Aachen: Tivoli: Problembau Nummer eins wirft weiter viele Fragen auf

Aachen : Tivoli: Problembau Nummer eins wirft weiter viele Fragen auf

Fachleute der Stadtverwaltung haben offenbar die zurückliegende Woche genutzt, um sich weitere Einblicke in den Tivoli-Zustand zu verschaffen. Über neue Erkenntnisse ist bisher allerdings nichts nach außen gedrungen, was auf eine ausdrückliche Anweisung der Verwaltungsspitze um Oberbürgermeister Marcel Philipp zurückzuführen ist.

Für die kommende Woche wird jedoch ein Ende der Verschwiegenheit in Aussicht gestellt. „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“, lautet die Devise, die Philipp zuletzt auch in der Ratssitzung postulierte und mit der er um Verständnis für die äußerst zurückhaltende Auskunftsbereitschaft über neu aufgedeckte Sicherheitsmängel im Tivoli bat. Aufgeführt werden diese Mängel in einem neuen Gutachten, das die im Süsterfeld ansässige Firma BFT Cognos erstellt hat. Über den Inhalt hat die Stadt bis heute allerdings kaum etwas öffentlich gemacht.

Dass es überhaupt gravierende Sicherheitsprobleme im Tivoli gibt, ist erstmals beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf aufgefallen, das durch zusätzliches Personal der Bauaufsicht und der Feuerwehr abgesichert werden musste. Erwogen wurde damals schon, Teilbereiche des Stadions zu sperren und die Zuschauerzahl zu begrenzen.

Unter anderem gibt es schwere technische Mängel an der Brandmeldeanlage, der Notstromversorgung, der Sprinkleranlage und der Videoüberwachung. Auch das Stadiondach gilt als nicht sachgemäß befestigt, Einzelteile könnten bei Sturm wegfliegen, so die Sorge.

All diese Mängel sind offenbar neu entdeckt worden und ergänzen nun die lange Liste der bekannten Baumängel, die bereits Gegenstand eines Rechtsstreits mit dem Generalunternehmer Hellmich sind. Noch allerdings prüft die Stadt, wie ernst das neue Gutachten in all seinen Details zu nehmen ist. Auch will die Stadt klären, warum die neu aufgeführten Mängel nicht schon bei früheren TÜV-Terminen aufgefallen sind.

Gab es bewusste Nachlässigkeiten oder fahrlässige Versäumnisse? Sollten Fehler vertuscht werden? Gibt es böse Absichten? Oder sind kurzfristig neue Schäden aufgetreten? Und wen kann man womöglich in Haftung nehmen? All dies sind Fragen, die auch die Stadt beschäftigen, wie Pressesprecher Bernd Büttgens betont. „Wir wollen nicht hinterm Berg halten, aber wir wollen auch nichts Falsches erzählen“, bittet er derzeit noch um Geduld.

Noch müssten sich die städtischen Experten, die der zurzeit führungslosen Aachener Stadion Beteiligungs-GmbH zur Seite stehen, durch Berge von Akten arbeiten. Das Ganze werde auch juristisch begleitet. Denn am Ende wird auch die Frage stehen, wer für die Beseitigung der Schäden aufkommen muss.

Wie teuer die Reparaturen in dem knapp 50 Millionen Euro teuren und ziemlich überdimensionierten Stadion werden, ist auch eine jener Fragen, die noch unbeantwortet ist. Die Schätzungen gehen längst in Millionenhöhe, was die Stadt jedoch dementiert. „Je tiefer wir einsteigen, desto mehr haben wir das Gefühl, es ist zu handhaben“, erklärte Klaus Schavan, Aachens oberster Gebäudemanager, jüngst in der Ratssitzung. Konkretere Zahlen konnte er allerdings auch nicht nennen.

In der gleichen Sitzung verkündete er, dass die viermonatige Sommerpause bis September genutzt werden müsse, um die neue Spielsaison zu sichern. Welche Arbeiten dafür erledigt werden müssen, wann man damit beginnen wird und wie viel Geld dafür aufgebracht werden muss, hat die Stadt bislang ebenfalls nicht mitteilen können oder wollen.

Für die kommende Woche hat Büttgens eine Pressekonferenz der Stadt angekündigt, in der es dann nähere Informationen geben könnte. Unter anderem will man auch vor Ort zeigen, wo Aachens Problembau Nummer eins die größten Schwächen hat.

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