Brand: Tuchfabrik Becker: 270 Wohneinheiten sollen entstehen

Brand : Tuchfabrik Becker: 270 Wohneinheiten sollen entstehen

Noch in den beginnenden 2000er Jahren lieferte die Tuchfabrik Becker, malerisch gelegen am Rand des Brander Münsterländchens, hochwertige Stoffe für Exklusiv-Marken wie Boss, Strellson oder Escada. Dann war im Herbst 2012 endgültig Schluss, eine der letzten Textilfabriken Aachens musste schließen.

Noch heute und ganz hinten in der Lagerhalle für die schwere Meterware liegt dort eine komplette Rolle feinster Anzugstoff, dies in einem gedeckten Anthrazitgrau, farblich also so, wie es sich eben für einen teuren Boss-Dreiteiler gehört. Die Tuchfabrik, die in den 1970er Jahren bis zu 850 Menschen beschäftigte, ist ansonsten komplett leergeräumt, nur hier und da sind Überbleibsel des Betriebes zu sehen wie etwa jene Rolle von Anzugstoffen oder in einem schäbigen Vorarbeiterkabuff eine Zeitungsseite, die an der Wand ein halbnacktes Mädchen des Monats aus dem Jahr 2012, ein klassisches Pin-up-Girl, zeigt eine Szenerie wie aus einem Robert-Redfort-Thriller.

Hemmungsloser Kabelklau

Doch alles, was in den Hallen noch passiert, ist hemmungsloser Kabelklau, wie der zuständige Projektleiter Nisse Neßeler den „Nachrichten“ berichtete. Die Baugruppe Nesseler-Projektidee GmbH, die zusammen mit den Investoren der Amsterdamer Brack Capital Germany das Grundstück erworben hatte, bekam in der vergangenen Woche grünes Licht im Planungsausschuss, das Gelände zu einem hübsch gelegenen Wohngebiet zwischen Niederforstbacher Straße bis hin zum Rand des Vennbahnweges zu entwickeln.

Etwa 270 Wohneinheiten in Mehrfamilien-, Doppel- und Einzelhäusern sollen hier bis Mitte oder Ende des Jahres 2021 auf dem insgesamt rund 54.000 Quadratmeter umfassenden Grundstück entstehen. „Tuchmacherviertel“ soll die neue Heimat heißen und auch eine neue von der Stadt gewollte bis zu sechsgruppige Kita bekommen, die Planung macht das Aachener Büro PBS-Architekten. „Wir haben jüngst eine erste Vorstellung des Projektes für die Brander Bürger gemacht und sind auf großes Interesse gestoßen“, erklärte Juniorchef Neßeler. Rund 200 Leute seien gekommen, um sich die Pläne anzusehen.

Die Pläne sind in der Tat vielversprechend. Das Gebiet hat eine Hanglage, die einen Höhenunterschied von zehn Meter zur Verfügung habe. Für Neßeler die Chance, für die meisten Wohneinheiten den Blick auf die grünen Wiesen jenseits des Vennbahnweges zu erhalten. Die 98 Einfamilienhäuser und die mehr als 170 anderen Wohneinheiten mit zwei bis drei Geschossen sollen auf drei Terrassenebenen angeordnet werden, so dass die meisten Bewohner über die Köpfe der anderen hinwegschauen können werden. Innerhalb des Areals soll der Verkehr möglichst „unter die Erde in Tiefgaragen“, wie Nisse Neßeler weiter erläutert. selbst Besucherparkplätze sollen im Untergrund verschwinden.

Die Wegeführung in die Garageneinfahrten werde so gestaltet, dass es keine geraden Wege geben wird und der Individualverkehr somit im Schritttempo zu fahren hat, der Radverkehr hat es sowieso nicht weit bis zum ausgebauten Vennbahnweg und ein Poller soll an geeigneter Stelle mögliche Schleichverkehre unterbinden. Insgesamt soll das Neubaugebiet von der Niederforstbacher Straße und dem Zehntweg her erschlossen werden, eine Stichstraße soll von der Beckerstraße aus ins Viertel führen. Ein wenig Bammel hat Nisse Neßeler noch vor den umfangreichen Abbrucharbeiten. „Die alte Fabrik hat so viel Winkel und Kellergeschosse, dass ich mich heute noch manchmal im leeren Gebäude verlaufe“, beschreibt er die Liegenschaft, in der sich noch kürzlich ein SEK-Polizeitrupp zu Übungszwecken austoben durfte.

Die Mitinvestorengruppe Brack Capital sei übrigens eine Gesellschaft, mit der man bereits seit längerem zusammenarbeite und auch in anderen Städten, wie etwa bei Düsseldorfer Bauprojekten, nur beste Erfahrungen gemacht habe, sagte Nesseler. Startschuss für den Abriss wird 2018 sein.

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