Aachen: Theaterprojekt will Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen

Aachen : Theaterprojekt will Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen

„Was für ein Theater!“ heißt es am Samstag, 9. September, im Lebenshilfe-Haus an der Adenauerallee. Es ist die Auftaktveranstaltung für ein Theaterprojekt, das Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen möchte.

Jennifer Sieprath von der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle (Kokobe) für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung an der Adenauerallee und der freischaffende Musiker, Schauspieler und Theatermacher Mikel Uflik (SoSH Theater) wollen das ambitionierte Projekt ins Leben rufen. Sie hoffen auf interessierte Menschen ab 16, die sich gemeinsam auf ein Abenteuer einlassen möchten.

„Was für ein Theater!“ Hinter dem Titel müsste eigentlich noch ein dickes Fragezeichen stehen. Denn die Initiatoren, zu denen auch Ufliks Ehefrau, die Theaterpädagogin Tina Kukovic-Uflik gehört, wollen möglichst wenig vorgeben. Wo die Reise hingeht in diesem Projekt, das sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mitein­ander herausfinden. „Begegnung schaffen, das gehört zu unseren Aufgaben bei der Kokobe“, erklärt Sieprath. In der Eifel habe sie mit einer Theatergruppe gute Erfahrungen gemacht. Nun soll das Experiment in Aachen starten.

Zum Auftakt gibt es am 9. September einen kleinen Theaterworkshop. Wie es dann weitergeht, entscheiden die, die mitmachen. Für Uflik steht lediglich fest: „Wir wollen keine Stücke spielen, die es schon gibt. Wir wollen Stücke entwickeln.“ Er ist zuversichtlich, dass durch das Zusammentreffen unterschiedlicher Leute etwas ganz Neues entstehen wird. Nichts soll schon vorgegeben oder in Schubladen gepackt sein. Der Wunsch nach Begegnung und der Wunsch, sich auszudrücken, das könnte aus Jennifer Siepraths Sicht der kleinste gemeinsame Nenner bei den Teilnehmern sein.

Mikel Uflik hat lange in Berlin gelebt und dort mit dem Theater „RambaZamba“ am Prenzlauer Berg gearbeitet. Menschen mit und ohne Behinderung stehen bei „RambaZamba“ seit vielen Jahren gemeinsam auf der Bühne. Rückblickend sagt der Künstler: „Dieses Theater war meine beste Schule.“ Die Situation der Menschen mit Behinderung, findet Uflik, reflektiere die Situation der ganzen Gesellschaft. „Wir sind doch alle in irgendeiner Weise behindert, wir werden behindert, wir behindern uns selbst.“ Uflik ist überzeugt: Jeder einzelne hat eine Geschichte zu erzählen. Diese Geschichten sollen sichtbar und hörbar gemacht werden.

Im Schauspiel, hofft die Sozialpädagogin Jennifer Sieprath, finden die Teilnehmer neue Wege, sich auszudrücken. „Wir wollen regelmäßig miteinander arbeiten, voneinander lernen, uns entfalten und zu einer Truppe wachsen“, heißt es im Flyer. Man darf gespannt sein, was diese Truppe dann irgendwann vielleicht einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert. Die Finanzierung des Projekts ist bis Ende des Jahres über die Kokobe gesichert. Die Teilnahme ist für Interessierte kostenfrei.

Die Auftaktveranstaltung findet am Samstag, 9. September, von 14 bis 18 Uhr im Café Life, Lebenshilfe-Haus, Adenauerallee 38, statt. Anmeldungen nimmt Jennifer Siep­rath bei der Kokobe Aachen unter Telefon 0241/413 445-4110 entgegen. Man kann aber auch kurz entschlossen und spontan bei dem Workshop vorbeischauen, wenn es heißt: „Was für ein Theater!“

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