Aachen: Umfangreiche Hilfe für behinderte Kinder

Aachen: Umfangreiche Hilfe für behinderte Kinder

Im Neunten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB IX) steht unter anderem: Die Hilfe für behinderte Kinder muss umfangreich sein. Doch was genau bedeutet das eigentlich? Die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt kennt die Frage.

Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, hatte sie 2003 die sogenannte Frühförderverordnung erlassen. Darin ist festgelegt, dass jeder Familie mit einem behinderten Kind eine individuelle Frühförderung zusteht. Früh bedeutet, zwischen dem ersten und dem sechsten Lebensjahr. Zudem sollen Eltern genauso wie ihre Kinder betreut werden und Ansprechpartner finden.

Denn je mehr die Eltern in die Therapie miteinbezogen werden, desto effektiver ist sie, erklärt der Geschäftsführer der Lebenshilfe Aachen, Herbert Frings. Jedoch fehle nach wie vor die Definition von einer umfassenden Komplexleistung. Denn obwohl ein Gesetz da ist, muss jede Kommune vor Ort mit den Krankenkassen immer noch Verträge aushandeln. Jeder verstehe unter umfassend und komplex etwas Anderes. Je nachdem, wer welche Interessen vertrete.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Schmidt spricht von einem „Skandal: Ich sehe keinen gemeinsamen Willen von allen Vertragspartnern”. Die Kommunen, die Krankenkassen und der Staat müssten sich einig werden, so dass die Kosten zu 100 Prozent gedeckt werden können.

Auch die Lebenshilfe Aachen hat ihr Angebot erst 2007 erweitern können. Das Ergebnis kann sich auch dank Schmidt sehen lassen: Inzwischen wurden aus zwei Niederlassungen fünf in der Städteregion. Auch die Diagnostik der jeweiligen Krankheit findet nun vor Ort statt, sofern der Kinderarzt eine Überweisung ausgestellt hat.

Tina Ruhe nutzt das Angebot der Lebenshilfe: „Ohne die Therapie wären wir nicht da, wo wir heute sind.” Bei ihrer zweijährigen Tochter wurde Hemiplegie, die komplette Lähmung einer Körperseite, und Entwicklungsverzögerung festgestellt.

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