Aachen: Tierschutzverein bietet Haustieren ein „Tischlein deck dich”

Aachen: Tierschutzverein bietet Haustieren ein „Tischlein deck dich”

Dienstagvormittag auf dem Willy-Brandt-Platz: Der Tierschutzverein für die Städteregion Aachen verteilt erstmals Futter für Hunde und Katzen an deren Besitzer. Herrchen oder Frauchen müssen dabei nachweisen, dass sie arm sind. Sei es in Form eines Hartz-IV-Bescheides oder eines Nachweises über eine bescheidene Rente.

„Ich habe gehört, hier gibt es was.” Sehr leise, sehr verhalten spricht die Rentnerin diese Worte. Sie scheint sich zu schämen. Sie ist arm und braucht dringend Unterstützung für Bello, ihren Hund. Denn von ihrer mickrigen Rente, die kaum fürs eigene Überleben reicht, muss sie auch noch Geld für Tierfutter und hin und wieder den Tierarzt bezahlen. Geld, das sie eigentlich nicht hat. Das miese Wetter hat sie nicht abhalten können, zum Willy-Brandt-Platz zu kommen.

„Eigentlich ist mir das gar nicht recht”, kommentiert sie. Viel lieber wäre ihr, wenn sie nicht um Futter für Bello bitten müsste. So wie früher, als sie noch genug Geld in der Tasche hatte. Aber sie hat als dreifache Mutter nicht gerade viel in die Rentenversicherung eingezahlt, zu unregelmäßig waren die Beschäftigungsverhältnisse.

Eine Zeit lang ging sie putzen, für ein paar Mark mehr Haushaltsgeld und auch, um sich mal hin und wieder was leisten zu können. Und wie´s war, die Putzstelle bei einem Professor wurde nicht angemeldet. „Das war doch immer so.” Als ihr Mann starb, musste sie plötzlich mit sehr wenig Geld auskommen. Auch ihre Kinder können der 74-Jährigen nicht helfen, „d´r Jong verdient von Stelle zu Stelle immer weniger, die Töchter haben überhaupt keine Arbeit”.

Anderthalb Kilo Trockenfutter und ein paar Dosen gibt Isabel Wiegand ihr für ihren Langhaardackel mit auf den Weg. Die 24-Jährige ist Büroangestellte im Aachener Tierheim und hat sich mit dem Pensionär Dieter Joost bereit erklärt, am Dienstagvormittag die Stellung am zu halten.

Drei Kilo Trockenfutter

Bis zum Mittag sind 30 Frauchen oder Herrchen gekommen, um sich mit einem Wochenbedarf fürs Tier einzudecken. Für große Hunde gibt es drei Kilo Trockenfutter, dazu Dosennassfutter, für Katzen ein Kilo Trockenfutter und 20 Aluschälchen. In den folgenden Wochen rechnen der Tierschutzverein mit weitaus mehr Bedürftigen. „Das muss nur bekannter werden”, meint Isabel Wiegand.

„Manchem ist es schon unangenehm, zu uns zu kommen”, hat sie bemerkt. „Aber die sind einfach dazu gezwungen.” Aber es gebe auch einige, die völlig unbekümmert mit ihrer finanziellen Not umgehen könnten und keine Schwierigkeiten hätten, für Hund oder Katze um Futter anzustehen.

Am Dienstag hatte die Aktion des Tierschutzvereins mit Namen „Tischlein deck dich” Premiere. Von sofort an werden dessen Mitglieder jeden Dienstag zwischen 10 und 13 Uhr am Willy-Brandt-Platz für Hunde und Katzen, deren Besitzer nachweislich arm sind, Futter ausgeben. „Zunächst haben wir daran gedacht, uns den Hartz-IV-Bescheid oder eine Rentenbescheinigung vorlegen zu lassen, aber praktischerweise haben viele ja einen Aachen-Pass, der reicht uns auch”, erläutert Tierschutzvereins-Chef Lutz Vierthaler.

Spendenkonto

Er verweist darauf, dass das ausgegebene Futter ausschließlich aus Spenden finanziert wird. „Von Geschäftsleuten und von Privatmenschen.” Futterspenden könnten direkt im Tierheim, Feldchen 26, abgegeben werden. „Es gibt auch Einkaufszentren und Tierbedarfshandlungen, die Futterboxen aufstellen.” Für Geldzuwendungen wurde eigens ein Spendenkonto eingerichtet. Sparkasse Aachen, Kontonummer 5033, BLZ 39050000, Verwendungszweck: „Tischlein deck dich.”