Aachen: U3-Plätze: Aachen sieht sich in der ersten Liga

Aachen: U3-Plätze: Aachen sieht sich in der ersten Liga

Das neue Jahr beginnt mit einer guten Nachricht, verkündete Stadtdirektor Wolfgang Rombey zum Wochenanfang voller Stolz: Im neuen Kita-Jahr wird die Stadt demnach mindestens jedem dritten Kind unter drei Jahre (U3) einen Betreuungsplatz anbieten können. „Wir werden einen Versorgungsgrad von 36,9 Prozent erreichen und damit die vom Land vorgegebene Zielgröße von 32 Prozent überschreiten“, verkündete er und fügte hinzu: „Es war harte Arbeit.“

Nötig ist sie wegen der Betreuungs-Garantie, auf die sich alle Eltern von Kleinkindern ab kommenden August berufen können. Wenn sie schon ein bis zwei Jahre nach der Geburt ihrer Kinder zurück in den Beruf wollen oder müssen, können sie erstmals einen Rechtsanspruch auf einen U3-Platz geltend machen.

Eine Mammutaufgabe

Um den erfüllen zu können, hat die Stadt alleine in den zurückliegenden drei Jahren 6,5 Millionen Euro investiert. Seit Einführung des Kinderbildungsgesetzes Kibiz im Jahr 2008 wurde die Zahl der U3-Plätze von 1342 auf 2183 im kommenden Kita-Jahr erhöht. Weitere 13,3 Millionen will die Stadt bis 2016 investieren. Spätestens 2015 soll dank weiterer Neu-, Um- und Anbauten ein Versorgungsgrad von 39 Prozent erreicht werden, kündigte Rombey gemeinsam mit Elke Münich, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule, an.

Mit dieser Quote spiele Aachen gemeinsam mit Städten wie Düsseldorf, Bonn oder Münster „in der ersten Liga“, ist Rombey überzeugt. „Uns ist eine Mammutaufgabe gelungen“, meint Münich, „aber es muss weitergehen.“

So betonen beide, dass die Stadt in enger Zusammenarbeit mit freien Trägern und der Kindertagespflege allenfalls einen „guten Zwischenspurt“ hingelegt habe, um „fiktiv vorgegebene Quoten“ zu erfüllen. Denn gerade in Großstädten wie Aachen rechnen Experten mit einer deutlich höheren Nachfrage von bis zu 55 Prozent. In einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Befragung haben unlängst 45 Prozent der Eltern einen Bedarf für einen U3-Platz bekundet.

Da die Anmeldephase jetzt fürs neue Kita-Jahr beginnt, sei frühestens im April absehbar, ob die bislang vorhandenen Plätze ausreichen werden, sagt Sabine Fischer, zuständig für die städtische Abteilung Kitas, OGS, Tagespflege. „Das ist schwer abzuschätzen, der Rechtsanspruch ist für uns eine Premiere.“ Sie schlägt sich noch mit einem weiteren Problem herum: Denn nicht nur baulich müssen U3-Plätze geschaffen werden, auch personell müssen sie ausgestattet werden — und das wird zunehmend schwieriger.

„Wir haben einen Erzieherinnen-Mangel“, sagt Fischer. In Aachen habe man die Personal-Verknappung auch wegen des Ausbaus der Offenen Ganztagsschule (OGS) früher zu spüren bekommen als in anderen Städten. Um Erzieherinnen zu finden, hat Fischer ihre Fühler inzwischen bis nach Ostdeutschland ausgestreckt. Möglicherweise müsse aber bald ein „Anwerbepaket“ aufgelegt werden, meint Münich.

Um kostenträchtige Klagen von Eltern abzuwenden, denen ab August womöglich kein U3-Platz angeboten werden kann, denkt die Stadt auch über Großgruppen in der Kindertagespflege und das sogenannte Kita-Platz-Sharing nach. Und auch die städtische Wohnungsgesellschaft Gewoge ist laut Münich eingebunden, die im Notfall beispielsweise Räume in Driescher Hof für weitere U3-Plätze zur Verfügung stellen will.

„Wir können den Eltern gegenüber sehr selbstbewusst sagen, unsere Hausaufgaben gemacht zu haben“, meinte Rombey am Montag. Viele Plätze werden freilich erst im Laufe des kommenden Kita-Jahres fertiggestellt. Und vielfach werden sich Eltern auch auf längere Anfahrtswege gefasst machen müssen, denn nicht alle Stadtteile sind gleich gut versorgt: Deutliche Mängel etwa gibt es in Driescher Hof (Versorgungsquote 16,4 Prozent) und im Ostviertel (27,3 Prozent), überdurchschnittliche U3-Platz-Quoten weisen demgegenüber Gut Kullen und Vaalserquartier (57,8 Prozent) sowie Kornelimünster, Oberforstbach und Schleckheim vor.