Vaals/Aachen: Textilhistorie von Vaals lebt bei der Platzgestaltung wieder auf

Vaals/Aachen: Textilhistorie von Vaals lebt bei der Platzgestaltung wieder auf

Der Aachener Tuchfabrikant Johann Arnold von Clermont erwarb im Jahr 1761 zunächst den baufälligen Adelssitz Vaalsbroek und baute die Reste des Gebäudes aus dem 15. Jahrhundert zu seinem Stammsitz, dem heutigen Schloss Vaalsbroek mit Wohnhaus, Bürotrakt und Fabrikationsanlage um.

Zwischen 1761 und 1775 ließ er darüber hinaus von dem in Aachen lebenden Mailänder Architekten Joseph Moretti im Zentrum von Vaals an dem Flüsschen Gau das heutige von Clermont-Haus als zentrale Fabrik und Wohnstätte erbauen.

Die Tuchfabrikation der Familie Clermont existierte zu diesem Zeitpunkt bereits seit drei Generationen in Aachen. Dort wurden hauptsächlich Tuche zur Herstellung von Soldatenuniformen für die preußische, die russische und später auch für die kaiserliche Garde Napoleons produziert. Die rigiden Gesetze des Zunftwesens der Stadt Aachen hatten Clermont gezwungen, sich im holländischen Teil des Herzogtums Limburg anzusiedeln. Außerdem war es für ihn von Vorteil, als Protestant in der Zeit der Gegenreformation dorthin auszuwandern, da in Vaals ein Großteil der wohlhabenden, innovativen Protestanten, die sich im streng katholischen Aachen Benachteiligungen ausgesetzt sahen, gerne aufgenommen wurden.

Von Clermont ist an vielen Stellen in Vaals präsent, er ließ unter anderem auch Häuser für seine Beschäftigten errichten. Ab Mitte nächsten Jahres ist er auch im neu gestalteten Zentrum des Nachbarortes stärker gegenwärtig. Die Neugestaltung des Koningin Julianapleins wird vor allem durch historische Reminiszenzen geleitet. So wird auf dem Platz ein Fontänenfeld mit 40 Wasserspeiern, die gesteuert werden können, angelegt. Falls der Wochenmarkt dienstags auf den Platz zurückkehren sollte, werden sie einfach ausgeschaltet.

Im Innenhof des Gemeindehauses wird ein Wasserbecken entstehen, dem Färbebecken aus dem 18. Jahrhundert nachempfunden, LED-Lampen bringen Farbe in das Wasser. Auf dem benachbarten Von Clermontplein ist ein Garten geplant, so ähnlich wie zu Von Clermonts Zeiten, auf der anderen Seite eine Tuchterrasse in der Form eines weißen Lakens. Im Gespräch und noch nicht beschlossen ist auch ein kleines Bächlein zwischen dem Platz und der Hauptverkehrsader, der Maastricherlaan.

Der Entwurf stammt von den Kölner Landschaftsarchitekten Club L 94 und ist deshalb von der Gemeinde und der Wohnungsstiftung Vaals, die den neuen Julianaplatz errichten lassen, ausgewählt worden, weil er die Geschichte des Grenzorts auf kreative Weise zum Ausdruck bringe. Außerdem sei Vaals („die kleine Schwester von Aachen“) sehr nach Deutschland orientiert, erklärt Projektleiterin Daniella Maschino-Veenstra. Vor dem Sommerferien soll das Gesamtprojekt fertiggestellt sein.

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