Aachen: „Tief im Westen“ begeistert m Theater 99

Aachen : „Tief im Westen“ begeistert m Theater 99

Die Zuschauer erhoben sich von den Plätzen und spendeten begeistert Applaus: Die Premiere von „Tief im Westen“ im Theater 99 hat ganz offensichtlich genau ins Herz des Publikums getroffen.

„Manche Dinge ändern sich nie“, sagt Johannes (Hajo Mans) auf der Bühne und hofft im Selfkant auf einen Neubeginn. Sein Leben liegt in Scherben, und am Küchentisch im Haus seiner Mutter schwelgt er in Erinnerungen. Während er für seine alte Jugendliebe, die „coole Conny“, kocht, zeichnet er ein Bild vom Selfkant, das den Zuschauern nicht ganz fremd zu sein scheint.

Die „Topfgucker“, die ihre Nase überall hineinstecken, die wohlwollend-mahnenden Worte der Nachbarn und die Kritik am „missratenen Sohn“, der allen Dorfregeln zum Trotz aufs Gymnasium geht und erst einmal eine „steile Karriere“ macht, vermitteln einen Einblick ins Dorfleben.

Im ausverkauften Theater 99 zeichnet Johannes in seinem Monolog ein detailliertes Bild seiner alten Heimat, dem westlichsten Zipfel Deutschlands. Und die Einschübe auf Platt machen seine Ausführungen noch authentischer. Dankenswerterweise übersetzt Johannes das Gesagte nach fragenden Blicken ins Publikum dann doch noch mal ins Hochdeutsche. Und dann sitzt er wieder an seinem Tisch, schält Kartoffeln und bereitet das „Wirsingdurch­einander“ für seine Conny vor. Dabei hält er sich nicht ganz an das Rezept seiner Mutter, denn sein Wirsing stammt zum Vergnügen der Zuschauer aus dem Glas, und die Kartoffeln sind eigentlich auch nicht die richtigen.

Ganz allmählich öffnet sich Johannes immer mehr und erzählt von seiner eigenen Misere. Erst läuft alles wunderbar in seinem Leben, er studiert in Berlin, macht Karriere, heiratet und bekommt mit seiner Frau zwei Kinder. Doch dann wachsen ihm die finanziellen Ansprüche seiner Familie über den Kopf. Die Ehe scheitert, er fängt an zu trinken und verliert dann auch noch seine Arbeit. „Hier hab‘ ich doch alles“, sagt er mit dem Whiskyglas in der Hand und wirft einen Blick in die Runde. Das Haus hat seine Mutter ihm überlassen, sie selbst zieht in die Einliegerwohnung im Haus ihrer Tochter gleich gegenüber. „Spießig ist sexy“, sagt Johannes und kommt zu dem Schluss: „Der Spießbürger tut doch nichts. Der will noch nicht einmal spielen. Der ist doch ganz ungefährlich.“

Es wird viel gelacht, aber hin und wieder gibt es auch mal betroffene Blicke. Der Funke ist ganz eindeutig übergesprungen. „Ich hab‘ das nicht allein gemacht“, sagt Hajo Mans nach dem „überwältigenden“ Schlussapplaus bescheiden und holt Rena Ziegler (Regie) und Georg Schramm (Technik) auf die Bühne. Rena Ziegler habe die Aufführung überhaupt erst möglich gemacht, sagt er, und Georg Schramm habe ihn jederzeit ins „rechte Licht“ gerückt.