Grasfrösche und Molche in Aachen : Mitten in der Stadt wird laut gequakt

Es gibt eine Zeit im Jahr, da ist das Quaken im Garten von Arnold Hoos in Haaren nicht zu überhören. Dieser Tage ist allerdings alles ruhig.

Die vielen Grasfrösche und Molche, die sich normalerweise im Grün hinter seinem Haus tummeln, machen sich bereit für den Winter und haben sich ein lauschiges Plätzchen für die sogenannte Winterstarre gesucht. „Das kann am Boden des Teiches oder zwischen Steinen sein“, sagt Hoos. Monika Nelißen vom Naturschutzbund (Nabu) Stadtverband Aachen ergänzt: „Oder schon mal in einem Keller.“

Denn auch in einer Stadt sind Frösche, Molche und Kröten unterwegs, legen teils ganz schön weite Strecken zurück. „Das ist schon sehr interessant, wo sie überall hinkommen“, sagt Nelißen. Schließlich ist Hoos‘ Garten von anderen Gärten umgeben und liegt nicht etwa neben einem großen Gewässer oder Waldgebiet. „Es wird irgendwo in der Nähe einen Garten geben, der Anschluss an die offene Landschaft hat“, vermutet Nelißen. So finden die Frösche dann ihren Weg in Gärten wie den von Arnold Hoos. Wenn sie dort dann auch noch einen Teich vorfinden, der ihren Bedürfnissen gerecht wird, dann bleiben sie. Und kommen wieder. „Die Wasserqualität muss gut sein und der Teich sollte naturbelassen sein“, sagt Hoos.

Seiner ist von vielen Pflanzen umgeben, bietet Schutz und am Rande viele größere Steine, zwischen denen Molche sich gerne verkriechen. Dieses Fleckchen Erde lockt dann auch Schnecken, Wasserläufer, Rückenschwimmer, Wasserflöhe, Mücken und viele andere Lebewesen an. Da fühlen sich natürlich auch Frösche besonders wohl.

Gradfrösche fühlen sich auch in Aachen wohl - zum Beispiel im garten von Arnold Hoos. Der schaut zusammen mit Monika Nelißen vom Naturschutzbund, ob die Tiere auf seinem Grundstück alles für den Winter finden. Foto: Heike Lachmann

Hoos und Nelißen sind beide im Naturschutz engagiert und haben die Amphibien im Blick. Daher wissen sie auch, dass sich der Grasfrosch im Frühjahr etwa zwei bis drei Wochen unter anderem in Hoos‘ Garten aufhält. Dann nämlich ist Laichzeit. Typisch für den Grasfrosch, der eine Größe von elf Zentimetern erreichen kann und an der Oberseite gelb-, rot- bis schwarzbraun gefärbt ist, sind die großen Laichballen, welche aus 700 bis 4500 Eiern bestehen können. Kein Wunder, dass im Juni vom „Froschregen“ gesprochen wird, wie Nelißen berichtet, wenn die kleinen Fröschlein den Teich verlassen und bei feuchtem Wetter ins Umfeld ausströmen. Und dabei sollten alle Besitzer eines Teiches die Amphibien auch nicht stören. Denn sie sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der Bundesartenschutzverordnung „besonders geschützt“ und dürfen daher nicht gefangen, verletzt oder getötet werden.

Großes Problem im Herbst

Doch das ist insbesondere im Herbst ein großes Problem. „Die Parkanlagen in der Stadt sind ziemlich aufgeräumt. Das ist natürlich eher kontraproduktiv“, sagt Nelißen. Und das für alle Tiere. Nicht nur Frösche suchen ein Winterquartier, sondern auch Igel, Eichhörnchen und Co. „Ich lasse das Laub im Herbst und Winter liegen. Ebenso abgeschnittene Äste“, sagt Hoos. Daher fühlen sich auch so viele Tiere in seinem Garten wohl. Denn nicht nur Frösche kommen jedes Jahr, sondern auch ein Entenpaar, von dem inzwischen leider nur noch der Erpel regelmäßig einfliegt. „Das Ordnungsdenken sollte man manchmal zurückstellen“, sagt Nelißen. Das würde einigen Tieren enorm helfen. Wer den Fröschen und Molchen, der häufig auch „Minidrache“ genannt werden, etwas Gutes tun möchte, der sollte einen Teich, falls vorhanden, so natürlich wie möglich belassen. „Fische sollten auch keine drin sein“, sagt Hoos. Denn die fressen den Laich auf. Im Winter öffnet Hoos zudem immer die Eisdecke, sollte der Teich einmal zufrieren. „Einige Tiere verbringen die Winterstarre auf dem Grund des Teiches. Sie kommen dann ab und an hoch, um Luft zu holen. Ist alles zugefroren, können sie das nicht“, so Hoos. Bei den milden Temperaturen der vergangenen Jahre sei das ohnehin nicht mehr oft nötig.

Der heiße Sommer habe den Fröschen aber kaum zugesetzt, sagt Nelißen. „Das Wichtigste ist, dass die Temperaturen im Frühjahr nicht zu hoch sind. Denn sonst vertrocknet der Laich“, sagt sie. „Dieses Jahr war es ganz ok.“ Daher wird Arnold Hoos auch im nächsten Jahr wieder Molche und Frösche bei sich im Garten begrüßen dürfen. Man wird sie hören, wenn sie wieder da sind, denn dann geht das Gequake los.