Aachen: Trotz Vorwürfen: Museumchefs erhalten neue Verträge

Aachen: Trotz Vorwürfen: Museumchefs erhalten neue Verträge

Weitere Aufschübe soll es nicht mehr geben: Am kommenden Mittwoch wird die seit Monaten geplante Vertragsverlängerung mit den beiden Museumschefs Brigitte Franzen und Peter van den Brink vollzogen. Beide müssen sich allerdings auch Vorwürfe gefallen lassen, allzu lax mit städtischen Geldern umzugehen.

Dass sich die Vertragsverlängerungen immer wieder verzögert haben, habe nichts mit ihrem problematischen Finanzgebaren zu tun, heißt es offiziell.

Schwer genug ist es allerdings, überhaupt Auskünfte zu erhalten. So berufen sich nicht zuletzt die Politiker auf ihre Verschwiegenheitspflicht in finanziellen Dingen. Außerdem wolle niemand Personen beschädigen, deren fachliche Kompetenz unbestritten sei.

Unbestritten ist jedoch auch, dass es im städtischen Rechnungsprüfungsausschuss zuletzt mehrfach hartnäckige Nachfragen zur Ausgabenpolitik der beiden Museumschefs gegeben hat.

Bereits vor Jahren ist Peter van den Brink, Leiter des Suermondt-Ludwig-Museums, wegen allzu hoher Handy-, Hotel- und Reisekosten ins Gerede gekommen. Er habe „stets in die Vollen gelangt”, sagt ein Kenner der Zahlen.

Die allgemeinen Reisekostenrichtlinien der Stadt habe er missachtet. Gerne sei er erster Klasse gereist und in feineren Häusern abgestiegen. Nicht selten habe er deutlich höhere Kosten als seine Mitreisenden verursacht und der Stadt in Rechnung gestellt. Dabei soll es in der Summe um fünfstellige Beträge gehen.

Hinter vorgehaltener Hand sagen Politiker, dass sich kein „normaler städtischer Mitarbeiter” so verhalten dürfte. „Hier wird offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen”, ärgert sich ein Ratsherr.

Van den Brink genieße Privilegien, die sich sonst niemand herausnehmen dürfte. Der Personalrat war ebenfalls mit den heiklen Vorgängen befasst, doch auch er will sich nicht öffentlich zu diesen Interna äußern.

„Keine Probleme mehr”

Van den Brink selbst erklärte am Donnerstag auf Anfrage, dass die Kritik ausgeräumt sei. „Das ist geklärt, es gibt keine Probleme mehr”, sagt er. Er freut sich nun auf die Vertragsverlängerung über den 28. Februar 2013 hinaus bis Ende 2014. „Ich arbeite gerne in Aachen.” Gebraucht wird er in dieser Zeit vor allem für die Vorbereitungen des Karlsjahrs 2014, in dem mehrere große Events und Ausstellungen geplant sind. Das Konzept hat er maßgeblich erarbeitet.

Doch während der Vertrag der Leiterin des Ludwig-Forums, Brigitte Franzen, nächste Woche gleich bis 2018 verlängert werden soll, bleibt es bei van den Brink bei einer abgespeckten Version. „Ich finde das prima so”, sagt van den Brink, der eigenen Aussagen zufolge „alle halbe Jahre” neue Angebote erhält und sich alle Optionen offenhalten will.

So sehen es wohl auch die Politiker, die in der Vergangenheit des Öfteren von „atmosphärischen Störungen” sprachen und van den Brink „divenhaftes Verhalten” vorwerfen. Zwar leiste er exzellente Arbeit und bringe großartige Ausstellungen nach Aachen, aber er kümmere sich zu wenig um die städtischen Belange und die kritische Haushaltslage.

Ähnliche Nachlässigkeiten musste sich Franzen im Rechnungsprüfungsausschuss vorhalten lassen. Auch sie habe mehrfach Vergaberichtlinien missachtet. Für Missstimmung haben zuletzt auch die erheblich gestiegenen Kunsttransportkosten gesorgt.

30 000 Euro waren ursprünglich für „Nie wieder störungsfrei” angesetzt, inzwischen rechnet man mit 53 000 Euro. Da sei möglicherweise der Rücktransport vergessen worden, mutmaßt einer. Franzen selbst ist zurzeit für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Trotz allem dürfte die Vertragsverlängerung der beiden Museumsleiter bis 2014 bzw. 2018 einstimmig durchgehen. Damit verbunden sei die Erwartung, dass beide künftig nicht nur künstlerisch, sondern auch organisatorisch und wirtschaftlich überzeugen.

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