Aachen: Theater Brand spielt „Pygmalion“: Mädchen aus der Gosse wird feine Dame

Aachen: Theater Brand spielt „Pygmalion“: Mädchen aus der Gosse wird feine Dame

Eliza Doolittle ist eigentlich nur ein glückloses Blumenmädchen: frech, ungepflegt und auf der Suche nach Geldmünzen. Täglich stapft sie durch das britische Regenwetter, stets auf der Suche nach einem Abnehmer für ihre bunten Blümchen. In der Komödie „Pygmalion“ des Theaters Brand soll sich eben dieses unscheinbare Mädchen in eine angesehene Dame verwandeln.

Knapp 100 Menschen fieberten bei der Premiere am Sonntagabend eifrig mit. „Ich schwöre Ihnen bei die Bibel und so“, schwafelte die junge Eliza Doolittle. Es war ein typischer Satz des Mädchens: ebenso plump wie grammatikalisch falsch. Sprachwissenschaftler Henry Higgins hat deshalb leichtes Spiel, anhand des Dialekts die Herkunft der Blumenverkäuferin festzustellen. „Das Mädchen hat Gossenjargon“, urteilt Higgins.

Nichts, was sich nicht ändern ließe. Darum wettet Higgins, dass er aus Eliza Doolittle innerhalb von drei Monaten eine angesehene Frau formen kann, die problemlos in einem Blumenladen arbeiten könnte.

Über Wochen nimmt die junge Frau bei dem Sprachexperten Unterricht, erhält neue Kleider und lernt ein völlig neues Leben kennen. Aber ob das wirklich ausreicht, um das Mädchen in eine reizende Frau zu verzaubern? Denn auch Higgins mit seiner vulgären Ausdrucksweise ist kein nützliches Vorbild. Und Elizas Vater, ein primitiver Trinker aus Wales, der „Gin wie Muttermilch“ trinkt, mischt sich ebenfalls ins Geschehen ein.

Insbesondere die beiden hervorragend spielenden Hauptdarsteller Patrick Gier und Kamilla Leines drücken dem charmanten Stück ihren Stempel auf — sprachlich, gestisch wie auch gesanglich. Schließlich spielt gerade der Gesang in der Komödie eine große Rolle. „Der Name ,Pygmalion‘ wird vielen nichts sagen“, warnte Theaterleiterin Wilma Gier vor der Aufführung. „Aber die Musik werden Sie kennen.“

Das 1913 von George Bernhard Shaw geschaffene Theaterstück gilt nämlich als Vorgänger des Musicals „My Fair Lady“, so dass viele der berühmten Lieder zu hören sind. Thematisiert wird unter anderem die Frage nach Macht und Perfektion. Ebenso beeindruckt das liebevoll gestaltete Bühnenbild, das sich in der kleinen Theaterräumlichkeit traditionell binnen Sekunden völlig verändert. Kein Wunder also, dass am Ende minutenlanger Applaus die Laienschauspieler belohnte.

Die Komödie „Pygmalion“ wird noch an acht weiteren Terminen im Theater Brand am Freunder Heideweg aufgeführt: Am 20., 21., 22., 27., 28., 29. und 30. April sowie am 1. Mai.