Aachen: Thermalwasser liefert Wärme rund um das Schwertbad

Aachen : Thermalwasser liefert Wärme rund um das Schwertbad

Die heißeste der Aachener Quellen lässt bei ihrem Austritt aus dem Untergrund die Qecksilbersäule auf stramme 74 Grad steigen, die unterirdische Quellumgebung im unterkellerten Bereich der ehemaligen Rheumaklinik in Burtscheid ist voller Dampf. Die fünf Austrittsströme der sogenannten Landesbadquelle dürfen sich den Titel heißeste Thermalquelle Europas brüderlich teilen.

Die Überraschung bei der Begehung im Untergrund des ehemaligen Landesbades: Auch feine Nasen brauchen nicht den bekannten fauligen Eiergeruch des zweifellos gesundheitlich absolut wertvollen Wassers am Elisenbrunnen zu fürchten. Denn die Landesbadquelle ist mit 500 Millionen Litern Wasser im Jahr nicht nur höchst ergiebig, sie entlässt auch absolut geruchsneutrales und, wie bereits Kaiser Karl wusste, gedeihlich heilendes Wasser aus dem Burtscheider Untergrund.

Energie besser nutzen

Dass man in Zeiten von Energiewende und drohender Klimakatastrophe eigentlich den Zeigefinger heben muss, wenn so viel Energie einfach ungenutzt im Boden versickert, wurde jetzt auch Schwertbadbetreiber „salvea“ klar. Der unmittelbare Nachbar nutzt selbstverständlich bereits seit langem das Quellwasser für den Reha-Betrieb, das Schwertbad ist schließlich ein anerkanntes Thermalbad — seit etwa 1388, steht in den Annalen geschrieben.

Aus dieser Sache sei viel mehr zu machen, verkündete am Dienstag im Beisein der Aachener Bürgermeisterin Margrethe Schmeer der Vorstandsvorsitzende der Inoges AG Wolfgang K. Hoever. Die Inoges AG ist Muttergesellschaft des Schwertbad-Betreibers „salvea“, die Schwertbad AG ist im Übrigen Eigentümerin des Quellgebäudes.

Hoever hatte die Stawag mit ihren Vorstandschefs Peter Asmuth und Christian Becker ins thermische Boot geholt. Eine neue Kooperation in Sachen Energieaustausch entstand. Die Stawag, sagte Hoever, sei einfach der Experte in Sachen Fernwärme, da habe man sich bemüht, den Sachverstand des Energieversorgers für das Projekt zu sichern. Schließlich sei es anachronistisch, das heiße Wasser mittels eines kalten Bachs abkühlen zu müssen, bevor es im Schwertbad zum Einsatz kommen kann.

2,5 Millionen Euro

Auch Geld wurde gemeinsam für das Projekt der thermischen Wärmegewinnung aus dem Untergrund lockergemacht. Asmuth sicherte für das Projekt insgesamt 2,5 Millionen Euro bis 2022 zu, der Start für das Projekt ist bereits der Januar 2018, die letzte Ausbaustufe soll 2022 erreicht sein.

Für das Projekt kommt eine altbewährte Technik zum Einsatz. Anstatt die Wärme ungenutzt einem Bach anzuvertrauen, wird ein in den Quellstrom eingelassener Wärmetauscher künftig dem heißen Wasser ein Teil seiner Energie entziehen und in ein Fernwärme-Leitungssystem der benachbarten Liegenschaften einspeisen.

Der Wärmetauscher ist aus dem unverwüstlichen Metall Titan und somit von den aggressiven Mineralien der heißen Quellen nicht kaputtzukriegen. Der Wärmetauscher soll in der ersten Phase jährlich 3,5 Millionen Kilowattstunden Wärme gewinnen, bis 2022 wird die Leistung auf 4,8 Millionen Kilowattstunden erhöht werden, was einem Wärmebedarf — er beträgt im Schnitt 50 Prozent der Gesamtenergiekosten eines Privathaushaltes — von rund 300 Haushalten entspreche, sagte Asmuth, der mit dem Projekt eine weitere „Energieeffizienzmaßnahme“ der Stawag begrüßte.

Mit der Wärme sollen in der ersten Stufe Teile der Rheumaklinik, der Gebäudeteil A des Schwertbads, an das ehemalige Landesbad angrenzende Häuser, Wohnungen in einer ehemaligen Werkstatt sowie das Ärztehaus versorgt werden. Diese „kaskadenartige Nutzung“ der Energie ist für Hoever eine optimale Nutzung der Energie-Ressourcen, die schließlich einfach so aus dem Boden sprudeln. Die Stawag wird die Energie verwalten und die Technikzentrale betreuen — so ist die künftige Arbeitsteilung an der Quelle geplant.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Exklusiver Einblick in die Landesbadquelle

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