Aachen: Tivoli verkauft: Wird nun der Name geändert?

Aachen: Tivoli verkauft: Wird nun der Name geändert?

Der Vertrag ist unterzeichnet, der Notartermin absolviert: Die Stadt Aachen hat am Mittwoch für den symbolischen Preis von einem Euro den Tivoli gekauft. Das teilt das städtische Presseamt mit.

„Das ist das glückliche Ende eines langen Prozesses“, sagte Dezernent Lothar Barth, der als Vertreter der Aachener Stadion Beteiligungs GmbH (ASB) den Vertrag seitens der Stadt unterzeichnete. Für den Insolvenzverwalter der Alemannia Aachen Stadion GmbH unterschrieb Frank Schwarzer von der Sozietät Kebekus & Zimmermann Rechtsanwälte. Der Termin fand am Mittwochmittag in den Räumen der Aachener Notare Müsgen & Dr. Peters statt. Zuvor hatten die Vertragspartner die Vertragsinhalte und den Kaufvertrag überprüft und akzeptiert.

Wie berichtet, kann Alemannia Aachen nun weiterhin das 31.900 Zuschauer fassende Stadion an der Krefelder Straße nutzen. Doch anders als am Dienstag verlautbart, soll der Klub nun auch in der Regionalliga Mietzahlungen an die ASB leisten. Nach Informationen der „Nachrichten“ liegen sie bei rund 150.000 Euro jährlich. In der dritten Liga würde die Miete dann auf 300.000 Euro pro Jahr steigen. Sollte sogar ein Aufstieg in die zweite Liga gelingen, müsste die Alemannia im ersten Jahr 800.000 Euro, anschließend 1,3 Millionen Euro aufs Stadtkonto überweisen.

„Wir werden das Stadion vermarkten, indem wir viele Räume herrichten und vermieten“, sagt Dezernent Barth und nennt Beispiele: „Die Aachener Spielbank zieht für die Zeit des Kurhaus-Umbaus ins Stadion, unser Kongresszentrum Eurogress wird Räume für Veranstaltungen vermarkten, und auch mit anderen potenziellen Mietern sind wir in guten Gesprächen.“ Den jährlichen Unterhalt des Stadions, den die Stadt Aachen aufzubringen hat, beziffert die ASB mit bis zu zwei Millionen Euro.

Um diese finanzielle Belastung zu minimieren, bringen die Aachener Piraten nun einen Verkauf der Namensrechte ins Spiel. In einem am Mittwoch veröffentlichten Ratsantrag fordern sie, dass der Rat die Verwaltung beauftragen solle, „aktiv die Vermarktung der Namensrechte des Stadions Tivoli in die Wege zu leiten“. Ratsherr Marc Teuku begründet diesen Antrag mit der „erheblichen finanziellen Belastung“ für die Stadt.

„Die Bestrebungen der Verwaltung, das Stadion auszulasten sind sehr begrüßenswert. In diesem Zusammenhang, sollte die Erschließung neuer Einnahmequellen zur Schließung der aktuellen Defizite weiter ausgebaut werden“, sagt Teuku. Die Alemannia hatte beim Bau des neuen Tivoli „aus Traditionsgründen“ auf den Verkauf der Namensrechte verzichtet. Außerdem hatte der damalige Geschäftsführer Frithjof Kraemer mit dem Verzicht eine Erhöhung der Eintrittspreise begründet.

Kritik vom Bund der Steuerzahler

Kritik am Kauf durch die Stadt kommt vom Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen. „Für kommunale Unterstützung des Profi-Fußballs haben wir kein Verständnis“, sagt Sprecherin Andrea Defeld. Allein in die Gestaltung des Stadion-Umfelds habe die Stadt Millionen gesteckt. Jetzt stehe sie kurz vor der Haushaltssicherung und überlege, wie wieder Geld in die Kasse komme. „Ausbaden muss das letztlich der Steuerzahler“, sagte Defeld.

(hr)
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