Aachen: Tolkien-Experten fiebern dem Finale entgegen

Aachen : Tolkien-Experten fiebern dem Finale entgegen

Der kleine Raum im Obergeschoss des Inda-Gymnasiums lässt das Herz vieler Tolkien-Fans sicher höher schlagen: Nahezu jede freie Fläche an den Wänden ziert ein Poster mit Filmszenen aus dem Hobbit und dem Herrn der Ringe.

Manche davon sind echte Raritäten, die es nicht zu kaufen gibt. Außerdem schmücken Pappaufsteller verschiedener Filmfiguren das Zimmer. Tolkien-Fans werden sofort wissen, dass sie hier unter Gleichgesinnten sind, und Nicht-Tolkien-Fans werden zumindest erkennen, dass ziemlich viel Leidenschaft in dem kleinen Raum steckt. Hineingebracht haben diese Leidenschaft die Inda-Gefährten, die Tolkien-Arbeitsgemeinschaft (AG) des Inda-Gymnasiums.

Die Tolkien-AG des Inda-Gymnasiums hat sich in ihrem kleinen Schulraum einen eigenen Mikrokosmos geschaffen. Foto: Verena Richter

16 Schüler gehören zu der AG, die 2010 von den Lehrern Julian Eilmann und Patrick Schmitz ins Leben gerufen worden ist, damit sich interessierte Schüler in ihrer Freizeit mit den Werken von JRR Tolkien beschäftigen können. Aber in den vier Wänden der AG ist natürlich auch noch ein anderer Name allgegenwärtig: der Name des Mannes, der den Herrn der Ringe und den Hobbit verfilmt hat, Peter Jackson.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kommt der dritte Teil der Hobbit-Saga, die Schlacht der fünf Heere, in die deutschen Kinos. Und kurz vor dem Start sind die Jugendlichen natürlich ziemlich aufgeregt. Die meisten von ihnen haben alle bisherigen Teile gesehen und die Bücher gelesen — die meisten, aber nicht alle. Marit und Jana, beide zehn Jahre alt und in der fünften Klasse, sind noch keine Tolkien-Experten. Aber die beiden Mädchen wollen gerne welche werden, darum sind sie der Einladung Julian Eilmanns gefolgt und sehen sich die AG an diesem Nachmittag zum ersten Mal an.

Der Deutsch- und Geschichtslehrer ist ganz froh darüber. „Viele Mädchen gibt es nicht in der Gruppe, es war bisher nur eins“, sagt Julian Eilmann. Mit Jana und Marit könnte sich die Frauenquote jetzt gleich verdreifachen. Marit kennt zumindest den ersten Teil des Hobbit-Films, und beide wollen nun schleunigst das Buch lesen.

„Wir haben genügend Ausgaben in unserer Bibliothek“, sagt Julian Eilmann lächelnd. Und bei möglichen Fragen hätten die beiden viele kompetente Fachleute an ihrer Seite. Denn anders kann man die Schüler kaum bezeichnen, auch wenn manche von ihnen erst zehn Jahre alt sind. Einige von ihnen sind durch die Filme auf die Werke Tolkiens aufmerksam geworden, andere kannten zuerst die Bücher und haben sich dann die Filme angesehen.

Lebhafte Diskussion

Auf die Frage, ob die bisherigen Filme ihren Erwartungen entsprechen würden, entspinnt sich rasch eine lebhafte Diskussion in dem Mikrokosmos, den Nicht-Tolkien-Fans niemals verstehen werden, in dem sich Tolkien-Fans jedoch wie zu Hause fühlen. Max ist von der Umsetzung nicht ganz überzeugt. „Ich finde, es ist zu viel Action im Film, die gar nicht nötig gewesen wäre.“

Und manche Figur, die Peter Jackson für den Film entwickelt hat, wäre auch nicht nötig gewesen. „Tauriel ist zu viel“, meint der Zwölfjährige zu der Elben-Kriegerin, die Jackson erfunden und in den Film eingebaut hat. Einige pflichten ihm bei, Christopher hat aber eine andere Meinung. Der 16-Jährige ist von Anfang an Mitglied in der AG und erklärt: „Der Film wurde vorab stark kritisiert, aber ich finde ihn gut. Jackson musste auch etwas Eigenes schaffen, und ich denke, dass die Handlungsstränge sich sehr gut in das Werk einfügen.“ Einigkeit herrscht bei der Frage was denn besser sei: Buch oder Film. Da sagen alle, das Buch sei besser.

