Thomas Claßen ist der neue Kämmerer der Städteregion

Der Hüter der Finanzen : „Wir wirtschaften mit dem Geld der Bürger“

Skifahren ist nicht sein Ding. Das stellt Thomas Claßen, als das Thema eher zufällig zur Sprache kommt, sofort klar. Claßen ist eigentlich ein sehr sportbegeisterter Mensch. Aber Skifahren kommt nicht in Frage. Denn im Winter hat der 50-Jährige Hochsaison – als neuer Kämmerer der Städteregion.

Der Haushalt muss aufgestellt, verhandelt, von der Politik verabschiedet und von der Bezirksregierung genehmigt werden. Und während die Aufsichtsbehörde in Köln noch prüft, gilt es für Claßen bereits, den nächsten Haushalt in seinen Grundzügen vorzubereiten. So ist das, wenn man als Kämmerer der Städteregion arbeitet. Genau das macht Thomas Claßen. Die Einschränkung „kommissarisch“, die nach dem vorzeitigen Ausscheiden seines Vorgängers Egon Metten zunächst gegolten hatte, ist mittlerweile gestrichen worden.

„Ich sehe mich als Hüter der Finanzen“, erklärt der „Neue“, der sich auf einem Terrain bewegt, das er seit langem und deshalb bestens kennt. Schon seine Ausbildung zum gehobenen Dienst absolvierte der gebürtige Aachener ab 1987 in der Kämmerei. Und abgesehen von einem vierjährigen Intermezzo im Amt für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz in Simmerath, während dessen er zum Arbeitsgruppenleiter und stellvertretenden Amtsleiter befördert wurde, ist er der Kämmerei auch immer treu geblieben. Sein Chef ist heute wie damals zu Simmerather Zeiten Gregor Jansen. Der Dezernent hat seinerseits die Zuständigkeit für den Finanzbereich der Städteregion im September 2017 übernommen.

Satte 713 Millionen Euro umfasst der Haushalt für das laufende Jahr. Da mutet es zunächst etwas komisch an, wenn Thomas Claßen beteuert, „dass wir jeden einzelnen Posten sehr sorgfältig überprüfen“. Der Hüter lässt grüßen. Und der meint es ernst: „Mir ist es wichtig, dass jeder, der über Ausgaben nachdenkt, weiß, dass wir mit Steuergeldern, also mit dem Geld der Bürger wirtschaften.“ Haushaltsdisziplin sei da unerlässlich. Und so sorgt der Kämmerer nicht für Verwunderung, wenn er einräumt, dass er in diesem Jahr lieber die Umlage der Kommunen erhöht hätte als, wie von der Politik letztlich entschieden, die bescheidene Ausgleichsreserve von rund 12,8 Millionen Euro, die die Städteregion gerade erst wieder angespart hatte, innerhalb von zwei Jahren aufzubrauchen.

Die Voraussetzungen für den folgenden Haushalt sind damit weniger gut. Neben dem fehlenden Polster dürften sich auch die schwächelnde Konjunktur, die gesetzlichen Änderungen bei der Finanzierung der Unterkunft für anerkannte Flüchtlinge und ganz besonders die angekündigte Erhöhung der Umlage, die die Städteregion an den Landschaftsverband Rheinland zahlen muss, unangenehm bemerkbar machen. „Fünf Millionen Euro Unterdeckung machen einen Prozentpunkt bei der Regionsumlage aus“, rechnet Thomas Claßen hoch, was 2020 fehlen könnte. Die Anhebung der Landschaftsverbandsumlage von in diesem Jahr 14,43 auf 15,9 Prozent in 2020 würde sogar mit zwei Prozentpunkten zu Buche schlagen. Solche Prognosen dürften in den Städten und Gemeinden der Städteregion Alarm auslösen. Deshalb fügt Thomas Claßen auch ganz schnell hinzu: „Unsere Erwartungshaltung ist, dass der Landschaftsverband nicht bei diesem Wert landen wird.“

Ob diese Erwartung erfüllt wird, bleibt abzuwarten. In der Zwischenzeit wird sich der Kämmerer um den Jahresabschluss 2018 kümmern, der bis zum 31. März vorliegen muss, und um die Abstimmung mit der Bezirksregierung zum Haushalt 2019. „Bis Ostern rechne ich mit der Genehmigung“, zeigt sich Claßen optimistisch. Danach müssen die Eckdaten für das Zahlenwerk 2020 vorgelegt werden – zunächst verwaltungsintern, ehe sie Anfang August an die Kommunen übermittelt und von diesem für die sogenannte Benehmensherstellung, also die förmliche Zustimmung, geprüft werden.

„Danach kann ich dann tatsächlich mal durchatmen“, freut sich der zweifache Familienvater. Und Urlaub machen mit der Familie. Wohin es geht und was gemacht wird, bleibt Privatsache. Nur so viel ist sicher: Skifahren steht ganz sicher nicht auf dem Programm.

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