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Brand: Theater Brand: Spontanität und Improvisation sind gefragt

Brand : Theater Brand: Spontanität und Improvisation sind gefragt

Auf der Bühne ohne Skript, ohne Text — was für ein Theaterstück sollen die neun Schauspieler des Brander Ensembles so aufführen? Eines, bei dem die Spieler eine Szenenabfolge bekommen und sonst nichts. Eines, bei dem viel Spontanität und Improvisation gefragt sind.

Eines, das den Titel „zweineunundachzig“ trägt und vom Wert eines Menschenlebens handelt. Eines, das eine 23-Jährige inszeniert, die in Bremen lebt, deren Theaterleben aber in Brand wurzelt.

Ulrike Herrwig ist in Brand aufgewachsen und hat erste Rollen dort am Theater mit zwölf Jahren übernommen — zuerst Kinder-, dann Hauptrollen. In Bremen hat sie später ein Studium zur Theaterpädagogin begonnen und in diesem Rahmen erste Erfahrung mit der Inszenierung von Szenen gesammelt, hat Kinder- und Jugendprojekte begleitet.

Im vergangenen Jahr bei der Mitgliederversammlung des Brander Theaters hat sie Wilma Gier, Leiterin des Brander Theaters, mit der Idee überrascht, das Projekt für ihren Bachelorabschluss dort zu machen, wo ihre Anfänge liegen. Gier hat nicht gezögert und begeistert Ja gesagt.

Nun steht das Theaterstück unmittelbar vor seiner Premiere. „Das Stück heißt ‚zweineunundachzig‘, das Thema ist der Wert des Lebens — von zwei Perspektiven beleuchtet: Was halte ich für den Wert meines Lebens, und was ist dessen wirtschaftlicher Wert?“

Neun Schauspieler wirken bei der Inszenierung mit. Es handelt sich um ein Performancetheaterstück. Herrwig hat das Stück konzipiert, aber keine Texte geschrieben. Es gibt eine Handlungsstruktur, die die Schauspieler kennen und in der sie sich bewegen müssen. „Aber es ist von Aufführung zu Aufführung immer ein bisschen anders. Es bleibt viel Raum für Improvisation“, erklärt die junge Regisseurin.

Die Zuschauer werden in einigen Szenen ebenfalls angesprochen, zu Beginn beispielsweise gebeten, sich selbst einen Wert zuzuordnen. Und das könne für viel Diskussionsstoff sorgen, sagt Herrwig — aus eigener Erfahrung. Bei den ersten Proben hat sie eine Kamera mitlaufen lassen.

„Besonders beeindruckend waren die Gespräche zwischen uns allen vor der eigentlichen Probe, weil sich alle gegenseitig gefragt haben: ‚Na, was hast du dir denn für einen Preis gegeben? Warum?‘“ Gespräche dieser Art findet Gier bei dem Thema logisch. Niemand wolle sich schließlich über- oder unterbewerten. Eine Zahl zu finden sei zudem alles andere als einfach, weil kaum jemand entsprechende Anhaltspunkte habe.

Mit der Konzeption hatte Ulrike Herrwig gleich nach besagter Mitgliederversammlung des Theaters Brand im März 2014 begonnen — und blieb bis vor einigen Wochen damit beschäftigt. Seit vier Wochen nun probt das Ensemble und bereitet sich auf die Premiere vor.

Herrwig hat gerade erst begonnen, ihren Weg, Theater zu machen, zu finden. Aus Bremen bringt sie viel Improvisationserfahrung mit, war Teil eines Improvisationsteams. Die Mechanismen, die sie dort kennengelernt hat, nutzt sie für ihre Inszenierung. „Ich bin gegen das reine Reproduzieren, ich will, dass die Spieler wirklich spielen. Sie sollen ihre Figur so weit aufnehmen, dass sie damit improvisieren können.“

Folgende Eigenproduktionen führt das Theater Brand in der aktuellen Spielzeit auf:

„För d’r Laach“, Premiere am 18. September um 19.30 Uhr.

„8 Frauen“, Regie: Olga Roma­novskaya, Premiere am 12. Juni um 19.30 Uhr.

„Die Hexenschule — Heia Walpurgisnacht“, Premiere am 18. April um 16 Uhr.

„Die Hexe Baba Jaga“, Premiere am 29. November um 16 Uhr.