Aachen: Übernahmegarantie und unbefristete Jobs für Erzieherinnen

Aachen : Übernahmegarantie und unbefristete Jobs für Erzieherinnen

Die Situation ist dramatisch. Allein in den städtischen Kindertagesstätten in Aachen sind derzeit 30 Stellen für Erzieherinnen und Erzieher nicht besetzt — Vollzeitstellen wohlgemerkt. Mit einem Maßnahmenpaket will die Stadt dem akuten Fachkräftemangel begegnen.

Bildungsdezernentin Susanne Schwier, Personaldezernent Markus Kremer und der Personalratsvorsitzende Stephan Baurmann traten am Dienstag gemeinsam vor die Presse, um zu erklären, wie man möglichst schnell Abhilfe schaffen will: unter anderem mit unbefristeten Jobs und einer Übernahmegarantie für Berufspraktikanten, die sich bewährt haben. Die Stadt reagiert damit auch auf einen Brandbrief der Gewerkschaft Verdi, die angesichts der vielen Ausfälle beim Personal Notmaßnahmen gefordert hatte.

140 Kitas in Aachen

140 Kindertagesstätten gibt es in Aachen. 56 davon sind in städtischer Trägerschaft, den Rest betreiben freie Träger. In den vergangenen fünf Jahren, sagte Schwier, ist die Zahl der Plätze insgesamt von 7094 auf 7737 gewachsen. „Das ist ein Plus von fast 650 Plätzen.“ Bei den unter Dreijährigen stieg die Zahl der Plätze in fünf Jahren sogar um rund 800 von 1114 auf 1918. Und auch in der Offenen Ganztagsschule wurden 900 zusätzliche Plätze eingerichtet. In der OGS gibt es jetzt 5117 Betreuungsplätze am Nachmittag.

All diese Betreuungsangebote brauchen Personal, und das nicht zu knapp. Und der Bedarf wird weiter steigen. Allein in den nächsten fünf Jahren, erwartet Schwier, müssen 84 weitere Kitagruppen eingerichtet werden. Nur so ist die Betreuungsquote von 50 Prozent bei den unter Dreijährigen zu erreichen, die die Politik vorgegeben hat. „Und für 84 zusätzliche Kita­gruppen brauchen wir 220 Vollzeitstellen“, rechnete die Dezernentin vor.

Mit einem Bündel an Maßnahmen will die Stadt sich nachdrücklich als Arbeitgeber empfehlen. „Wir geben künftig eine Übernahmegarantie für Berufspraktikantinnen“, erklärte Markus Kremer, „das ist neu.“ So will man verhindern, dass fertig ausgebildete Erzieherinnen dem Arbeitgeber Stadt den Rücken kehren.

Neue Arbeitsverhältnisse werden zudem unbefristet abgeschlossen — zumindest solange der Fachkräftemangel so groß ist. Die Zahl der Ausbildungsplätze für Berufspraktikanten — 30 derzeit — soll in Abstimmung mit der Politik erhöht werden. Zu Beginn des Kitajahres soll als kleiner Puffer auch über den Bedarf hinaus eingestellt werden. Und Berufsrückkehrerinnen will man sogar mit „Kleinststundenkontingenten“ locken, wie Kremer das ausdrückte.

Notfallvereinbarung soll folgen

Bis Ende Januar 2018 wollen Verwaltung und Personalrat auch eine Notfallvereinbarung für akute Personalengpässe unter Dach und Fach haben. Unter anderem ist geplant, dass Personal aus noch einigermaßen gut versorgten Kitas abberufen werden kann, um im Notfall anderswo zu helfen. Auch Regelungen für die vorübergehende Zusammenlegung von Gruppen oder sogar die Schließung von Kitas sollen darin festgelegt werden. „Die Leute in den Kitas machen einen hervorragenden Job“, betonte Baurmann. „Sie können das aber nur leisten, wenn sie Rückendeckung bekommen.“

Wenn‘s eng wird, müsse sogar das Programm in den Einrichtungen abgespeckt werden, hieß es. „Zusätzliche Projekte, die Erzieherstellen binden, wird es vorübergehend nicht mehr geben“, sagte Schwier. „Das Brot-und-Butter-Geschäft muss stehen, bevor wir zusätzliche Projekte stemmen.“

Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi ist die Stadt mit den nun vorgestellten Maßnahmen auf dem richtigen Weg. „Aber wir brauchen möglichst zeitnah eine klare Notfallvereinbarung“, erklärte Verdi-Sekretär Mathias Dopatka am Dienstag. „Wir brauchen ein Notdiensttelefon und klare Kriterien, ab wann eine Kitaleitung sagt, wir machen die Gruppe zu oder wir schließen vorübergehend die Kita.“ Verdi fordert zudem klare Richtlinien für die Kommunikation mit den Eltern. Langfristig, sagt Dopatka, müsse auch das Berufsbild Erzieher deutlich aufgewertet werden.

Bei der Stadt indes ist man froh, dass in Aachen zumindest wieder mehr Erzieherinnen ausgebildet werden. An den Berufskollegs der Städteregion wurden im Sommer zwei weitere Klassen eingerichtet. „Im Februar startet eine weitere Klasse, und es gibt sogar Gespräche über eine vierte Klasse“, stellte Schwier zufrieden fest.

Und noch eine gute Nachricht gibt es: Zumindest die Leitungsstellen in den Kindertagesstätten sind derzeit alle besetzt.