Aachen: Tiefe Gräben trennen die Prinzengarde

Aachen: Tiefe Gräben trennen die Prinzengarde

Das Beispiel der CDU-Fraktion macht Schule. Auch bei der Aachener Prinzengarde war am Dienstagabend bei der Jahreshauptversammlung die Rede vom Führungsstil des bisherigen Kommandanten, von mangelnder Transparenz bei der Entscheidungsfindung, von fehlender Wertschätzung der Aktiven des ältesten Aachener Reitervereins, der zusätzlich die berittene Leibwache der jeweiligen Öcher Tollität stellt.

Das Tonnengewölbe des Ratskellers platzte schier aus den Nähten. Mit rund 80 Mitgliedern hatte die Kommandantur gerechnet, es kamen mehr als 120. Denn in den vergangenen Wochen hatte ein Gerücht das andere gejagt, die Diskussionen in Karnevalskreisen drehten sich alle um die Frage: „Wie geht es weiter mit der Prinzengarde, wer wird als Kommandant das Traditionskorps weiterführen?“

Skeptisch betrachtet Markus Bongers seinen Gegenkandidaten Dirk Trampen...

Seit Dienstagabend ist klar: Markus Bongers wird die Glanz-und-Gloria-Truppe nicht mehr leiten, sein bisheriger Vize Dirk Trampen, Karnevalsprinz des Jahres 2010, ist sein Nachfolger. Ein denkbar knappes Ergebnis, 62 Stimmen für Trampen, 58 Stimmen für Bongers, manifestierten die Unstimmigkeiten bei der Aachener Prinzengarde. Die Wahl Trampens ging nicht reibungslos ab, Markus Bongers kandidierte ebenfalls. Erst nach drei Wahlgängen und 220 Minuten nach Beginn der Jahreshauptversammlung stand das Ergebnis fest.

...während Dirk Trampen absolut an seinen Wahlsieg über Markus Bongers glaubt.

Bereits im Geschäftsbericht fürs das abgelaufene Jahr berichtete Bongers von Problemen im Aktivenkorps. Vor allem das Verhältnis zwischen ihm und Dirk Trampen sei zerrüttet. „Da ist nichts mehr zu kitten.“ Er gab eigene Fehler zu, ohne näher darauf einzugehen. Und lobte, trotz des zerrütteten Verhältnisses, die Arbeit von Dirk Trampen. Es sei auch richtig, dass er eine Zeitlang mit dem Gedanken gespielt habe, nicht mehr als Kommandant anzutreten. Aber am vergangenen Freitag habe er sich anders entschieden und eine neue Vorstandsmannschaft zusammengestellt.

Bongers betonte: „Ich brauche dieses Amt nicht für mein Ego.“ Das allerdings gab auch Trampen den Mitgliedern zur Kenntnis.

In den Vorwochen hatte sich Trampen den Aktiven (35 Mitglieder) zum Vorvotum gestellt. Das Ergebnis fiel zu seinen Gunsten aus. 18 erklärten sich mit ihm einverstanden, zehn entschieden sich gegen ihn, vier enthielten sich der Stimme. Bongers hatte sich keinem Votum der Aktiven gestellt.

Durch die Reihen der Prinzengarde zieht sich sich seit einigen Wochen ein breiter Graben, der sich am Dienstagabend erst richtig auftat. Das zeigte sich in den drei Wahlgängen, die die Gardisten benötigten, um ihren Kommandanten zu küren. Weil zweimal beiden Kandidaten die laut Satzung erforderliche Mehrheit fehlte, musste im dritten Wahlgang die Entscheidung gefunden werden, ansonsten hätte man sich wohl vertagt. Denn die Satzung schreibt vor, dass bei geheimer Abstimmung — und die ist wiederum bei mehr als einem Kandiaten für ein Amt verpflichtend — eine Stimme mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erreicht werden muss. Im ersten Wahlgang wurden beispielsweise 120 Stimmen abgegeben, die Mehrheit lag also bei 61 Stimmen. Beide Kandidaten erreichten jedoch je 58 Stimmen.

Das karnevalistische Urgestein Georg Helg hatte als Ehrenmitglied der Prinzengarde die Versammlungsleitung übernommen und sorgte souverän dafür, dass die Versammlung wenigstens zivilisiert über die Bühne ging. Aber auch er konnte nichts an der Dauer der Versammlung ändern. Denn für den dritten Wahlgang fehlten die Wahlzettel, deshalb mussten alle Mitglieder im Nebenraum einzeln wählen und wurden auf einer Liste unter den strengen Augen Helgs abgehakt. Der erste, der Dirk Trampen beglückwünschte, war Markus Bongers, der nach dem Wahlmarathon schnell das Tonnengewölbe verließ.

Dirk Trampen bemühte sich nach seiner Wahl um versöhnliche Worte: „Ich weiß, es wird schwierig, die aufgeworfenen Gräben wieder zuzuschütten. Ich bitte Euch alle um Eure Mithilfe“, waren seine flehenden Worte.

Sein Team wurde anschließend per Akklamation bestimmt. Stellvertretender Vorsitzender der Prinzengarde bleibt Wolfgang Jacobs, Vizekommandant wurde der bisherige Schatzmeister Rolf Braun, dessen bisheriges Amt Peter Schäfer übernimmt. Neuer Berittführer ist Peter Rohler, Schriftführer bleibt An­dreas Handels, der sogar einstimmig gewählt wurde. Als Beisitzer werden Guido Bettenhausen, Ernst Klarwasser, Markus Nellessen, Marc Laube und Sebastian Schumacher den Vorstand komplettieren.