Richterich: Trotz Gestanks: Häuser am Richtericher Dell werden gebaut

Richterich: Trotz Gestanks: Häuser am Richtericher Dell werden gebaut

In dem riesigen Neubaugebiet Richtericher Dell wird es an einigen Stellen zum Himmel stinken. Und zwar „besonders unangenehm“, Ekel erregend und sogar „Übelkeit weckend“. Das ist gutachterlich jetzt schon belegt, auch wenn von den bis zu 900 vorgesehenen Wohneinheiten im Norden Richterichs noch keine einzige gebaut ist.

Ursache des Gestanks ist ein Regenrückhaltebecken, das von Richterich aus gesehen an der rechten Seite der Horbacher Straße liegt. Und damit ziemlich nah an Teilen des Neubaugebiets. Die Aachener Stadtverwaltung stört das aber offenbar nicht weiter. Die geplanten Wohnbauflächen sollen „in diesem Bereich nicht reduziert werden“, heißt es in der Verwaltungsvorlage für den Planungsausschuss, der sich am Donnerstag (17 Uhr, Ratssaal) unter anderem mit einem Bebauungsplan für einen Teil des Richtericher Dells befasst.

Schließlich handele es sich bei der in diesem Fall anzuwendenden „Geruchsimmissionsrichtlinie NRW“ nicht um eine gesetzliche Vorgabe, sondern „nur um eine Empfehlung“, argumentiert die Verwaltung. Und deshalb will man auch an den „ca. 15 Baugrundstücken“ weiterhin festhalten, auf denen es laut Gutachter besonders oft übel stinken wird. „Auf die Inhalte des Geruchsgutachtens werden die Interessenten bei der Vermarktung hingewiesen“, heißt es in der Vorlage dazu nur lapidar.

Das hatte sich vor rund drei Monaten noch ganz anders angehört. Seinerzeit hatte die Verwaltung die Politik ebenfalls im Planungsausschuss darüber informiert, dass über das seit gut zehn Jahren geplante Großvorhaben ein ganzes Bündel von Problemen hereingebrochen war. Da ging es unter anderem um Planungshindernisse, um Umwelteingriffe, um Lärm — und eben um den Gestank, der vom Regenrückhaltebecken herüberweht. Und da alle denkbaren Varianten, das Problem am Becken selber in den Griff zu kriegen, am Geld scheitern würden — von mindestens sechs Millionen Euro Kosten war die Rede —, müsse das Neubaugebiet um rund 150 Wohneinheiten schrumpfen, hieß es damals. Allerdings sollte dazu noch ein externes Gutachten eingeholt werden.

Das liegt jetzt vor und scheint die Verwaltung darin zu bestärken, das Projekt doch in der ursprünglich geplanten Größe realisieren zu können — obwohl der Gutachter empfiehlt, nur solche Flächen zu bebauen, die an weniger als elf Tagen „mit überaus unangenehmen Gerüchen belastet sind“. Diese Grenze wird zwar auf den besagten rund 15 Baugrundstücken überschritten, und auch in einigen anderen Ecken des Areals dürfte es zumindest bisweilen etwas müffeln, doch zieht die Verwaltung aus der Untersuchung den Schluss, „dass keine Veränderungen gegenüber der Rahmenplanung erforderlich werden“. Was unter anderem den Vorteil hätte, dass die Lage der Ortsumgehung und die Abgrenzung des Gebiets nicht neu geplant werden müssten.

Ganz unabhängig vom Regenrückhaltebecken stinkt etlichen Anwohnern das Großprojekt „Richtericher Dell“ seit geraumer Zeit. Die Bürgerinitiative „BI Dell“, die unter dem Motto „Flächenfraß ohne Maß“ gegen das Bauvorhaben kämpft, hat mittlerweile angekündigt, ein Bürgerbegehren initiieren zu wollen. Derzeit prüfe man juristisch und organisatorisch das weitere Vorgehen, teilen deren Sprecher Dr. Christian Locher und Peter Philippen-Lindt mit. Ziel sei es, dass Bauleitplanverfahren der Stadt und damit letztlich die geplante Bebauung zu stoppen. Und sollte die „BI Dell“ für dieses Unterfangen genügend Unterstützer finden, könnte das Ganze am Ende auch den Planern zumindest übel aufstoßen.