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Trauer in Aachen um Ratsherr Horst Schnitzler

Aachen : Er war im besten Sinne ein Vertreter des Volkes

UWG-Ratsherr Horst Schnitzler nach längerer Krankheit gestorben. Wohnraum für Sozialschwache waren ein Herzensanliegen.

Die Nachricht kam für viele überraschend, traurig sind deren Empfänger alle: Der Aachener UWG-Ratsherr Horst Schnitzler ist am Donnerstag nach schwerer Krankheit gestorben. Dies wurde aus Kreisen seiner politischen Freunde bestätigt.

65 Jahre weist das Ratsinformationssystem der Stadt Aachen als Schnitzlers Alter aus, genauso wie seine Mitgliedschaft im Rat seit 2004. In diesen Jahren hat sich der Mediengestalter und -techniker sowie Lehrer einen besonderen Ruf erworben: den des streitbaren Kommunalpolitikers, der die Arbeit in einem politischen Gremium stets als Mittel zum Zweck zur Erfüllung seiner Ziele ansah. Nie aber als Selbstzweck.

Der gebürtige Aachener sah sich stets als Mensch der Bürgerinitiativen. Hier lag auch seine Initialzündung für die institutionelle politische Arbeit. Immer wieder hat er gerne die Geschichte erzählt, wie er mit seiner jüngeren, damals noch kleinen Tochter auf dem Arm gegen die Pelztierfarm in Orsbach demonstriert und ihr die Hintergründe erklärt habe. Der einfache Satz aus dem Kindermund „Dann mach doch was dagegen“ reichte. Horst Schnitzler tat etwas. Zunächst für die Unabhängige Wähler-Gemeinschaft, dann für Die Linke – für sie arbeitete er als Fraktionsgeschäftsführer – und ab 2009 wieder für die UWG. Für sie ging der leidenschaftliche Tee-Trinker genau wie nochmals 2014 als Oberbürgermeisterkandidat ins Rennen. Dass er damit bei der Linken, für die er vor neun Jahren zeitgleich noch arbeitete, nicht für Begeisterung sorgte, war klar. Aber zugleich auch typisch für Schnitzler. Statt für Fraktionsarbeit entschied er sich für das Einzelkämpferdasein.

Einsatz für Kultur und Natur

Dabei suchte er immer für einzelne Themen Mitstreiter. Diese Themen waren der Erhalt des Parks am alten Klinikum, der Einsatz für die freie Kulturszene in Aachen, der Gemeinschaftsgarten „Hirsch-Grün“ an der Richardstraße und vor allem die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für sozial schwache Menschen. Um diese Gruppe ging es ihm beispielsweise auch, als er sich gemeinsam mit den Piraten für Flaschenpfandringe einsetzte, die Benachteiligten das Wühlen in Abfallbehältern ersparen sollte. „Ich habe Horst Schnitzler als sehr empathischen Menschen erlebt“, sagt Marc Teuku, Ratsherr der Piraten, der mit Schnitzler häufig zusammengearbeitet hat. „Ihn hat ausgezeichnet, dass er sich um die Menschen gekümmert hat, an die andere nicht einmal gedacht haben“, sagt Teuku und ergänzt: „Horst Schnitzler hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger, auch für junge Leute beispielsweise.“ Zu denen habe er einen besonders guten Draht gehabt. Er sei einer der ersten gewesen, der sich für die Aachener Clubszene eingesetzt habe. „Horst Schnitzler war ein sehr warmherziger Mensch, mit dem wir eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit gepflegt haben“, so Teuku. „Gäbe es mehr Menschen wie ihn, dann wäre die Welt ein Stückchen besser.“

Horst Schnitzler bezeichnete sich selbst als Stadtmenschen. In Aachen wollte er etwas bewegen, und dort hat er etwas bewegt. Bequem wollte er nie sein, dabei war er aber stets freundlich, höflich und verbindlich. Seine Plattform war neben dem Rat das Bürgerforum und die Bezirksvertretung Mitte. Hier war der UWG-Mann, der sich stets als Vermittler und Schnittstelle sah, nahe bei den Menschen. Die UWG will in seinem Sinne schnell über die Nachfolge im Rat entscheiden. (hpl/slg)