Aachen: Tivoli: Liste der Baumängel wird vor Gericht abgearbeitet

Aachen: Tivoli: Liste der Baumängel wird vor Gericht abgearbeitet

Den zahlreichen Baumängeln am Tivoli wollen die städtische Stadionbeteiligungsgesellschaft (ASB) und Frank Kebekus, der Insolvenzverwalter der Alemannia-Stadion-GmbH, nun auf den Grund gehen. Kurz vor Ablauf der fünfjährigen Gewährleistungsfrist haben sie die damals für den rund 50 Millionen Euro teuren Stadionbau zuständige Generalunternehmung, die Baugesellschaft Walter Hellmich, vor der 7. Zivilkammer am Aachener Landgericht verklagt.

Dort soll geklärt werden, warum die offensichtlichen Baumängel nicht beseitigt worden sind, ob möglicherweise eine Abstandsleistung in sechsstelliger Höhe von Hellmich an die Alemannia geflossen ist und, wenn ja, wofür dieser Betrag verwendet wurde.

„Wir wollen Licht in das Dunkel bringen“, sagt Dezernent Lothar Barth, der für die ASB zuständig ist. Sie soll nach Abschluss des Insolvenzverfahrens den Tivoli im Februar für einen Euro kaufen. „Die Stadt ist auch mit Herrn Hellmich im Gespräch. Wir kreuzen die Klingen aber nicht“, erklärte Barth am Freitag. Klar sei, dass eine mögliche Abstandsleistung im Baugewerbe nicht ungewöhnlich ist. Sollte sie real gezahlt worden sein, sei sie aber auf jeden Fall nicht bei der Stadion-GmbH angekommen.

An Spekulationen, ob die Summe seinerzeit von der für den Spielbetrieb zuständigen GmbH „in Beine statt Steine“, also in Fußballer, investiert worden sei, will sich Barth nicht beteiligen.

Rechtsanwalt Carlo Soiron, der die ASB juristisch vertritt, hatte die Ergebnisse einer Ortsbegehung des Tivoli dem Stadtrat am 3. September in nichtöffentlicher Sitzung präsentiert. Dem Protokoll dieser Sitzung zufolge fehlt unter anderem ein Teil der Rasenheizung. Auf der Längsseite vor den Trainerbänken endet sie zwei Meter vor der Seitenauslinie. Auch gibt es zahlreiche undichte Stellen im Dachbereich, was dazu geführt hat, dass sich in einigen Räumen Schimmel ausgebreitet hat. Aufgelistet hat Soiron nur die größeren Mängel, die mehr als 1000 Euro ausmachen. Insgesamt belaufe sich die Summe auf 2,1 Millionen Euro.

Diese Baumängel sind seit Jahren bekannt, die Alemannia wollte sie als Bauherrin seinerzeit einfordern. Doch plötzlich verschwand das Thema von der Bildfläche. Warum? Das ist eine der Fragen, die Barth und Kebekus vor Gericht klären lassen wollen. Es gebe keine Anzeige gegen den damals verantwortlichen Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer oder den Projektleiter für den Stadionbau, Stephan van der Kooi, der seine Tätigkeit bei der Alemannia Ende 2010 nach vier Jahren auf eigenen Wunsch beendet hatte. Die Aussagen dieser Zeugen und der beklagten Baugesellschaft Hellmich sollen Klarheit bringen. Wann es zu der Verhandlung vor dem Landgericht kommt, ist noch offen.

Die Bauunternehmung Hellmich ließ eine Anfrage der „Nachrichten“ bis zum Freitagabend unbeantwortet.

(akai)
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