Aachen: Timothy Garton Ash wird Karlspreisträger 2017

Aachen: Timothy Garton Ash wird Karlspreisträger 2017

Vor vier Jahren durfte sich der britische Geschichtswissenschaftler und Publizist Timothy Garton Ash in Aachen bereits den Medienpreis Karlsmedaille abholen, nun folgt sozusagen das Upgrade: Am Himmelfahrtstag wird der 61-Jährige mit dem Karlspreis 2017 ausgezeichnet.

Große klangvolle und populäre Namen wie Martin Schulz (2015) und Papst Franziskus (2016) waren für das Karlspreisdirektorium diesmal nicht im Topf und so musste sich das Gremium um Karlspreissprecher Jürgen Linden in diesem Jahr anderweitig behelfen: Fündig wurde es auf dem Feld der Wissenschaft. Garton Ash, der in Oxford mit einer Arbeit über den Nationalsozialismus in Deutschland promovierte und dessen Forschungsschwerpunkt die Gegenwartsgeschichte Europas ist, zählt seit Jahren zu den profiliertesten Intellektuellen und Kämpfern für ein geeintes Europa. Er trat vehement gegen den Brexit und für eine enge Anbindung Großbritanniens an die EU ein. Den Brexit habe er laut Linden als seine bisher „größte politische Niederlage“ empfunden.

Zugleich trete Garton Ash mit seinen Forschungen und Publikationen für eine liberale, offene und ehrliche Debattenkultur ein. „Er bietet den Populisten und Vereinfachern unserer Zeit die Stirn und entwickelt Ideen, wie wir uns in der globalisierten Welt verhalten sollten“, erklärte der Karlspreissprecher weiter. Garton Ash liefere keine einfachen Antworten, fügte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp hinzu.

Insbesondere mit seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch „Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Welt“ hat Garton Ash eine wichtige Debatte über die Meinungsfreiheit unter dem Eindruck des Sittenverfalls und der „Fake News“ in den sozialen Medien angestoßen. Obwohl die Stimmung im Netz so vergiftet ist, wendet er sich strikt gegen strenge Regulierungen und Verbote.

Garton Ash werde daher laut Linden auch als Kämpfer für die Demokratie ausgezeichnet, der für die zentralen Werte Freiheit, Selbstbestimmung, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit und Wahrheit eintrete. Auf Garton Ashs zentrale Botschaft „Streiten ja, aber anständig und mit Regeln“, habe ausdrücklich auch der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Abschiedsrede Bezug genommen, wie Linden erfreut registriert hat.

Timothy Garton Ash ist mit Danuta Ash verheiratet, sie haben zwei Söhne. Den Karlspreis wird er am 25. Mai in Aachen entgegennehmen. Wer die Laudatio hält, ist noch offen.

Mehr von Aachener Nachrichten