Aachen: Theater Tacheles: Im Koma-Hotel warten sie auf ihr Schicksal

Aachen: Theater Tacheles: Im Koma-Hotel warten sie auf ihr Schicksal

Ein Mann tritt aus dem Aufzug. Er schaut sich verwirrt um und weiß ganz offensichtlich weder, wo er ist, noch wie er dort hingekommen ist. Erst nach und nach erfährt auch der Zuschauer, worum es eigentlich geht.

Dabei gibt schon der Titel des Stücks „Hotel zwischen zwei Welten“ vom Aachener Tacheles-Theater einen ersten Hinweis. Hier landen Koma-Patienten in einer Art Warteschleife, bevor sich ihr endgültiges Schicksal entscheidet.

Da bleibt viel Zeit, um Vergangenheit aufzuarbeiten, die Welt philosophisch zu betrachten und die Schicksalsgenossen kennenzulernen. Wer bin ich? Wozu lebt man? Was ist Glück? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und wenn ja, wie sieht es aus? Solche und ähnliche Fragen stellen sich die „Gäste“ im Hotel zwischen den Welten.

„Themen wie die Bedeutung des Lebens und die große Liebe werden hier mit großer Leichtigkeit behandelt“, urteilt Sarah Bingham, die die Regie für das Stück des Franzosen Eric-Emmanuel Schmitt übernommen hat. Es ist das erste Mal, dass sie eine Produktion in deutscher Sprache auf die Bühne bringt. Die gebürtige Amerikanerin ist zwar vor allem an der RWTH verschiedentlich als Regisseurin zum Einsatz gekommen, aber bislang eben immer in englischer Sprache. Die Zusammenarbeit mit dem Theater Tacheles sei in diesem Sinne eine ganz neue Erfahrung.

Das Stück hat dabei nicht sie, sondern die Amateur-Theatergruppe ausgesucht. „Das machen wir immer so“, meint Schauspieler Tobias Valtinat. Und ebenso sei es Gesetz, die Regie in professionelle Hände zu geben. Diesmal sei die Wahl auf Sarah Bingham gefallen. Sie hat Theater studiert und in Aachen ihre ersten Erfahrungen als freie Regisseurin gemacht.

Die Schauspieler von Theater Tacheles basteln ihre Requisiten neben den wöchentlichen Proben selbst, bauen Bühnenbilder, entwerfen Plakate, nähen Kostüme, verteilen Flyer und suchen Werbepartner. Doch zur Premiere werden sie sich mit Haut und Haar dem Stück widmen.

Julien Portal, der Mann aus dem Aufzug, erinnert sich allmählich daran, wie er ins Hotel gekommen ist. „Ich war auf der Autobahn, es war Nacht“, sagt er. Dass er sich das Leben nehmen wollte, will er nicht glauben. „Sie hatten alle Brücken hinter sich abgebrochen und steuerten auf den Untergang zu“, klärt Dr. S. ihn auf. Die Putzfrau Marie Martin, Präsidentin Delbec, die lebenshungrige Laura und der Magier Radschapur sind die anderen Gäste des Hotels. Gemeinsam mit Julien warten sie darauf, dass ihr Schicksal sich entscheidet.