Aachen: Überfall Büchel: Junge Uhren-Diebe waren Profis

Aachen : Überfall Büchel: Junge Uhren-Diebe waren Profis

Sie gingen alle drei noch zur Schule und hatten sich im Juli vergangenen Jahres ein paar Tage frei genommen. Doch auf dem Programm der Schülerfahrt in Richtung Deutschland stand keineswegs die Besichtigung des Kölner Doms.

Denn die drei Burschen aus Litauen waren in der litauischen Stadt Kaunas in einer Diskothek angeworben worden, um einen dreisten Überfall auf einen Aachener Juwelier durchzuziehen.

Mehrjährige Haftstrafen

Für den Überfall auf das Juweliergeschäft am Büchel kassierten die drei jungen Straftäter im Alter zwischen 17 und 19 Jahren Haftstrafen vor dem Aachener Landgericht. Zwei der jungen Männer werden zu jeweils drei Jahre Haft verurteilt. Der dritte junge Litauer kam besser mit zwei Jahren und acht Monaten noch ein bisschen besser weg.

Der Kopf des räuberischen Quartetts, Antanas O., ist 62 Jahre alt und wurde von der Kammer unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme mit einer Strafe von acht Jahren Haft bedacht. Der Tatvorwurf für alle vier: besonders schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung.

In das Strafmaß für den 62-Jährigen ist ein weiterer Überfall, den der Täter zwischenzeitlich in anderer Konstellation in Weiden in der Oberpfalz begangen hatte, bereits eingerechnet. Für den ähnlich ausgeführten Raub in der Oberpfalz hatte Antanas O. bereits im Frühjahr eine Strafe von viereinhalb Jahren kassiert.

Alle vier Angeklagten stammen aus Litauen und waren in Kaunas, dem zweitgrößten Ort des Landes, von einer bislang unbekannten Tätergruppierung speziell für den Aachener Überfall angeworben worden. „Wir gehen davon aus“, sagte die Vorsitzende Regina Böhme in der Urteilsverkündung, „dass die Örtlichkeit vorher beobachtet und gezielt ausgesucht wurde“.

Mitarbeiterin zu Boden gezerrt

Bei dem Überfall des Morgens um 11.23 Uhr zerrten die jungen Räuber brutal eine Verkäuferin auf die Knie, schleiften sie über den Boden und besprühten sie mit Reizgas. Eine 80-jährige Mitarbeiterin, die sich im Untergeschoss aufhielt, wurde mit einer Softair-Pistole bedroht und ebenfalls mit Reizgas besprüht.

Nach nur 75 Sekunden war die „Arbeit“ bereits getan, die Truppe flüchtete aus dem Laden in Richtung Parkhaus, in einem Rucksack hatten sie die Beute versteckt. Einem der jungen Täter war man auf die Schliche gekommen, weil er seine Einweghandschuhe am Tatort zurückgelassen hatte. Dort habe die Polizei seine DNA-Spuren sichern und ihn letztlich identifizieren können, legte Böhme im Urteil dar.

Die Spur nach Litauen fand man schnell über entsprechende Verbindungsdaten der Handys. Die Beute im Wert von rund 300.000 Euro, es waren wertvolle Armbanduhren, habe man im Parkhaus Büchel einem Hintermann übergeben. Dessen Identität wollten die Jugendlichen, von denen zwei zur Tatzeit erst 16 Jahre alt waren, im Prozess wohl nicht preisgegeben.

Die Vorsitzende ließ keinen Zweifel an der „hohen kriminellen Energie“, die die Bande bei der Tat an den Tag legte. Gerade auch die jungen Männer hätten professionell agiert, man habe sogar wahrscheinlich laut genauestens die Zeit gezählt, die für den Raubzug mitten in der City vorgesehen war.

Man habe bei den Jugendlichen „schädliche Neigungen“ feststellen müssen, führte Böhme einen Rechtsbegriff aus der Jugendgerichtsbarkeit ein. Für alle drei jungen Täter stellte das Gericht strafverschärfend eine „besondere Schwere der Schuld“ fest.