Aachen: „Toben macht schlau“: Großer Andrang bei Renate Zimmers Vortrag

Aachen : „Toben macht schlau“: Großer Andrang bei Renate Zimmers Vortrag

Sie ist Professorin für Sportpädagogik und Sportwissenschaft an der Universität Osnabrück, Diplom-Erziehungswissenschaftlerin und erfolgreiche Autorin zahlreicher Bücher zum Thema Sprach- und Bewegungsförderung bei Kindern: Wenn Renate Zimmer einen Vortrag hält, ist der Andrang riesig.

Auch bei ihrem Besuch in Aachen war die Begeisterung groß. In der gut gefüllten Aula des Einhard-Gymnasiums brachte sie ihr Publikum mit ihrem Vortrag „Wie Sprache entsteht — Was Sprache bewegt!“ immer wieder zum Schmunzeln, Staunen, aber auch zum Nachdenken.

„Man merkt, dass dieses Thema zieht. Renate Zimmer ist so etwas wie die Päpstin in dem Bereich“, kündigte der Vorsitzende des Stadtsportbundes Aachen, Björn Jansen, Zimmer geradezu liebevoll an. Im Vorgespräch mit „Nachrichten“-Redakteurin Margot Gasper, die die Veranstaltung moderierte, wandte er sich allerdings auch an das Publikum und warb bei den vielen gekommenen Erzieherinnen und Erziehern um viel Bewegung in Kindertagesstätten. Mit dem Projekt „Bewegungskita“ möchte der Stadtsportbund dem Bewegungsmangel bei Kindern entgegenwirken und zeichnet Kindergärten aus, die sich für eine ausreichende Bewegung der Kinder in ihrer Einrichtung einsetzen.

Im Anschluss erläuterte Renate Zimmer ihren Zuhörern, wieso sie die These „Toben macht schlau“ vertritt und warum es förderlich sei, Sprache und Bewegung in der Früherziehung von Kindern zu verbinden. „Natürlich ist der Satz auch ein wenig provokant. Er soll zeigen, dass Bewegung nicht nur sinnlos vertane Zeit ist, sondern sehr wichtig ist“, so die Professorin. Sie lobte den Fortschritt im pädagogischen Bereich in NRW und stellte in ihrer Präsentation wichtige Kriterien für den erfolgreichen Spracherwerb im Kindesalter heraus.

„Wenn ein Kind Schwierigkeiten mit der Sprache hat, können sich viele andere Kompetenzen und Ressourcen nicht richtig entwickeln“, warnte sie. Insbesondere während der Bewegungsabläufe bei Kindern werde die Sprache gut erlernt. Nicht nur der Kopf sei bei dem Erlernungsprozess entscheidend, sondern der gesamte Körper. „Im Alter von ein bis zwei Jahren gibt es bei Kindern eine Wortschatzexplosion und eine Bewegungsexpansion. Allerdings verläuft diese Entwicklung nicht parallel“, sagte die Wissenschaftlerin. Beherzt durfte das Publikum das erste Mal lachen, als sie das Beispiel von Profifußballern brachte, die sich bei Interviews nach dem Spiel oft deutlich schwerer täten als beim Kicken auf dem Rasen.

Zimmer vertritt den Ansatz, dass „Bewegung der Motor der Sprache“ ist. Allerdings müssten auch weitere Bedingungen vorherrschen. So kritisierte sie beispielsweise die rückläufige Kommunikationsbereitschaft junger Menschen, die lieber ihre Zeit mit ihrem Smartphone verbringen würden, als sich mit ihrem Gegenüber zu unterhalten.

Darüber hinaus bemängelte sie Sprachförderprogramme, die die Sprachkenntnisse von Kindern mehr oder weniger erzwingen wollten. „Greifen führt erst dann zum Begreifen, wenn ich selbst von der Sache ergriffen bin“, betonte Zimmer. Bewegung könne nach Meinung der Sportwissenschaftlerin einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Sprache leisten.

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