Aachen: Ulla Thönnissen: „Zitterpartie will ich nicht sagen“

Aachen : Ulla Thönnissen: „Zitterpartie will ich nicht sagen“

Sie ist Landtagsabgeordnete, Fraktionschefin der CDU im Städteregionstag und Vorsitzende der CDU in Aachen: Ulla Thönnissen hat alle Hände voll zu tun, auch um einige erhitzte Gemüter in ihrer Städteregionsfraktion zu beruhigen.

Achim Kaiser hat sich mit der viel beschäftigten Politikerin unterhalten und unter anderem gefragt, wie die 53-Jährige ihre Chancen einschätzt, im kommenden Jahr wieder den Sprung in den Landtag zu schaffen.

Frau Thönnissen, es gab jüngst einige Turbulenzen in ihrer Städteregionsfraktion wegen der „blauen Briefe“, die Sie an Fraktionsmitglieder geschickt haben bezüglich Fehlzeiten in Ausschüssen und Sitzungen. Haben Sie auch schon einen „blauen Brief“ von einem brüskierten CDU-Mann zurückbekommen.

Thönnissen: Da ich keine Briefe verschickt habe, kann ich auch keine schriftlichen Antworten bekommen. Aber interessant ist, dass Sie nach brüskierten Männern fragen.

Waren Sie erstaunt, dass diese Fehlzeitenlisten solche öffentlichen Wellen geschlagen haben aus ihrer Fraktion heraus?

Thönnissen: Ja absolut. Es handelt um einen absolut normalen Vorgang in einem Parlament und einer Fraktion, der für die Mitglieder ein Service zur Übersicht und für die eigene Planung ist. Das Ziel ist Zeitmanagement und eine bessere Präsenz in Ausschüssen und Sitzungen.

Gab es denn auch positive Rückmeldungen?

Thönnissen: Ja, sogar schriftlich und mit Absender. Aber auch mündlich sowohl aus den eigenen Reihen als auch aus der Öffentlichkeit.

Lassen Sie uns über die bevorstehende Landtagswahl sprechen. Sie werden in ihrem Aachener Wahlkreis wieder gegen den SPD-Landtagsabgeordneten Karl Schultheis antreten. Sind Sie diesmal besser auf der Liste abgesichert als im Jahr 2012, oder müssen Sie ihren Wahlkreis gewinnen?

Thönnissen: Mein Ziel — in welchem Wahlkampf auch immer — ist es, die Wählerinnen und Wähler von unserer Politik und meiner Person so zu überzeugen, dass ich die meisten Stimmen bekomme und damit das Direktmandat hole. Das ist mir bei der Kommunalwahl 2014 in meinen beiden Wahlkreisen für Stadtrat und Städteregionstag gelungen. Insofern bin ich extrem motiviert und glaube auch, dass ich das im nächsten Jahr wieder schaffen kann.

Ist denn schon klar, auf welchen Listenplatz Sie gesetzt werden? Bei der letzten Wahl war es ein schlechter...

Thönnissen: Diesmal wird er besser sein, aber es wäre reine Kaffeesatzleserei, wenn ich eine Prognose abgeben würde, ob die Reserveliste zieht und wenn ja, bis zu welchem Platz. Die Landesvertreterversammlung, bei der die Listenplätze letztlich beschlossen werden, findet erst Ende November statt.

Aber ist denn nicht schon jetzt klar, wie die Karten verteilt werden?

Thönnissen: Die Platzierungen werden in den jeweiligen Bezirken gefällt. Aber die Landesvertreterversammlung hat noch die Möglichkeit, anders zu entscheiden.

Die für Sie vorentscheidende Bezirksvorstandssitzung ist aber schon gelaufen?

Thönnissen: Ja.

Die ist aber nicht zu Ihrer Zufriedenheit gelaufen?

Thönnissen: Dort ist nicht nach Gefährdungspotenzial entschieden worden, sondern nach Kreisverbänden. Das heißt, dass nicht berücksichtigt wurde, welcher Kandidat einen besonders gefährdeten Wahlkreis vertritt und auch nicht, ob der Kandidat beziehungsweise die Kandidatin dem Landtag bereits angehört. Dass die Kreisverbände der Reihe nach berücksichtigt wurden, spielte eine größere Rolle. Für uns in Aachen heißt das konkret, dass nach Armin Laschet die Plätze 2 und 3 nicht wieder durch den Kreisverband Aachen besetzt werden. Allerdings ist die Position des Landesvorsitzenden natürlich anders zu bewerten, als die der anderen Landtagsabgeordneten.

Diese Position 4 würde für Sie welche Auswirkungen auf den Landeslistenplatz haben?

Thönnissen: Das kann man bei acht Bezirksverbänden ja leicht errechnen...

...zwischen Platz 30 und 40 werden Sie sich finden. Je nach Wahlausgang wird es für Sie sehr eng...

Thönnissen: ...das könnte sein. Andererseits ist es bei der derzeitigen Gemengelage sehr schwierig, Prognosen abzugeben. Das Rennen ist offen.

Dennoch: Die Wahl im kommenden Jahr könnte für Sie eine Zitterpartie werden.

Thönnissen: Zitterpartie will ich nicht sagen. Es bedeutet vielmehr für mich, dass ich einen sehr engagierten Wahlkampf machen werde. Die Landtagswahl 2012 war eine besondere Wahl, die besonders schlecht für die CDU ausgefallen ist, weil unser damaliger Spitzenkandidat Norbert Röttgen ungeschickt agiert und sich nicht eindeutig für Nordrhein-Westfalen ausgesprochen hat. Insofern ist 2012 kein Maßstab. Wie auch immer: Ich werde die Ärmel hochkrempeln!

Ist es denn ein Vor- oder Nachteil für Sie, dass der CDU-Spitzenkandidat 2017 Armin Laschet heißt und auch aus Aachen kommt?

Thönnissen: Der Name des Spitzenkandidaten ist für mich kein Nachteil. Dass wir beide aus dem Kreisverband Aachen kommen, ist in der Konstellation mit dem Landesvorsitz und der Reserveliste natürlich für mich zum Nachteil.

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