Aachen: U3-Ausbau: Freie Träger sehen sich außen vor

Aachen: U3-Ausbau: Freie Träger sehen sich außen vor

Platz für die Kleinen: Ab August 2013 gilt für Kinder unter drei Jahren der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Bis dahin sind es nur noch gut anderthalb Jahre.

Mit einem groß angelegten Ausbauprogramm soll auch in Aachen die angepeilte Versorgungsquote von 35 Prozent erreicht werden. Damit dieses Ziel auch nur annähernd erreicht werden kann, müssten die freien Träger „frühzeitig und ordentlich” in den U3-Ausbau eingebunden werden, erklärt die SPD.

Sie fordert für den U3-Ausbau eine Zusammenarbeit mit den freien Trägern auf Augenhöhe und deshalb die Einrichtung einer Projektgruppe, die das Großprojekt zentral steuern soll. Am Wochenende wird sich die Fraktion bei ihrer Haushaltsklausur intensiv mit dem Thema befassen.

Der SPD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Karl Schultheis und der jugendpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Martin Künzer, sprachen Montag zwei Stunden lang mit Abgesandten der freien Träger von Kindertagesstätten über deren Probleme mit dem U3-Ausbau. Vertreten waren etwa kirchliche Träger, das Studentenwerk, die Arbeiterwohlfahrt, der Sozialdienst katholischer Frauen, die Lebenshilfe oder die Familiäre Tagesbetreuung, die in Aachen Tagesmütter qualifiziert und vermittelt.

50 Prozent in freier Trägerschaft

Ergebnis dieses Fachgesprächs: Die freien Träger sind durchaus bereit, sich an dem ehrgeizigen U3-Ausbauprogramm zu beteiligen. In der Umsetzung des Großprojekts fühlen sie sich aber - bisher - zu wenig wahrgenommen. „Wir sehen uns bei den Planungen außen vor”, kommentierte Herbert Frings, Geschäftsführer der Lebenshilfe. „Die Stadt plant bisher nur für die eigenen Einrichtungen.” Rund die Hälfte aller Kindertagesstätten in Aachen sei aber in freier Trägerschaft. Da stecke viel Potenzial für den U3-Ausbau.

Die Einrichtung einer Projektgruppe „auf Dezernenten-Ebene”, in der auch die freien Träger vertreten sind, könnte nach Ansicht der SPD für mehr Gleichgewicht sorgen. „Wir müssen zusammenführen, was bei den freien Trägern möglich ist”, sagt Schultheis. Und die Politik müsse Fördermöglichkeiten für Investitionen benennen - auch für die freien Träger.

Herbert Frings richtet den Blick zudem auf die integrativen Kita-Plätze: „Auch Eltern behinderter Kinder haben ab 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind.” Deshalb sei es sinnvoll, die Schaffung von U3-Plätzen für Kinder mit Behinderung jetzt gezielt in den Blick zu nehmen.

Die Kosten für den Ausbau der Kleinkindbetreuung werden nicht von Pappe sein. Deshalb sollte man durchaus auch über Leasing-Modelle nachdenken, findet Schultheis. „Dann baut ein Investor, und die Stadt erwirbt das Objekt über einen Mietkauf.” Über solche Modelle - Stichwort Rich­tericher Modell - ließen sich Investitionen zeitlich strecken, hofft der SPD-Vorsitzende.

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