Aachen: Theater Aachen droht die Luft endgültig auszugehen

Aachen : Theater Aachen droht die Luft endgültig auszugehen

Eng ist es für das Theater Aachen seit Jahren schon, doch nach der nächsten Spielzeit droht die Luft endgültig auszugehen: Dann werden auch die letzten Rückstellungen aufgebraucht sein und die jährliche städtische Zahlung von rund 20 Millionen Euro wird zur Finanzierung der personal- und kostenintensiven Spielstätte mit ihren drei Bühnen nicht mehr ausreichen.

Noch ist völlig unklar, wie es dann weitergehen soll.

Im jüngsten Finanzausschuss ließ Kämmerin Annekathrin Grehling immerhin durchblicken, dass sie Änderungen für nötig hält und nicht mehr starr die bislang gedeckelte Summe für das Maß der Dinge hält. Denn es sind insbesondere die jährlichen Tarifsteigerungen, die dem Theater schwer zu schaffen machen und die es seit langem kaum noch aus eigener Kraft auffangen kann.

Auch in der Vergangenheit habe die Stadt bereits Mehrausgaben übernommen, sagte Grehling, die damit deutlich machte, dass man die steigende Kosten tatsächlich „nicht komplett den städtischen Eigenbetrieben überlassen“ könne. Zu diesen Eigenbetrieben zählt nicht nur das Theater, sondern auch die Volkshochschule oder der Kulturbetrieb, dem unter anderem die Museen zugeordnet sind. Sie alle leiden unter den gedeckelten städtischen Zuschüssen auf der einen Seite und steigenden Personalkosten auf der anderen Seite.

Wirklich dramatisch aber entwickelt sich die Sache derzeit vor allem fürs Theater, das mit mehr als 300 festangestellten Beschäftigten zu den Schwergewichten in der städtischen Kulturszene zählt. „Bei Personalkosten von zurzeit 16,2 Millionen Euro bedeutet eine einprozentige Tarifsteigerung Mehrkosten von 160 000 Euro“, erklärte Theater-Verwaltungsdirektor Udo Rüber im Finanzausschuss, „das können wir nicht abfedern.“ Rüber spricht von einem „gesamtstädtischen Problem“, für das alsbald eine Lösung gefunden werden müsse.

Und so sehen es zumindest auch all jene Politiker, die im Kulturausschuss eng an der Seite des Theaters stehen, und die im Grunde keine Alternative zu weiteren Zuschusserhöhungen sehen. Unter ihnen ist auch der Ausschussvorsitzende Josef Hubert Bruynswyck (CDU). „Das Theater spielt eine wichtige Rolle, wir müssen das Angebot sichern“, sagt er und fügt hinzu: „Wir sind guter Hoffnung, mehr Geld zu kriegen.“ Noch aber habe es in seiner Fraktion keine Gespräche über ein neues Finanzierungskonzept gegeben.

Viel Überzeugungsarbeit

Man müsse ständig Überzeugungsarbeit leisten und zeigen, „wie wichtig das Theater für die Menschen und auch für die Außenwirkung einer Stadt“ sei, sagt Sibylle Reuß vom Koalitionspartner SPD. Auch für sie ist es nicht immer einfach, sich Gehör zu verschaffen. Denn in allen Fraktionen gibt es eben auch viele Vertreter, die den Preis fürs Theater schon jetzt für überzogen halten und die sich fragen, ob es nicht auch günstigere Lösungen gibt.

Eine eindeutige Position hat bislang einzig die Piratenfraktion bezogen, die sich klar gegen höhere Subventionen ausgesprochen hat und stattdessen lieber einen Spielzweig dicht machen würde. Ähnliche Forderungen hat es vor Jahren auch schon mal aus Reihen der FDP gegeben.

Für Sibylle Reuß ist hingegen klar: „Wir lassen das Theater nicht im Regen stehen.“ Und schon gar nicht wolle man der Kämmerin alleine die Handlungshoheit überlassen. „Da muss es eine politische Begleitung geben.“ Allerdings hat sich auch ihre Partei noch nicht zu einer einheitlichen Haltung durchringen können. „Es gibt nur die Formel, dass es eine gesamtstädtische Aufgabe ist.“ Übersetzt soll das wohl heißen, dass die Subventionen aus Steuergeldern erhöht werden müssen.

Bereits im vergangenen Jahr musste sich Schwarz-Rot von Grünen und Linken Rumgeeier vorwerfen lassen. Das Theater und seine Beschäftigten benötigten für die weitere Arbeit schnell klare Beschlüsse, meint Hermann Josef Pilgram (Grüne). Denn die Spielzeitplanungen beginnen stets weit im Voraus. Man dürfe „die Eigenbetriebe nicht dem guten Willen der Kämmerin ausliefern“, fordert Pilgram. „Man muss jetzt bessere Vereinbarungen treffen.“

Kaum Einsparmöglichkeiten

Strukturänderungen im Haus selber hätten jedenfalls kaum positive Effekte, ist Pilgram ebenso überzeugt wie Bruynswyk und Reuß. Man müsste schon eine ganze Sparte schließen, um Einspareffekte zu erzielen, und selbst die würden sich erst längerfristig auswirken. Theoretisch denkbar wäre auch die Schließung der Spielstätte „Mörgens“, doch gerade dort erreicht das Theater viele junge Zuschauer, die man unbedingt halten möchte.

Vor Jahren noch hat der frühere Intendant Elmar Ottenthal mit seinem Musical „Gaudí“ für volle Kassen gesorgt. Von den Millio­nen­­einnahmen konnten noch Ottenthals Nachfolger zehren. Doch der große Musical-Boom scheint vorbei zu sein, und so braucht es wohl gänzlich neue Ideen, dringend benötigte Mehreinnahmen zu erzielen.

Dabei steht das Theater Aachen in der Besuchergunst durchaus gut da. Auch in dieser Spielzeit wird wieder fest mit 160 000 Besuchern gerechnet. Leichte Preiserhöhungen stehen derzeit zur Debatte, man dürfe das aber auch nicht überziehen, warnt Bruynswyck. Schließlich wolle man auch niemanden verprellen. Aktuell wird bereits jede Eintrittskarte mit knapp 130 Euro subventioniert.

Für das Theater Aachen wäre gleichwohl eine regelmäßige und planbare Erhöhung der Zuschüsse die beste Lösung. Doch dagegen sträubt sich die Kämmerin nach Kräften, wie sie auch im Finanzausschuss deutlich machte. Man müsse sich alle Positionen sehr genau anschauen und dann die „typischen Gespräche zwischen Theater und Kämmerei“ führen. „Es wird im nächsten Jahr harte Verhandlungen geben“, kündigt sie an

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