Aachen: Überraschende Schönheitskur für die marode Kleinkölnstraße

Aachen: Überraschende Schönheitskur für die marode Kleinkölnstraße

Über Jahre hinweg haben Anwohner und Geschäftsleute den allmählichen Niedergang der Kleinkölnstraße verfolgen können. Nun verordnet die Stadt dem trostlosen Stückchen Aachen in bester Innenstadtlage quasi im Hauruckverfahren eine Schönheitskur.

Der überraschende Schritt bietet sich an, weil die Stawag derzeit die maroden Straßenkanäle und Versorgungsleitungen erneuern muss. Beste Gelegenheit also, gleich im Anschluss das schmale Sträßchen aufzuhübschen. Am Donnerstag verständigten sich die Politiker im Mobilitätsausschuss auf eine Ausbauvariante, die der Kleinkölnstraße auch eine Zukunft als Fußgängerzone eröffnet.

„Alle Optionen sind offen”: Auf diesen kurzen Nenner brachte es die städtische Verkehrsplanerin Regina Poth, die mit ihrem Kollegen Uwe Müller im Ausschuss verschiedene Ausbauvarianten erläuterte. Am Ende sprachen sich die Politiker einstimmig für eine neue Pflasterung der Fahrbahn und niveaugleich angelegte Gehwege aus. Das erklärte Ziel lautet, den Fußgängern mehr Platz und Sicherheit zu geben.

Vorerst könne der Autoverkehr nicht völlig rausgehalten werden, denn selbst nach einem Abbruch des Büchel-Parkhauses ist die Kleinkölnstraße aus Sicht der Verwaltung für den Anlieger- und Lieferverkehr im historischen Stadtkern unverzichtbar. Einige Anwohner und Geschäftsleute sehen das anders. Sie hoffen nach wie vor auf eine Fußgängerzone. Beschwerden gibt es vor allem über nächtlichen Lärm, für den sie vor allem Besucher der nahen Antoniusstraße verantwortlich machen.

Unterdessen verweist die Verwaltung darauf, dass der Verkehr deutlich abnehmen wird - jedenfalls sobald das geplante Geschäftshaus „Bel-Etage” das Parkhaus Büchel ersetzt. Eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern soll in der Kleinkölnstraße gelten, selbst auf Kopfsteinpflaster sei daher kaum mit einer höheren Lärmbelastung zu rechnen, meint Poth.

Verwaltung und Politik erhoffen sich von der Umgestaltung eine deutliche Aufwertung des Stadtbilds. Wo jetzt noch Hinterhoftristesse herrscht, soll nach Möglichkeit schon im Januar nächsten Jahres eine geschichtsträchtige Straße aufblühen. Und weil es optisch etwas anspruchsvoller sein soll, darf es auch etwas mehr kosten.

Rund 255.000 Euro veranschlagt die Stadt für die Neugestaltung des Verbindungsstücks zwischen Büchel und Großkölnstraße. Einen Teilbetrag muss die Stawag übernehmen, an den Kosten werden auch Anwohner beteiligt.

Zumindest auf einer Straßenseite wird nach Fertigstellung ein durchgängig zwei Meter breiter Gehweg den Fußgängern das Leben erleichtern. Bislang ist der noch so schmal, dass Passanten nicht selten auf die Fahrbahn ausweichen müssen.

Einen Vorteil sollen auch Radfahrer haben, die die Kleinkölnstraße bislang genau wie Autofahrer nur in eine Richtung befahren dürfen. Später können sie auch in Gegenrichtung radeln und Umwege vermeiden. Wegfallen werden einige Kurzzeitparkplätze, statt zwölf gibt es nach dem Umbau nur noch acht Stellplätze.

Von dem Umbau erhoffen sich Verwaltung und Politik nicht zuletzt auch einen Impuls für private Umbauvorhaben. Immerhin gibt es dort eines der „markantesten Relikte der Barockzeit”, wie die Verwaltung anmerkt: den „Londoner Hof”, entworfen von Laurenz Mefferdatis. Zu erkennen ist das historische Barock-Palais, in dem einst ein Möbelhaus untergebracht war, derzeit allerdings kaum. Ein unschöner Verkaufspavillon verstellt den Blick.

Die Stadt greift daher eine Anregung auf, die bereits vor Jahren in einem von der Galeristin Maria-Helene von der Milwe initiierten Ideenwettbewerb gemacht wurde: den Innenhof begrünen und Gastronomie mit Außenausschank einrichten. Ob es so weit kommt, ist freilich völlig offen.

Insgesamt ist eine Bauzeit von knapp einem Jahr veranschlagt. Ob es dabei bleibt, hängt vor allem von archäologischen Überraschungen im Untergrund ab.

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