Den dritten Teil des Films können sie dennoch kaum erwarten. „Es wird episch“, sagt der 13-jährige Jakob. „Die Schlacht wird noch größer als alles andere, was Jackson bisher gemacht hat.“ Aber die wilden Kämpfe wecken nicht alleine die Neugier auf den Film. Henry (11) etwa, fragt sich wie der Rückweg des Hobbits Bilbo aussehen wird, und Christopher ist gespannt, wie sich manche Nebengeschichte im Hinblick auf den Herrn der Ringe auflösen wird.

Vitus hingegen äußert einen erstaunlichen Gedanken. Der Zwölfjährige hofft nämlich, dass der Film nicht zu witzig wird. „Manche Witze im zweiten Teil haben nicht gepasst oder waren zu viel.“ Auch Luis (10) wünscht sich, dass Humor in Maßen und passend eingesetzt wird. Julian Eilmann muss bei den Äußerungen schmunzeln, immerhin war Tolkien selbst auch oft witzig, doch offenbar empfinden einige seiner Schüler beim Film das anders.

Dass aber jeder seine Meinung hat und diese auch frei äußert, ist ein wichtiger Bestandteil der AG. Man soll sich austauschen und diskutieren. Altersunterschiede spielen dabei keine Rolle, wie Julian Eilmann sagt. „Hier findet man im kleinen Kreis das, was man auch weltweit an Diskussionen und Debatten findet. Das ist sehr spannend“, erklärt der Lehrer.

Ein Punkt, über den die Jugendlichen wohl auch lange reden könnten, ist die Frage nach der Lieblingsfigur. Till (14) hat keine, er findet sie alle gut und im Film gut getroffen. Marit findet „den dicken Zwerg Bombur“ am besten. Henry unterscheidet bei der Frage zwischen Buch und Film. Im Film sei Legolas, der Elben-Prinz aus dem Düsterwald, seine Lieblings­figur, im Buch sei es aber der Zwerg Kili. „Der ist so nett“, erklärt er. Auch Luis unterscheidet zwischen Buch und Film. Sein Film-Held ist der Zwerg Thorin, der durch seinen Charakter viel Spannung in den Film bringen würde. Im Buch sei es der Hobbit Bilbo.

Spannung zwischen Gut und Böse

Doch auch die Bösewichte faszinieren die Schüler. Vitus findet etwa Gollum am besten. Ihm gefällt die Spannung zwischen Gut und Böse, die diese Figur verkörpert. Jonas (12) beeindrucken die großen Orks, Max findet den weißen Warg, einen großen Wolf, „cool“. Und selbst der boshafte Drache Smaug hat einen Fan. Christopher mag den „großen Antagonisten der Geschichte“. Die Urgewalt habe Witz und sterbe letztlich durch seine Arroganz, der 16-Jährige findet das spannend.

Am 16. Dezember werden die Inda-Gefährten den Film gemeinsam sehen. Sie haben Freikarten, weil die Schüler eine Ausstellung im Cineplex organisieren ( siehe Box). Und danach? Auch wenn mit den Filmen dann Schluss ist, die Inda-Gefährten werden weiter in Tolkiens Welt eintauchen. Als nächstes wollen sich die Schüler gemeinsam das Silmarillion vornehmen, die Vorgeschichte zum Hobbit und dem Herrn der Ringe.

Es gibt noch viel zu entdecken in dem kleinen Raum im Obergeschoss des Inda-Gymnasiums.

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