Tristesse und Chaos rund um Burtscheider Parkpalette

Vandalismus in Burtscheid : Unter dem Parkdeck „tanzen die Ratten Samba“

Katastrophale Zustände rund um die Blechpalette an der Kleverstraße – die Diagnose ist alles andere als neu. Vandalismus und Müll sind im und am Parkhaus Kleverstraße an der Tagesordnung. Jetzt will die Politik auf eine Verbesserung der Situation drängen.

Schon bei der Betrachtung aus sicherer Entfernung vergeht den meisten Burtscheidern – und nicht nur denen – längst der Humor. Für Ingrid Teepe-Ortmanns gilt das zum Glück nicht, trotz allem. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Leserin unserer Zeitung nicht jeden Tag in den zweifelhaften Genuss kommt, ihr Blech im Parkhaus an der Kleverstraße abzustellen. Aber eben oft genug. „Wenn man sich dort umschaut, kann einem übel werden“, sagt sie. Überall türme sich der Müll, Dreck und Schmierereien prägten das Bild. „Und die Ratten tanzen Samba“, sagt Teepe-Ortmanns. Dabei hätten die Leute vom Ordnungsamt allenfalls ein müdes Lächeln übrig, wenn man sie auf die katastrophalen Zustände rings um den maroden Betonklotz zwischen Kapellen- und Gregorstraße anspreche. Auch die Polizei sei „ausreichend desinteressiert“, endlich einmal für Abhilfe zu sorgen, sagt die ehemalige Lehrerin.

Fleißig und flott reagierten die städtischen Ordnungskräfte seit Jahr und Tag allenfalls, wenn es gelte, die berühmten kleinen gelben Zettel zu zücken. „Wenn man sich diesen Stall anguckt“, sagt die gebeutelte Autofahrerin, „ist das doch reine Abzocke.“

Der „Stall“ sei zwischenzeitlich gar zum wiederholten Male zur finsteren und versifften Herberge mutiert. „Letztens hatte sich da ein Obdachloser mit einer großen Matratze unter der Parkpalette niedergelassen“, sagt die Aachenerin. „Vielleicht sollte ich demnächst auch mal eine mitbringen – und mir auf diese Art einen Stellplatz reservieren.“ Dabei habe sie selbst erst vor einiger Zeit einen Nichtsesshaften mit Essen und Getränken versorgt, der das Parkhaus ebenfalls zum Nachtquartier erkoren habe. „Ich wünschen diesen Menschen ein gutes Auskommen“, stellt sie klar. „Aber es kann ja wohl nicht sein, dass sich einer da häuslich einrichtet. Sogar Tische und Stühle konnte man zwischen den geparkten Autos besichtigen.“

Das Problem ist altbekannt. Als unsere Zeitung vor einem knappen Jahr über die Hinterhoftristesse mitten im Kurgebiet berichtete, gelobte die Stadt, dort häufiger als üblich zu säubern. Und in der Tat war von Hinterlassenschaften in Gestalt sperrig-versiffter Wohnutensilien kurz nach der Beschwerde der wackeren Bürgerin nichts mehr zu sehen. Auch ein paar völlig verrostete und moosbewachsene Straßenschilder vor der Auffahrt zur Parkpalette an der Ecke Gregorstraße sind inzwischen erneuert worden.

Anwohner und Geschäftsleute aus dem Umfeld aber wettern bereits seit Jahren über die Zustände an der Kleverstraße. Wilfried Braunsdorf, Vorsitzender der Burtscheider Interessengemeinschaft, appellierte wiederholt an die Stadt, das Beton-Ungetüm abzureißen und einen neuen, größeren Parkplatz einzurichten – zumal auch der benachbarte Bolzplatz allenfalls noch als Treffpunkt für spätabendliche Gelage genutzt werde.

Jetzt soll das Thema auch auf die politische Agenda: Marianne Conradt, Bezirksbürgermeisterin in Aachen-Mitte, sicherte auf Nachfrage zu, dass die Situation in der übernächsten Sitzung der Bezirksvertretung erörtert werden soll. „Wir werden die Verwaltung bitten, uns bis dahin einen Sachstandsbericht vorzulegen“, erklärte sie.

(mh)
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