Aachen: Trendwende auf dem Wohnungsmarkt

Aachen : Trendwende auf dem Wohnungsmarkt

Nach mehreren flauen Jahren blickt Aachen wieder auf ein Rekordjahr zurück: In der Stadt ist 2014 der Bau von 255 neuen Sozialwohnungen in Angriff genommen worden — das sind gut drei Mal so viele wie noch im Jahr davor.

Die Zahl verschafft Aachen einen Spitzenplatz unter den Boomstädten im Land, wie Hans Körfer, Leiter des städtischen Fachbereichs Wohnen, am Dienstag der Presse und den Wohnungspolitikern verkünden konnte.

Es sind die Früchte eines aus seiner Sicht sehr erfolgreichen Wohnungsbauprogramms, die Körfer am Dienstag schwärmen ließen. Aachen werde nunmehr in einem Atemzug mit Köln und Düsseldorf genannt, denn diese drei Städte sind die Spitzenreiter bei der Schaffung preiswerten Wohnraums im Land.

Mehr als 30 Millionen Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr als Fördermittel abgerufen. Von einer Trendwende spricht daher auch das Düsseldorfer Bauministerium: Wenn mehr Geld aus dem Wohnraumförderprogramm des Landes abgerufen wird, profitieren am Ende vor allem Mieter mit geringem Einkommen.

In Nordrhein-Westfalen sollen nach Angaben von Wohn- und Bauminister Michael Groschek inzwischen rund die Hälfte aller Bürger einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben. In der Tendenz sei das in Aachen kaum anders, sagt Körfer, wenngleich genaue Daten fehlen. Klar ist aber, dass selbst Menschen mit einem Durchschnittseinkommen verstärkt auf einen günstigen und geförderten Mietwohnungsbau angewiesen sind.

Über viele Jahre hinweg ist allerdings auch in Aachen der soziale Wohnungsbau stark vernachlässigt worden. Jahr für Jahr fielen mehr geförderte Wohnungen mit ihren günstigen Mieten aus der Bindungsfrist, ohne dass ausreichend Ersatz geschaffen wurde. Doch 2014 konnte der Verlust von 258 bindungsgebundenen Mietwohnungen fast genau ausgeglichen werden, wie Körfer stolz vermeldet. Der Erfolg sei nicht zuletzte einer sehr „aktiven Verwaltung“ und einem „guten Handlungsprogramm Wohnen“ zu verdanken.

Erhöhter Bedarf

Ausruhen könne man sich allerdings nicht, wie Körfer hinzusetzt. Die Stadt, die inzwischen wieder mehr als eine Viertelmillion Einwohner hat, habe eine weitere Wachstumsperspektive. Und deswegen habe sie auch einen erhöhten Bedarf in der Wohnraumförderung.

Man müsse dabei alle Segmente gleichermaßen im Blick haben, betont Körfer, der insbesondere auf die Bedürfnisse von Senioren und Pflegebedürftigen hinweist. So werden etwa barrierefreie Wohnungen kaum auf dem freien Wohnungsmarkt geschaffen. Aber auch Großfamilien haben es schwer, eine preiswerte Wohnung zu finden. Wartezeiten von zwei Jahren und mehr seien keine Seltenheit.

Aktuell zählt der Aachener Wohnungsmarkt rund 9400 mietpreisgebundene Wohnungen, etwa 1700 werden davon innerhalb der nächsten fünf Jahre wegfallen, innerhalb der nächsten zehn Jahre sind es sogar 3000 Wohnungen, die aus der Bindung fallen. „Unsere Aufgabe ist es, diese Bindungsabgänge zu kompensieren“, sagt Körfer. Der Druck auf den Wohnungsmarkt bleibe nicht zuletzt wegen der Studierenden, der Flüchtlinge und der vielen Menschen mit geringem Einkommen hoch.

Der Ruf von Sozialwohnungen hat sich aus Körfers Sicht deutlich verbessert. Es gebe heute vielfach hochwertige Objekte mit ansehnlichen Fassaden, die problemlos mit freifinanzierten Wohnungen mithalten könnten.

Ein breiter politischer Konsens führt dazu, dass mehr für die Schaffung preiswerten Wohnraums getan wird: So sieht der Baulandbeschluss vor, dass der Stadt bei größeren Grundstücken ein Viertel der Fläche für den sozialen Wohnungsbau angeboten werden muss. Bei Neubauprojekten sollen zwischen 20 und 40 Prozent der Wohnflächen öffentlich gefördert realisiert werden.

Laut Körfer wird aktuell der Bau von rund 1100 Wohnungen in Aachen geplant, ein Drittel davon soll öffentlich gefördert werden — darunter sind Projekte auf dem Wertz-Gelände an der Stolberger Straße, am Campus-West, an der Franzstraße und in Aachen-Nord. Noch in diesem Jahr soll auch der erste Bauabschnitt am Eisenbahnweg in Angriff genommen werden, wo alleine 183 geförderte Wohnungen entstehen sollen.

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