Aachen: Überdurchschnittlich viele Aachener sind arm

Aachen : Überdurchschnittlich viele Aachener sind arm

Gleich ein ganzes Paket an Ratsanträgen präsentiert die Partei Die Linke, um der Armut in Aachen Grenzen zu setzen. Obwohl die Ursachen nach Meinung des Fraktionsvorsitzenden Leo Deumens eher auf bundespolitischer Ebene angesiedelt sind, wollen die Linken das Problem auch auf kommunaler Ebene angehen.

Insgesamt sechs Ratsanträge haben sie jetzt präsentiert. Die reichen von einem Runden Tisch zur Armut in Aachen über eine Bedarfsanalyse der Schulsozialarbeit und dem Ausbau der musischen Früherziehung bis hin zu einem Antrag für den Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss, bei dem es um den Milieuschutz geht.

Auf den Plan gerufen wurden die Linken durch den jüngsten Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Demnach lag die Armutsquote in Aachen im Jahr 2014 mit 19,7 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt NRW (17,5 Prozent). Es seien neue Konzepte und Strategien notwendig, um „der Armut Grenzen zu setzen“, meinen die Linken. Sie wünschen sich einen Runden Tisch, an dem Vertreter aus Verwaltung, Politik und Wohlfahrtsverbänden zusammen kommen, um solche Konzepte und Strategien zu erarbeiten.

Außerdem soll die Verwaltung Fördermöglichkeiten der Landesinitiative „NRW hält zusammen“ prüfen. Die unterstützt Modellprojekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen und deren Familien in benachteiligten Quartieren.

Außerdem braucht es nach Meinung von Michael Bredohl, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der Linken, mehr niederschwellige Angebote wie das Programm „Nacht aktiv“, um die gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Er fordert kostenlose Angebote, um so eine Stigmatisierung von Kindern aus schwachen finanziellen Verhältnissen zu vermeiden.

Dass der soziale Status der Eltern über den schulischen Erfolg ihrer Kinder entscheidet, ist nach Meinung von Georg Biesing, schulpolitischer Sprecher der Linken, längst eine anerkannte Tatsache. Umso wichtiger sei der großzügige Einsatz von Schulsozialarbeitern, um regulierend einzugreifen. Deshalb soll die Verwaltung eine Bedarfsanalyse an den Schulen erarbeiten. Außerdem sollen die Schulen benannt werden, die wegen ihrer besonderen Situation mehr Unterstützung brauchen als andere. Auch die entstehenden Kosten sollen benannt werden.

Schulmusikprogramme wie „JeKisS“ (Jedem Kind seine Stimme) sind als Bildungsprogramme zur musikalischen Früherziehung außerordentlich wertvoll, meint Ulla Epstein, kulturpolitische Sprecherin der Linken. Dass das Projekt nach sieben Jahren finanziell gesehen trotz der Förderung durch die Sparkasse Aachen immer noch auf wackeligen Beinen steht, wollen die Linken nicht weiter hinnehmen. Sie fordern die Verwaltung auf, zu überlegen, wie alle Grundschulen mit einem nachhaltigen Konzept zur musikalischen Früherziehung ausgestattet werden könnten. Denn die bereichere die Persönlichkeit der Kinder und fördere ihren Gemeinschaftssinn und die Solidarität untereinander.

Steigende Mieten verschärfen das Problem der Armut, so die Linken. Außerdem gehe die soziale Mischung in einzelnen Vierteln möglicherweise verloren. Auch das wollen sie verhindern und fordern mit Nachdruck einen Milieuschutz für das Suemondtviertel und den Gasborn. Mit all diesen Anträgen wollen die Linken einen Beitrag leisten, um die Armut zu bekämpfen.

Außerdem denken die Linken über die Möglichkeit nach, ein fahrscheinloses System für den Öffentlichen Nahverkehr einzuführen. Über die Art der Realisierung und Finanzierung sind sie sich noch nicht im Klaren. Derzeit holen sie Informationen beispielsweise aus Erfurt ein, wo man bereits seit geraumer Zeit in diese Richtung denkt.

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