Aachen: Um 13.45 Uhr kommt das Friedenslicht an

Aachen : Um 13.45 Uhr kommt das Friedenslicht an

„Wenn dieses Zeichen des Friedens in unserem Haus leuchtet, dann wissen wir: Bald ist Weihnachten. Und ohne das Licht würde uns etwas fehlen“, sagt Eva Stückradt. Wie in jedem Jahr ist sie mit ihren Kindern nach Aachen gekommen, um eine Kerze am Friedenslicht aus Bethlehem zu entzünden. Pünktlich um 13.45 Uhr kam das Licht am dritten Adventssonntag mit einem Sonderzug in Aachen an.

Parallel reisten Delegationen mit dem Licht in rund 30 andere deutsche Städten. Elisabeth Schmücking, die „Lichtträgerin“, sorgt seit 19 Jahren dafür, dass die Flamme den Weg unbeschadet übersteht.

„1997 fuhr ich mit Freunden nach Köln zur Friedenslichtaussendung. Eine befreundete Pfadfinderin hatte mir davon erzählt“, erinnert sich Schmücking. Zehn Jahre zuvor war die Aktion vom österreichischen Fernsehsender ORF ins Leben gerufen worden: Das Licht der Kerze an der Geburtsgrotte in Bethlehem soll als Symbol für den Frieden um die Welt gehen. Auch im Bistum Aachen wird das Licht seit 1999 in einer zentralen Aussendungsfeier weitergegeben. „Mein großer Traum ist es, einmal an den Ursprungsort des Lichts nach Bethlehem zu reisen“, gesteht Schmücking.

Sie ist Mitglied im Vorbereitungskreis der Friedenslicht-AG, in der sich der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder, die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), die Pfadfinderinnenschaft St. Georg, der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder sowie der Verband Deutscher Altpfadfindergilden zusammengeschlossen haben.

„Wir waren diesmal mit sieben Pfadfindern aus Aachen vier Tage auf der Wienfahrt unterwegs“, erzählt Schmücking. Ihre Pfadfinderdelegation ist kreativ: Da offene Flammen im Zug nicht erlaubt sind, wurden zwei alte Honigeimer umfunktioniert.

In einem Friedensmarsch mit mehr als 250 Pfadfindern, Familien und jungen Leuten wurde das Licht zum Dom gebracht, wo der offizielle Aussendungsgottesdienst stattfand. „Am Eingang verteilen wir an die Teilnehmer Armbänder, die eine bleibende Erinnerung an das diesjährige Motto ‚Auf dem Weg zum Frieden‘ sein sollen“, erzählt Erika Haase-Zeimetz, Sprecherin der DPSG, Diözesanverband Aachen.

Im Dom wurde das Licht an Pfadfinder aus dem ganzen Bistum Aachen sowie Hunderte weitere Menschen ausgeteilt, die dafür Laternen, Öllichter und Grubenlampen mitgebracht hatten. Die kleine Flamme steht bald in vielen Kirchen, Gemeindehäusern, Bezirksämtern, Rathäusern, Seniorenheimen, Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten.

„Das ist eine tolle Aktion, gerade in Zeiten, in denen der Frieden allgemein in Gefahr ist und auch der innere Frieden auf der Kippe steht“, sagte die Aachener Europaabgeordnete Sabine Verheyen, die seit Jahren an der Aussendung teilnimmt. Da sei es ein wichtiges Signal, dass junge Menschen sich auf die Reise begeben, um das Licht als Friedenssymbol nach Aachen zu bringen.

„Wenn ich an das Friedenslicht denke, fallen mir zwei Begriffe ein: Helligkeit und Wärme“, sagte Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt. Helligkeit sei nicht zuletzt wichtig in Bezug auf die politische Verantwortung, in die verschiedenen Krisenherde etwas Licht zu bringen. „Das Licht aus Bethlehem fordert uns dazu auf, in der aktuellen Situation Verantwortung zu übernehmen“, appellierte Conradt.

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