Aachen: Theater K. ehrt Maxim Gorki zum 150. Geburtstag

Aachen : Theater K. ehrt Maxim Gorki zum 150. Geburtstag

Sie ist die Hoffnung, die Sonne, das Schöne — das Dienstmädchen Tanja bringt Licht in das feuchte Kellerloch, in dem 26 Arbeiter unermüdlich Kringel formen. Tag für Tag besucht Tanja sie und versüßt ihnen so ihr tristes Dasein. Und dennoch machen die Männer das junge Mädchen zum Einsatz eines gefährlichen Spiels.

Zum 150. Geburtstag von Maxim Gorki zeigt das Theater K eine filmisch-theatrale Dramatisierung seiner Erzählung „Sechsundzwanzig und eine“.

Regisseurin Annette Schmidt ist beeindruckt von Gorkis Sprache und seiner Art, den einfachen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. „In der Bühnenfassung spielen wir mit den Zeiten“, erzählt sie. Hier erinnern sich die Protagonisten Jahrzehnte später an die vorrevolutionäre Zeit als Kringelbäcker, in der sie auf ein Ende der „Lohnsklaverei“ hofften.

Gemeinsam mit einem jungen Begleiter, einem Vertreter des jungen revolutionären Russlands, tauchen sie ein in die Vergangenheit, wobei schon durch den unterschiedlichen Blick von Jung und Alt unterschiedliche Hoffnungen und Erwartungen an die Revolution zum Ausdruck kommen. „Gorkis Erzählung hat viele Dimensionen und eröffnet eine ganze Welt“, sagt Annette Schmidt.

Sie versteht Gorki als Humanisten, auch wenn seine Rolle mit Blick auf Stalin alles andere als rühmlich war. „Er hat Stalins Gräueltaten gebilligt oder sogar verteidigt“, sagt Annette Schmidt, aber dennoch: Die Inszenierung „feiert einen großen Autor und seinen zugewandten Blick auf den Menschen“.

Das Stück bietet einen literarischen Blick auf das russische Zeitgeschehen. Zudem bringt sich Norman Nowotko mit „traurig-schönen russischen Liedern“ ein. Er verkörpert den jungen Mann, der die vorrevolutionäre Zeit nur aus Geschichten kennt.

Schuld, Scham und Stolz

Die anderen Männer dagegen (Jochen Deuticke, Jens-Peter Fiedler und Anton Schiffer) erinnern sich gut. Tag für Tag formten sie Kringel in diesem dunklen, feuchten Kellerloch. Niemand achtete sie, niemand besuchte sie: Nur Tanja steigt zu ihnen herab und bringt Freude in ihr klägliches Dasein. Wie konnten sie das Dienstmädchen derart verraten? Die Männer suchen nach Gründen und wanken dabei zwischen Schuldzuweisung, Scham und Stolz.

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