Übergangslösung für Bordelle in Aachen in Sicht

Probleme an der Antoniusstraße : Neue Zuversicht im Bordellviertel

Im Aachener Rotlichtviertel zeichnet sich offenbar eine Lösung für die leerstehenden Bordellbetriebe ab. Die Stadt ist demnach bestrebt, eine Übereinkunft mit den Betreibern der Häuser in der Antoniusstraße zu finden, die seit Monaten auf eine Genehmigung ihrer Prostitutionsstätten warten.

Acht Häuser stehen dort inzwischen leer, weil ihnen die Stadt keine Betriebserlaubnis nach dem neuen Prostituiertenschutzgesetz mehr erteilt hat. Die Gründe dafür sind höchst komplex und resultieren aus der kniffligen Gemengelage, die sich aus einer im Mai vergangenen Jahres erlassenen Veränderungssperre für Teile der Antoniusstraße ergeben hat. Mit der Veränderungssperre will die Stadt verhindern, dass dort Fakten geschaffen werden, die den Planungen für das neue Altstadtquartier rund ums Parkhaus Büchel entgegenstehen könnten. Die einschneidenden Folgen für die Betreiber und Eigentümer der Häuser im Rotlichtviertel hatte man hingegen zunächst offenbar gar nicht im Blick.

Doch die sind durchaus existenziell, wie ein Eigentümer mehrerer Immobilien in der Straße erklärt. Sein Name soll nicht in der Zeitung stehen, auch die genaue Zahl seiner Häuser will er nicht nennen. Er betont aber, wie schwierig die Situation für ihn gegenwärtig sei. „Meine Einnahmen stehen auf Null, aber ich habe Verpflichtungen und muss eine Familie ernähren.“ Er werde in den Ruin getrieben, fürchtet er. Selbst ein kleineres Haus bringt dort schließlich mehrere tausend Euro Miete im Monat ein – Geld, das ihm derzeit fehlt.

Nicht viel anders ergeht es den Verwaltern der Häuser und auch den Prostituierten, die die Zimmer nicht nutzen können und ihrer Arbeit nunmehr womöglich in der Illegalität nachgehen. Rechtsanwalt Alexander Bücken, der unter anderem die Interessen der beiden Rotlichtgrößen Klaus Gallwe und Rudi Esser vertritt, sprach bereits im Dezember von einem extremen wirtschaftlichen Schaden, den man nicht länger hinnehmen könne. Damals stellte er eine Untätigkeitsklage gegen die Stadt in Aussicht. Doch inzwischen zeichnet sich eine andere Lösung ab.

Für den 5. Februar hat die Verwaltungsspitze ein Gespräch mit Bücken und seinen Mandanten anberaumt, bei dem offenbar ein Ausweg aus der verfahrenen Situation gesucht werden soll. Als geheime Verschlusssache wird der Vorgang derzeit noch innerhalb von Verwaltung und Politik behandelt. Beraten wurde auch in dieser Woche im Rat und im Hauptausschuss ausschließlich hinter verschlossenen Türen.

Als Ziel wird jedoch angepeilt, die stadtplanerischen Ideen für das Altstadtquartier mit dem Prostituiertenschutzgesetz in Einklang zu bringen. So ist nunmehr von befristeten Betriebsgenehmigungen für jene Bordelle die Rede, die möglicherweise keine große Zukunft mehr haben. Bekanntlich soll sich das Sexgewerbe künftig nur noch mit einem Teil der Antoniusstraße begnügen, die andere Hälfte soll zum Sperrbezirk erklärt werden. Zum Ausgleich soll dafür ein sogenanntes Laufhaus gebaut werden, damit auch weiterhin rund 125 Sexarbeiterinnen Zimmer gemäß dem Prostituiertenschutzgesetz angeboten werden können.

Endlich wieder Gespräche

Interimslösungen für die derzeit leerstehenden Bordellbetriebe wären für Bücken ein akzeptabler Weg, erklärt er. Er zeigt sich positiv überrascht, dass nach langer Funkstille endlich wieder Gespräche geführt werden sollen. Er begrüßt es zugleich, dass auch die Politik wieder verstärkt Interesse an der Problematik zeigt. Die Umgestaltung des Altstadtviertels sei ein schwieriger und langwieriger Prozess mit vielen Beteiligten, betont er. „Das kann nur im Einvernehmen mit allen gelingen.“ Konsens sei immer gewesen, dass es im Zuge der Altstadtsanierung niemandem schlechter gehen dürfe und auch weiterhin Prostitution betrieben werden dürfe.

Die Stadt steht unter Druck, da die Veränderungssperre nicht endlos gilt und vor allem auch irgendwann zum gewünschten Ergebnis führen muss. Wenn dies nicht der Fall ist, drohen ihr Schadenersatzklagen seitens der Betroffenen. „Bisher ist die Realisierung des Altstadtquartiers noch in weiter Ferne“, sagt Bücken. Sein Standpunkt ist daher klar: Will die Stadt größeren Schaden vermeiden, muss sie baldmöglichst auch die Betriebsgenehmigungen für die Bordelle erteilen.

Die baulichen Voraussetzungen dafür seien jedenfalls alle erfüllt, versichern auch Gallwe und Esser. Die Abnahme der umgebauten Häuser soll bereits in der kommenden Woche erfolgen.

Wann und ob überhaupt noch die Sanierung und Umgestaltung des Viertels in Angriff genommen wird, liegt derweil weiter völlig im Dunkeln. Die beiden großen Projektbeteiligten Gerd Sauren und Norbert Hermanns zeigten sich zuletzt zunehmend zurückhaltend.

Viele Grundstücksfragen sind offenbar auch noch gar nicht geklärt. „Mit mir hat noch nie jemand gesprochen“, erklärt auch der Eigentümer mehrerer Immobilien an der Antoniusstraße. Die Absicht zu verkaufen, habe er nicht. Ob er selbst bauen will und damit einen Beitrag zur großen Altstadtsanierung leisten wird, sei völlig ungewiss. Ähnlich ergehe es auch anderen Grundstückseigentümern, die sich in den ganzen Planungen bislang noch wie Statisten neben den beiden Großinvestoren fühlen.

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