Aachen: „Time 2 Talk”: Philipp zuversichtlich bei Alemannia-Rettung

Aachen: „Time 2 Talk”: Philipp zuversichtlich bei Alemannia-Rettung

Marcel Philipp war am Dienstagabend ganz offenbar nicht zu „Time 2 Talk” in den Sportpark Kohlscheid nach Herzogenrath gekommen, um um den heißen Brei herumzureden.

In Sachen Finanzkrise bei Alemannia Aachen zeigte der Aachener Oberbürgermeister eindeutig die Möglichkeiten auf, die die Stadt habe, der Alemannia zu helfen, beschrieb den Stand der Verhandlungen, benannte deutlich kritische Punkte, klärte Missverständnisse auf und gewährte den rund 400 Gästen bei der Alemannia-Gesprächsrunde der „Nachrichten” sogar private Einblicke, die bis auf das heimische Sofa reichten.

„Meine Frau bekommt schon mit, wenn ich abends auf dem Sofa sitze und an Excel-Tabellen arbeite, über denen Alemannia Aachen steht. Und das war in den letzten Wochen häufig der Fall”, sagte der OB im Gespräch mit den Moderatoren Bernd Büttgens und Achim Kaiser. „Das zeigt, dass die Sache nicht einfach ist. Wenn sie das wäre, hätten wir es ja schon längst getan.”

Zurzeit versuche man das 44-Millionen-Euro-Geschäft, das der neue Tivoli darstellt, auf drei Gruppen aufzuteilen: 18 Millionen Euro für die Aachen-Münchener-Versicherung als Hauptdarlehensgeber, 18 Millionen Euro für die Stadt und acht Millionen Euro für die Alemannia.

Dabei betonte der OB, dass die Stadt der Alemannia die 18 Millionen Euro nicht etwa einfach gebe, sondern: „Über eine noch zu gründende Gesellschaft nehmen wir bei der Bank ein Darlehen zu kommunalen Zinsen auf, dass wir dann an die Alemannia weiterreichen.” Mehr könne die Stadt, die ihren Haushalt bekanntlich auch gegenüber dem Innenministerium und der Bezirksregierung verantworten müsse, nicht tun.

Zinsbelastung senken

Für Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer sollte dies reichen, um die jährliche Zinsbelastung von derzeit 4,3 Millionen Euro für den Stadionneubau auf rund zwei Millionen Euro zu senken. „Dazu müssen wir eine Lücke von acht Millionen Euro schließen”, sagte Kraemer mit Blick auf die angestrebte Aufteilung des Volumens, „aber das werden wir mithilfe eines privaten Sponsors auch schaffen.” In den acht Millionen Euro sei die Rückzahlung der Fan-Anleihen in einer Gesamthöhe von vier Millionen Euro berücksichtigt, so Kraemer. „Aber wenn jemand meint, uns die Anleihe nicht zurückgeben zu wollen, sind wir ihm bestimmt nicht böse”, warb der Geschäftsführer um ein nachträgliches Geschenk der Fans.

Zwei Dinge seien bei der Stadionfinanzierung in den Jahren 2006/2007 schief gegangen, weshalb sich die Alemannia nun in der Klemme befinde, blickte Kraemer zurück. „Zum einen waren wir damals wegen der Landesbürgschaft unter Zeitdruck, weswegen wir das Stadion teurer und kürzer finanzieren mussten”, nämlich für eine Zins von 6,75 Prozent auf knappe 18 Jahre. „Zum anderen ist es sportlich nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben.” Hinzu sei ein Einbruch der Fernsehgelder gekommen. „Das alles hat uns das Stadion verteuert”, fasste der Geschäftsführer zusammen.

Dennoch würde er unter den damaligen Voraussetzungen diese Entscheidung erneut so treffen, zumal „wir nun mit den bonitätsstarken Partnern den Kredit auf die Laufzeit strecken können, die wir uns ursprünglich vorgestellt haben”. OB Philipp wies allerdings darauf hin, dass man so weit noch nicht sei. Die Entscheidung, die angesprochene Gesellschaft zu gründen, liege beim Rat, der darüber in einer Sondersitzung am 7. März abstimmen werde. Zudem seien die Verhandlungen mit dem Bauunternehmer Hellmich ein weiterer Knackpunkt. „Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel”, fasste der Oberbürgermeister zusammen.

Der Schlüssel bei der Zusammenarbeit von Stadt und Verein sei „Vertrauen”, stellte Philipp klar: „Die Alemannia muss Transparenz gewährleisten und die Absicherung ihrer Zusagen nachweisen.” Das sei in der Vergangenheit leider nicht immer so gewesen. „Aber die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist gelegt” - vor allem Dank des Engagements von Alfred Nachtsheim und Meino Heyen, lobte Philipp den scheidenden Alemannia-Präsidenten und seinen designierten Nachfolger. Nicht zuletzt deshalb, sage ihm sein Bauchgefühl, dass die Alemannia-Rettung klappen werde: „Wenn das Konstrukt stimmt, bekommen wir im Stadtrat eine Mehrheit dafür hin, aber es wird sicher Gegenstimmen aus jeder Fraktion geben”, kündigte Philipp an, dass die Abstimmung im Rat wohl keinem Fraktionszwang unterworfen werde.

Den genauen Wert der Alemannia für die Stadt mochte der OB nicht beziffern. „Den Wert als Imageträger über Jahrzehnte kann man nicht berechnen. Diesen Wert spürt man erst, wenn man ihn verloren hat.” Doch dazu solle es nicht kommen, denn: „Alemannia ist es wert, dass wir viel Arbeit in sie hineinstecken.”

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