Aachen: Übernachten unterm Kirchendach: Das Projekt „Hotel Total“

Aachen: Übernachten unterm Kirchendach: Das Projekt „Hotel Total“

Insgesamt sind es sechs Kuben, und jeder einzelne hat sein Thema. Allein das ist besonders an einem Projekt, das in seiner Gesamtheit einzigartig ist für Aachen. In der Elisabethkirche an der Jülicher Straße setzen Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose derzeit eine Idee um, die den leeren Raum der entwidmeten Kirche auf ungewöhnliche Weise nutzen will.

Hier entstehen nach Entwürfen von Design-Studenten der Fachhochschule (FH) Aachen fünf Würfel, die im August als Zimmer im „Hotel Total“ an den Start gehen sollen. Sie tragen Namen wie „Alles Gute kommt von oben“, „Raum²“, „Baumhaus“, „Film Noir“ und „Outdoor Inn“. Dahinter verbirgt sich jeweils ein entsprechendes Raumkonzept. So hängt in einem Kubus das Bett von der Decke, in einem anderen findet das Leben auf zwei Etagen statt, ein dritter baut auf Röhren und der mit dem Namen „Outdoor Inn“ vermittelt das Gefühl, in einem Zelt zu schlafen.

Setzen die Idee für das „Hotel Total“ in die Tat um: Patricia Yasemine Graf, Julia Graf, Anke Didier, Markus Ulrich und Georg Abschlag (v.l.).

Eines aber haben alle gemein: Sie stehen in der Kirche St. Elisabeth und bieten den Gästen die einmalige Gelegenheit, unter dem Dach einer Kirche zu schlafen. Und nicht nur das. Mit dem sechsten Kubus, dem sogenannten Kulturkubus, sollen gleichzeitig kulturelle Events und kleine Ausstellungen in die Kirche kommen. Das Hotel soll so zu einem Treffpunkt auch für die Anwohner werden. Patricia Yasemine Graf, Julia Claire Graf und Anke Didier sind die Initiatorinnen dieser Idee, die offensichtlich schon jetzt gut ankommt. „Wir haben bereits eine Liste mit Anfragen für Übernachtungen“, sagt Patricia Yasemine Graf.

Wie die einzelnen Würfel vergeben werden, steht noch nicht ganz fest. „Vermutlich werden die Übernachtungen verlost“, sagt Graf. Und dann gibt es da auch noch ein Doppelbett im freien Raum: auch dafür werden sich mutige Übernachtungsgäste finden, hoffen die Planer.

Das Hotel ist temporär begrenzt. Funktionieren soll es nur von August bis Oktober, denn dann geht das Förderprojekt Leitmarkt-Wettbewerb „Create Media. NRW.“ zu Ende. Das soll aber nicht heißen, dass es nicht doch noch eine Fortsetzung für das entwickelte Konzept geben wird. Patricia Yasemine Graf und ihre Mitstreiter setzen alles daran, eine dauerhafte Fortsetzung zu ermöglichen. „Wir haben bereits eine Menge Erfahrungen gemacht“, sagt sie.

So sei es gelungen, Flüchtlinge und auch Langzeitarbeitslose in das Projekt zu integrieren, auch wenn es neben kulturellen Barrieren vor allem auch sprachliche Barrieren gab. Mit Händen und Füßen, Bildern und auch mal einem Übersetzer gelang es, den Flüchtlingen das Konzept und ihre Arbeit zu erklären. „Und sie bringen ganz unterschiedliche Fähigkeiten mit“, schwärmt Graf. Beim experimentellen Testbetrieb im Sommer sollen sie auch das Hotelpersonal sein. Noch während das Hotel im Aufbau ist, werden sie entsprechend geschult. „Außerdem wollen wir neue Arbeits- und Informationsstrukturen und innovative Beschäftigungsmodelle entwickeln“, meint Patricia Yasemine Graf. Das Projekt hat inzwischen viele Partner gefunden, die hinter der ambitionierten Idee stehen. Das Architekturbüro „archigraphus“ sorgte für eine problemlose Umsetzung der Baupläne und hatte sich wie alle anderen auch an die entsprechenden Bestimmungen zu halten. So wird jeder Kubus mit einem Brandmelder ausgestattet sein.

Und ganz nebenbei denken die kreativen Köpfe des Projekts über eine neue App nach, die ihr Augenmerk auf die „Subkultur“ in Aachen legt. Die nämlich würde ihrer Meinung nach ganz wunderbar ins Konzept passen. Die Besucher sollen so Orte wie den Rehmplatz oder Gastronomiebetriebe kennenlernen, die ansonsten eher nicht auf dem Programm stehen, aber durchaus einen Besuch wert sind.

Mit dem bislang Erreichten ist Patricia Yasemine Graf mehr als zufrieden. Im Rahmen des Leitmarkt-Wettbewerbs stellte die Landesregierung 380.000 Euro für das Projekt zur Verfügung. Darüber hinaus haben aber die Partner jeweils noch ihren Eigenanteil von 20 Prozent eingebracht. Und auch wenn die Kirche inzwischen verkauft ist, hoffen Graf und ihre Mitstreiter auf eine Fortsetzung ihres Konzepts. Aber jetzt gilt es erst einmal, bis zur Eröffnung im August mit allem fertigzuwerden.

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