Aachen: Tochter sagt aus: „Sie war mehr als eine Mutter”

Aachen: Tochter sagt aus: „Sie war mehr als eine Mutter”

Mit Spannung wurden im Haarener Mordfall die Zeugenaussage der zwei Töchter des 72-jährigen Opfers vor dem Aachener Schwurgericht (Vorsitz Richter Gerd Nohl) erwartet.

In einer annähernd zweistündigen und durchaus erschütternden Einvernahme berichtete die jüngere Tochter, eine Ärztin, über das äußerst enge Verhältnis der beiden Frauen zu ihrer Mutter.

„Sie hatte ein großes Herz”, berichtete sie auf die Frage, wie denn die in Haaren alleine in ihrem Einfamilienhaus wohnende Unternehmerin gewesen sei. Sie habe als Vermieterin immer ein offenes Ohr für die Belange ihrer Mieter gehabt. Oftmals verlieh die agile und in ihrer Lebensführung selbstständige Witwe sogar Geld, wenn Not am Mann war.

„Wir haben täglich telefoniert und alles miteinander besprochen”, erinnerte sich die Ärztin, die zum Zeitpunkt der schrecklichen Tat am 12. April dieses Jahres schwanger war: „Meine Mutter hat sich so auf das Kind gefreut.”

Anders als ihre Schwester, die in Aachen als Therapeutin arbeitet, wohnte sie bis kurz vor der Tat mit ihrem Ehemann nicht in Aachen. Nach der Geburt des Kindes wollten sie in Neuss bauen, zogen aber in die Nähe, weil auch die Oma ihr Enkelkind sehnlich erwartete. „Das Familienleben ist mit der Tat völlig zerstört worden”, sagte sie mit leiser Stimme.

Ihre Mutter sei mehr gewesen als nur eine Mutter, sie sei für beide Töchter „wie eine Freundin” gewesen, vor allem auch deswegen, weil man ihr das Alter nicht angemerkt habe. „Sie war im Herzen jung, mit ihr konnte man alles machen”. So sei man regelmäßig miteinander in Urlaub gefahren. Und die 72-Jährige habe „absolut diszipliniert” zu Hause in ihrem Büro die laufenden Geschäfte geregelt, manchmal bis spät in die Nacht, sagte die Tochter, die noch am Abend der Tat gegen 19.15 Uhr mit ihrer Mutter telefoniert hatte.

Kurze Zeit danach geschah der Mord, der zunächst als Todesfall nach einem vermeintlichen Treppensturz eingeordnet wurde. Das änderte sich, als der Rechtsmediziner ein Verbrechen feststellte: Das Opfer wurde erwürgt. Zunächst tappte die Polizei bei der Fahndung im Dunkeln, nahm dann zehn Tage später den jetzt wegen Mordes angeklagten Ali C. (45) fest.

Der Angeklagte, dessen Familie noch im Jahr vor dem Verbrechen Gewerberäume von der 72-Jährigen angemietet hatte, soll ihr 1000 Euro geschuldet haben. Die habe er nicht zurückgeben können oder wollen, heißt es in der Anklageschrift zur Motivlage. Ali C. bestreitet jedoch die Tat.

Vorhänge noch zugezogen

Die ältere Tochter war am Tag nach dem Mord von einer Freundin der Mutter an ihrer Arbeitsstelle aufgeschreckt worden. Die Freundin habe mittags angerufen und berichtet, dass an der Wohnungstüre des Hauses in Haaren mittags noch die Vorhänge zugezogen seien. Das habe es noch nie gegeben.

Das fand die jüngere Tochter auch. Sie habe sich, so beschrieb sie dem Richter ihre Gefühlslage, „mit Herzklopfen und zitternd” ins Auto gesetzt und sei nach Haaren gerast. Sie schloss auf und fand die Mutter regungslos auf den Stufen der Kellertreppe liegend, ein Schal „oder ein weißes Stück Molton”, so die Zeugin, habe in ihrem Mund gesteckt. Der Schwester sagte sie am Telefon: „Mutter liegt hier und ist ganz kalt.”

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.