Aachen: Thema Organspende: Gespräche mit der Familie sind das A und O

Aachen : Thema Organspende: Gespräche mit der Familie sind das A und O

Die Zahl der Organspenden in Deutschland sind im vergangenen Jahr auf einem historischen Tiefpunkt angelangt. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise gab es 2017 lediglich 146 Organspenden. Auch wenn im Aachener Uniklinikum (UKA) die Zahlen weitgehend stabil geblieben sind — im vergangenen Jahr gab es neun Organspenden (zehn im Jahr 2016) — beschäftigt das Thema die Transplantationsbeauftragte des UKA.

Denn die sinkende Zahl an Spenderorganen hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Organe transplantiert werden, die man früher vielleicht als ungeeignet befunden hätte.

Liegt das geringe Aufkommen von Organspenden nur daran, dass die Leute spendenunwillig sind? Für Melanie Schäfer, Oberärztin auf der Intensivstation des UKA, ist das Problem vielschichtiger: „Deutschland scheidet ja auch im europäischen Vergleich nicht besonders gut ab“, sagt Schäfer. Die Gründe dafür müsste man sich einmal genauer anschauen.

Eine schwierige Situation

Einen wesentlichen Aspekt sieht sie aber in der Information von Patienten und Angehörigen — und vor allem in Gesprächen innerhalb von Familien. „Sie müssen sich das vor Augen führen: Für die Angehörigen, die gerade Abschied nehmen müssen von einem geliebten Menschen, ist das ohnehin eine unglaublich schwere Situation. Und dann muss man sich unter Umständen noch mit einer Organspende auseinandersetzen“, sagt sie.

Im UKA werden auch Transplantationen durchgeführt, allerdings nicht für alle Organe. „Wir haben ein großes Leberzentrum“, erklärt Melanie Schäfer. So wurden im vergangenen Jahr in Aachen 42 Lebern transplantiert, im Jahr zuvor waren es noch 51. Die Zahlen in Aachen seien jedoch recht stabil, betont Schäfer.

Bevor es überhaupt soweit ist, dass ein Organ von einem Spender an einen Empfänger gehen kann, müssen viele Voraussetzungen stimmen: Damit ein Patient als Spender überhaupt infrage kommt, sei es unabdingbar, dass zwei Ärzte unabhängig voneinander den „irreversiblen Hirnfunktionsausfall“, den Hirntod, feststellen. Das bedeutet, dass alle Teile des Hirns ausgefallen sind, dass der Patient beatmet werden muss und dass er auch auf viele verschiedene Tests keine Reaktion mehr zeigt.

Darüber hinaus muss eine medizinische Eignung vorliegen. „Wenn der Patient an Krebs erkrankt ist, dann kommt er als Spender nicht infrage.“ Nun suchen die Mediziner, darunter auch Schäfer, das Gespräch mit den Angehörigen. Denn die wissen im Idealfall am besten darüber Bescheid, was der Patient möchte.

Spenderausweise helfen enorm

„Hier ist ein Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung unglaublich hilfreich“, sagt Melanie Schäfer. Viele Menschen wüssten im Übrigen nicht, dass der Organspendeausweis auch dazu dienen könne, eine Organentnahme auszuschließen. Wie auch immer die persönliche Entscheidung ausfällt: „Jeder sollte das Thema in der Familie einmal angesprochen haben.“ Organspendeausweise bekommt man beispielsweise in den Krankenhäusern und Arztpraxen.

Wenn dann alles passt, also medizinische Voraussetzungen sowie das vorliegende Einverständnis der Beteiligten, ist Eile geboten. „Was die Transplantation selbst angeht, übernimmt an dieser Stelle die Deutsche Stiftung Organspende“, sagt Melanie Schäfer. Der DSO-Vertreter komme aus Essen nach Aachen, überprüft noch einmal die Voraussetzungen für eine Transplantation und kümmert sich dann in Zusammenarbeit mit Eurotransplant, der Datenbank mit den Personen, die auf ein Organ warten, um mehrere potenzielle Empfänger. Denn auch auf Empfängerseite gibt es mehrere Faktoren, die es zu beachten gilt: „Wenn ein potenzieller Empfänger genau zu diesem Zeitpunkt einen Infekt hat, dann kann nicht operiert werden.“

Die Koordination all dieser Schritte wird im UKA regelmäßig überprüft. „Die Deutsche Stiftung Organspende führt Untersuchungen durch, an denen wir uns beteiligen.“ So sollen die ohnehin seltenen Fälle von passenden Spendern und Empfängern möglichst gut genutzt werden.

Mehr von Aachener Nachrichten