Theater Aachen spielt John Osbornes Stück "Der Entertainer"

Premiere in der Kammer des Theaters Aachen : Doppelter Untergang an der Hausbar

Als Gratwanderung zwischen Tragik, Groteske und Komik beschreibt Regisseurin Elina Finkel John Osbornes Stück „Der Entertainer“. Der englische Dramatiker thematisiert hier den Untergang des großen Entertainments in der Nachkriegszeit.

Während Unterhaltungskünstler Billy Rice noch ein großer Star war, kämpft sein Sohn Archie mit dem Untergang. Die goldenen Revue-Zeiten sind vorbei, stattdessen gibt es seichte Nummern und billigen Glitter. „Und mehr als einmal stellt sich die Frage, ob die Tränen der Akteure echt oder eben auch nur inszeniert sind“, sagt die Regisseurin.

Während Billy noch der große Unterhaltungskünstler alter Schule ist, gehört sein Sohn Archie einer Generation an, „die dem Geschmack des Publikums hinterherhechelt, ohne ihm jemals gerecht werden zu können“, führt Dramaturgin Vivica Bocks aus. „Und der Schmierstoff, der alles zusammenhält, ist der Alkohol“, fügt Elina Finkel hinzu. Die Hausbar mit unzähligen Gin-Flaschen ist entsprechend das Szenario, vor dem sich der doppelte Untergang abspielt: Zum einen bricht die Familie auseinander, zum anderen ist eben auch kein Hoffnungsschimmer am Himmel des Entertainments in Sicht.

Nur Tochter Jean beobachtet den desolaten Haushalt aus einen gewissen Abstand und mit politischem Anspruch. Doch damit ist Frank, dem jüngsten Spross der Künstlerfamilie, wohl nicht mehr beizukommen. Franks Unterhaltungskunst ist laut Finkel auf Dschungelcamp-Niveau angelangt. Während die Akteure dem Publikum ihre Welt offenbaren, sparen sie nicht am Alkohol. „Und damit fallen auch noch die letzten Hemmungen“, sagt Finkel. Sie hält den Schlusssatz des Stücks für den Schlüssel, um das Stück in all seiner Größe zu begreifen.

„Hinterlassen Sie uns eine Nachricht, dann kommen wir bei Ihnen vorbei und schauen Ihnen bei der Arbeit zu“, heißt es am Ende, und damit wird dem Zuschauer definitiv eine neue Rolle zugedacht. Und während die Familie während des gesamten Stücks besseren Zeiten nachtrauert, zeigt Billy gleich nebenan auf der Bühne, wie er sein Publikum unterhält. Und alle wissen dabei, „dass weder die Familie noch eine Gesellschaft, die ihrem Untergang mit kultureller Billigware entgegen feiert, zu retten sind“, heißt es in der Beschreibung des Stücks.

Es spielen: Karl Walter Sprungala (Billy Rice), Luana Bellinghausen (Jean Rice), Philipp Manuel Rothkopf (Archie Rice), Marion Bordat (Phoebe Rice), Ognjen Koldzic (Frank Rice), Torsten Borm (Bruder Bill) und Alexander Wanat (Graham). Ursprünglich hätte Rainer Krause den Billy Rice spielen sollen. Da Krause erkrankt ist, übernimmt Karl Walter Sprungala die Rolle.

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