Aachen: Theater-Laster darf nicht in die Umweltzone

Aachen : Theater-Laster darf nicht in die Umweltzone

Die Umweltzone sorgt für Kopfschmerzen — und daran ist keine ungewohnt saubere Luft schuld. Mit alten Dieselautos nicht mehr in die Stadt fahren zu dürfen, trifft nicht nur den normalen Bürger, auch das Theater Aachen ist gezwungen, sich näher mit der Materie auseinanderzusetzen. Der schon abgeschriebene Lastwagen wird nicht in die Umweltzone einfahren dürfen.

Das erklärte der Verwaltungsdirektor des Theaters Udo Rüber. Zu seiner Sorge, die er am Donnerstagabend dem Betriebsausschuss Theater und VHS vortrug, präsentierte er auch gleich eine potenzielle Lösung. Der allerdings stellt sich Oberbürgermeister Marcel Philipp entgegen.

Transport ist zwingend nötig

Kostüme, Requisiten und Bühnenbilder können im Theater selbst nicht gelagert, geschweige denn hergestellt werden. Dazu gibt es zum Beispiel die Werkstätten im Mörgens und angemietete Lagerhallen. Um den Transport zwischen den Standorten zu gewährleisten, gibt es einen Lastwagen und einen Sprinter — beide sind für das Theater folglich unbedingt nötig. Sobald die Umweltzone in Aachen in Kraft tritt, dürfe zumindest der Lkw, vielleicht sogar auch der Sprinter, nicht mehr in der Innenstadt verkehren, erklärte Rüber.

Ein Problem. Ersatz muss finanziert werden, Geld aber ist wie überall knapp. Rüber: „Wir würden ja auch einen gebrauchten Lkw nehmen. Mit einem Tachostand von 400.000 Kilometern gibt es die günstig. Und so einer würde es für uns tun.“ Allerdings stoße man bei der Suche nach gebrauchten Lastern recht schnell an eine Grenze, und die ist in Zentimetern messbar. Weil enge Einfahrten passiert werden müssten, dürfe auch der Laster eine gewisse Breite nicht überschreiten. Und neu kaufen? Rübers Antwort auf diese Frage von Ausschussmitgliedern fällt knapp aus, sagt aber alles: „160.000 bis 170.000 Euro.“

Vorschlag mit OB nicht zu machen

Finanziere man den Lastwagen jedoch mit Werbung, so wie man es von Sportvereinen oder Hilfsorganisationen kenne, fielen keine Kosten für die Anschaffung an, erklärte der Verwaltungsdirektor. Der Wagen fahre dann etwa fünf Jahre lang komplett mit Werbung beklebt herum, bevor er in den Besitz des Theaters übergehe und neu gestaltet werden könne. Ein Vorschlag, von dem sich die Mitglieder des Ausschuss angetan zeigten.

Die Zustimmung schlug jedoch recht schnell in Unverständnis um, die sich gegen Oberbürgermeister Marcel Philipp richtete. Denn dieser, wusste Rüber zu berichten, möchte keine auf diese Weise werbefinanzierten städtischen Fahrzeuge fahren sehen. Josef Hubert Bruynswyck (CDU), Vorsitzender des Ausschuss für Theater und VHS: „Die Ausschussmitglieder waren darüber alle etwas erstaunt. Über diese Einstellung sollte man in Haushaltssituationen wie der aktuellen vielleicht noch einmal nachdenken. Wir als Ausschuss werden sicher noch einmal das Gespräch mit dem OB suchen.“

Auf Nachfrage der „Nachrichten“ bestätigte Stadtsprecher Bernd Büttgens Freitagmittag: „Oberbürgermeister Marcel Philipp ist skeptisch gegenüber Werbefinanzierungen, mit denen sich die Stadt in Abhängigkeiten begibt.“ Die Stadt müsse vor Situationen geschützt werden, die ihr — durch welche Umstände auch immer — irgendwann einmal zum Nachteil gereichen könnten.

Es sei aber davon überzeugt, dass es intelligentere Wege der Finanzierung der Theater-Fahrzeuge gibt. Der Oberbürgermeister sei bereit, sich mit Theater und Ausschuss zu dem Thema zu unterhalten.