchaus bewusst, dass das Thema Pfandsammeln polarisiert“, sagt Felix Kehren, der sich vor allem darüber ärgert, wie die Stadtverwaltung mit dem Antrag seiner Partei und der UWG umgegangen ist. „Die Verwaltung hat sich nur oberflächlich mit unserem Antrag befasst“, sagt er.

Die Vorlage in diesem Jahr sei beinahe identisch mit der aus 2014. „Auf neu eingebrachte Argumente ist die Verwaltung nicht eingegangen“, sagt Kehren. So hatten die Politiker vorgeschlagen, dass man solche Pfandringe durch Kunstaktionen optisch aufwerten könne, damit die Flaschen nicht das Straßenbild verschandeln. Dass die Stadt auf solche Vorschläge gar nicht eingeht, sei enttäuschend.

Weder UWG noch Piraten wollen sich aber von dem Gedanken abbringen lassen, die Pfandringe nach Aachen zu bringen. „Wir denken derzeit über öffentliche Aktionen nach“, sagt Horst Schnitzler, der nach eigenen Angaben Gespräche mit vielen Pfandsammlern geführt hat. Beispielsweise könnte man eine Podiumsdiskussion organisieren.

Ganz ohne Pfandkiste ist Aachen übrigens gar nicht: An der Ecke Krakaustraße/Kasernenstraße in der Innenstadt hängt seit Jahren solch eine Kiste. Die benachbarte Gaststätte Last Exit hat zwar mit der Kiste nichts zu tun, man hat sie aber von dort aus durchaus gut im Blick. „Anfangs ist die Kiste recht gut genutzt worden“, erklärt ein Last Exit-Mitarbeiter den „Nachrichten“. Mittlerweile sei die Kiste aber so gut wie immer leer.